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29. Juli 2020  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Vermeidung von Schimmel im Haus

von  textbroker | 7 Min. Lesezeit | # stachybotrys chartarum  #aspergillus  #raumluftmessung  #kondensation  #schimmelpilzbefall 

Um es klar hervorzuheben: Es gibt kein Gebäude, welches vollkommen frei von Schimmelpilzen ist – Ausnahme Reinräume in der Wissenschaft oder Technik, wo alle Keime zu 100 Prozent aus der Luft entfernt werden. Schimmelpilze, respektive deren Poren sind fester Bestandteil der Luft. Allerdings hat sich unser Körper im Laufe von Jahrtausenden an deren Anwesenheit gewöhnt, weshalb diese Keime in der Regel keine Krankheiten auslösen. Dies kann sich ändern, wenn sich die Konzentration von Schimmelpilzen in der Luft erhöht – aber nicht bei allen Schimmelpilzarten. Es sind insbesondere der Stachybotrys chartarum sowie einige Arten des Aspergillus, deren Sporen nachgewiesen toxisch sind und die pathologische Vorgänge auslösen oder diese begünstigen können.

Was ist Schimmel und wie ist dieser zu identifizieren?

Schimmel braucht organisches Material, um sich anzusiedeln und Feuchtigkeit, um sich zu ernähren. Beim Hausbau werden organische Materialien eingesetzt, darunter Holz, Gips oder Wolle. Außerdem reicht es den meisten Schimmelpilzen, wenn sich eine dünne Schicht organischer Substanz auf einer beliebigen Oberfläche absetzt – beispielsweise Fett aus der Küche, welches sich beim Kochen auf Fliesen oder im Abluftrohr der Dunstabzugshaube ablagert.

Die meisten Schimmelpilzarten, insbesondere die krankheitserregenden Gattungen, benötigen 24-48 Stunden permanente Feuchtigkeit, um zu wachsen. Ein geeignetes organisches Material muss also länger als 24 Stunden feucht sein, damit der Schimmel zu wachsen beginnt. Dies bedeutet aber im Umkehrschluss, dass organische Baustoffe ruhig feucht werden dürfen. Es muss nur dafür gesorgt werden, dass möglichst schnell ein Abtrocknen stattfindet.

Die Anwesenheit von Schimmel kann bei einigen Arten bereits durch deren moderigen Geruch festgestellt werden. Allerdings gibt es auch potentiell gesundheitsgefährdende Schimmelpilze, die geruchsneutral sind oder gar einen blumigen Duft versprühen. Um absolut sicher zu gehen, sollte eine Raumluftmessung durch einen Baubiologen durchgeführt werden, der das dafür notwendige Gerät bereitstellt.

Diese Spezialisten verfügen zudem über Messgeräte, mit denen versteckte Lecks im Gewerk auszumachen sind. Das kann eine winzige Unrichtigkeit im Dach sein, aber auch die undichte Leitung im Heizkreis oder in den Rohren für Zu- sowie Abwasser. Gelegentlich reicht sogar eine Wärmebrücke nahe einer wasserführenden Leitung aus, um so viel Kondenswasser zu produzieren, dass sich Schimmelpilze sowie Schwamm ansiedeln und prächtig gedeihen können.

Kondensation im Haus vermeiden

Kondensation ist eine häufige Ursache für Feuchtigkeitsprobleme in Gebäuden, denen fast immer ein Schimmelpilzbefall folgt. Auf kalten Oberflächen bildet sich Kondenswasser, wenn sich der Wasserdampf in der Luft abkühlt und verflüssigt. Kondenswasser schlägt sich gerne an Metallrohren, Betonwänden, Wassertanks oder Fenstern nieder. Dies ist der Grund dafür, warum eine effektive Belüftung und eine effiziente Heizung unverzichtbar sind, denn viele Schimmelpilzarten beginnen bereits bei einer Luftfeuchtigkeit von etwas mehr als 55 Prozent zu wachsen. Allerdings vorzugsweise in stehender, nicht strömender Luft.

Architektonische Maßnahmen zur Hausbelüftung

Bereits bei der Hausplanung ist die Luftzirkulation in den einzelnen Wohnbereichen sicherzustellen. Dies ist insbesondere in fensterlosen Räumen eine architektonische Herausforderung, ganz besonders im Kellergeschoss. Aber hier reicht oftmals ein kleiner Radiator aus, um durch die aufsteigende Wärme genügend Bewegung in die Luft zu bringen. Alternativen sind eine Zwangsbelüftung oder ein Abluftsystem, welches sich ab einer programmierten Luftfeuchtigkeit selbst einschaltet.

Handwerker kontrolliert Lüftungsanlage auf Schimmelspuren

Fassadenbelüftung

Wird ein Bauwerk mit einer Fassade verkleidet, kann diese hinterlüftet werden. Diese Bautechnik ist ein zweischneidiges Schwert. Bei hohen Außentemperaturen sorgt die Fassadenbelüftung für Kühlung und hält die Wände trocken. Allerdings ist der Energieabfluss aus dem Haus etwas höher, was aber mit geeigneten Baustoffen ausgeglichen werden kann, beispielsweise mit Hanfbeton. Auch die Fenster gehören zur Fassade. Um Schimmelpilzen vorzubeugen, ist es angeraten, ausschließlich solche Fenster zu verbauen, die über eine Zwangsbelüftung verfügen.

Für Luftzirkulation unterm Dach sorgen

Gerade beim Dachausbau wird mit hocheffizientem Isolationsmaterial gearbeitet, oft inklusive einer Dampfsperre. Zwangsentlüftungen oder sensorisch gesteuerte Abluftanlagen schaffen in der Regel Abhilfe, wird die Luftfeuchtigkeit zu hoch. Wer clever ist, nutzt Solartechnik zur Dachbelüftung. Ein einzelnes Panel mit lediglich 75 Watt Leistung ist ausreichend, um von Sonnenaufgang bis zum Abend einen Ventilator mit hohem Luftdurchsatz zu betreiben, der für ausreichend Luftzirkulation sorgt.

Nassräume belüften

Gerade in Nassräumen, vor allem in Bädern, Waschküchen oder in der Küche, wird mit großen Mengen Wasser hantiert. Um die extrem hohe Luftfeuchtigkeit in diesen Räumen schnell zu reduzieren, sind automatische oder halbautomatische Abluftanlagen ein probates Mittel. Liegt der Raum im zentralen Bereich eines Gebäudes, ist ein Luftentfeuchter angeraten. Dabei sollte immer ein Gerät ausgewählt werden, welches an das Abwassersystem angeschlossen werden kann. Grund dafür ist, dass fast immer die anfallende Wassermenge unterschätzt wird. Zudem sind bei den einfacheren Modellen die Auffangbehälter der ideale Ort, um in einem feuchtwarmen Klima Schimmelpilze prächtig gedeihen zu lassen. In Bädern kann die Vorsorge zur Schimmelpilzbildung mit Komfort verbunden werden. Ein Handtuchwärmer beschert den Bewohnern stets trockene und vorgewärmte Badetücher, aber auch ein trockenes Badezimmer.

Putze

Zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit in einem Gebäude sind Wände aus Lehmsteinen ideal. Überdies lässt sich jede mineralische Wand verputzen, wozu Lehm- oder Tonputze hervorragend geeignet sind. Beide Putzarten können große Mengen Feuchtigkeit aufnehmen und diese wieder abgeben. Passend dazu werden inzwischen auch Lehmfarben angeboten, die in verschiedenen, auch in kräftigen Tönen verfügbar sind.

Haustechnik zur Schimmelpilzvermeidung

Insbesondere in Altbauten ist es oft unumgänglich, bewährte Haustechnik zur Vermeidung von Schimmel einzusetzen. Die wichtigsten technischen Geräte hierzu sind:

  • Luftentfeuchter, die immer an das Abwassersystem angeschlossen werden sollten
  • Abluftsysteme, ideal für Küche oder Bad
  • Ventilatoren, vorzugsweise einsetzbar im Keller oder auf Dachböden, um eine ausreichende Luftzirkulation zu erzeugen
  • Luftreiniger, Geräte zur Ionisation: Diese Art der Haustechnik kann angeschafft werden, wenn bereits Schimmelpilze nachgewiesen wurden. Aber Achtung! Ist ein Haus stark von pathogenen Schimmelpilzen befallen, darf dieses bis zum Abschluss einer erfolgreichen Sanierung nicht bewohnt werden. Diese Geräte verhindern nicht die Ansiedlung oder Ausbreitung von Schimmel!

Allgemeine Vorsorgemaßnahmen zur Schimmelvermeidung

  • Durchbrüche sollten immer mit einem hochdichten Bauschaum ausgeschäumt werden. Mit dieser Maßnahme wird aus dem Durchbruch quasi die gesamte Luft verbannt, weshalb sich Pilzkulturen nicht niederlassen können.
  • Ein festes Einbinden von Leitungen und Kanälen im Mauerwerk ist angeraten. Um diese legt sich gerne Kondensat, was die Bildung von Schimmelpilznestern fördert. Diese wachsen im Verborgenen und sie schlagen erst sehr viel später durch das Mauerwerk in die Räume durch, oftmals als Schwamm. Wurde ein poriges Material zum Mauerbau genutzt, können diese versteckten Schimmelpilze ihre Sporen in die Raumluft abgeben, ohne dass der Pilz selbst sichtbar ist.
  • Es sollten immer Fenster mit Zwangsbelüftung verbaut werden.
  • Zweiteilige Türen, die sogenannten Klön- oder Friesentüren, sind ideal, um Häuser gut durchzulüften, ohne dass diese auskühlen. Gerade das Auskühlen birgt die Gefahr, dass sich Kondensat auf Flächen niederschlägt.
  • Als Fußboden sind Fliesen oder fest verklebtes, echtes Parkett immer einer Auslegeware oder einem Kunststoffparkett vorzuziehen. Wird Linoleum ganzflächig verklebt, ist dieses ebenfalls geeignet – allerdings mit Einschränkungen. Kommt es zu einer Überschwemmung, beispielsweise durch einen Rohrbruch oder eine defekte Waschmaschine, kann sich auch unter einem verklebten Linoleumbelag großflächig Schimmel bilden, der durch die Abdeckung schnell zum gefürchteten Bauschwamm werden kann.

Maßnahmen nach Haushaltsunfall mit Wasser**

Ist die Waschmaschine übergelaufen, ein Rohrbruch hat Räume geflutet oder das Fenster wurde beim Gewittersturm zerbrochen, ist das rasche Trocknen der betroffenen Hausbereiche unerlässlich. Bei größeren Wassermassen, beispielsweise bei einer Überschwemmung, sollte ein auf die Entfeuchtung von Gebäuden spezialisiertes Unternehmen beauftragt werden. Diese Experten rücken mit beheizten Zuluftanlagen an, mit denen sich ganze Häuser binnen kurzer Zeit trocknen lassen.

Drei Lüftungsanlagen im Haus
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