Die Begrünung von Bauwerken im urbanen Bereich ist ein vergleichsweise neues Konzept. In der nahen Zukunft sind begrünte Fassaden und Dächer in Städten wahrscheinlich ein alltäglicher Anblick. Die Bauwerksbegrünung erfüllt nicht nur ästhetische Zwecke, sondern hat in erster Linie funktionale Aufgaben.
Welche Optionen gibt es für die Bauwerksbegrünung?
Bei der Bauwerksbegrünung geht es darum, möglichst große Bereiche der Gebäudeoberfläche durch Bepflanzung zu bedecken. Das gelingt zum einen auf Flachdächern, wo dieses Konzept in einfacher Form schon länger zum Einsatz kommt. Zum anderen werden mittlerweile auch Steildächer und ganze Fassaden für die Begrünung genutzt.
Unterschieden wird zwischen extensiven und intensiven Dachbegrünungen. Die extensiven Dachbegrünungen haben eine Wuchshöhe von unter acht Zentimetern. Es kommen vor allem Moos, Gras und Kräuter zum Einsatz. Intensive Dachbegrünungen bestehen aus Pflanzen ab einer Höhe von 20 Zentimetern. Dazu zählen auch Bäume, die ebenfalls auf Dächern gepflanzt werden. So entstehen sogar begehbare Zonen, die für die Erholung zur Verfügung stehen und Schatten spenden. Nach einem ähnlichen Prinzip agiert auch die Innenraumbegrünung.

Entscheidend ist die Wahl der Pflanzen. Für Dächer bieten sich Moose an, denn sie können enorme Mengen an Wasser speichern. Grundsätzlich sind sukkulente Pflanzen gut geeignet – vor allem jene, die aus warmen und trockenen Regionen stammen. Sie können gut mit längeren Trocken- und Hitzephasen umgehen. Dazu zählen beispielsweise Agaven und Fuchsschwanzgewächse. Pflanzen aus der Klasse der Sukkulenten gibt es auch bei uns im Sortiment. Für die Fassaden kommen oft Kletterpflanzen wie Wilder Wein, Efeu oder die Kletterhortensie zum Einsatz. Sie benötigen keine oder nur wenige Rankhilfen. Andere Kletterpflanzen wie die Prunkwinde kommen gut mit schattigen Bedingungen zurecht. Dies sind Lösungen für Fassaden mit Nord- oder Westausrichtung.
Die Entwicklung im Bereich der Bauwerksbegrünung: Neue Technologien und Möglichkeiten
Die Technik der Bauwerksbegrünung entwickelt sich stetig weiter. Vor allem der Aufbau der Begrünung folgt inzwischen einer klaren Struktur, die sich in der Praxis bewährt hat. So besteht sie aus mehreren Schichten mit klaren Funktionen. Dazu zählen eine Drainage- und Speicherschicht sowie eine Filterschicht. Erst darauf sitzt dann die eigentliche Vegetationsschicht, also die Pflanzen. Durch diesen Aufbau entsteht ein Retentionsgründach. Bis zu 80 Liter Regenwasser pro Quadratmeter können solche Dachflächen zurückhalten und kontrolliert über die nächsten Tage abgeben, ohne dabei die Bauwerkssubstanz zu gefährden.
Zudem verfolgt die moderne Bauwerksbegrünung das Ziel, möglichst viele Funktionen zu kombinieren und die Flächen somit effektiv zu nutzen. Inzwischen gibt es Konzepte für die Kombination mit Photovoltaik- und Solaranlagen. Außerdem kommen Dachbereiche immer häufiger als Erholungszonen für die Bewohner der Hochhäuser zum Einsatz, wobei die begrünten Flächen eine wichtige Rolle spielen.

Welche Vorteile bietet eine Bauwerksbegrünung?
Urbane Bereiche kämpfen mit einer Reihe von Problemen, die durch die Flächenversiegelung entstehen. In Städten sind weite Bereiche der Oberflächen mit Beton, Asphalt und ähnlichen Materialien bedeckt. Das gilt besonders für dicht bebaute Zonen wie Innenstädte, wo große Bauten und Hochhäuser dominieren.
Dabei haben Städte eine vergrößerte Oberfläche. Denn nicht nur gibt es horizontalen Flächen wie Dächer und Straßen, sondern auch große vertikale Flächen in Form der Fassaden. Sie lassen sich durch die Bauwerksbegrünung zur Verbesserung des Mikroklimas einsetzen.
In dieser Funktion hat die Begrünung von Fassaden und Dächern eine regulierende Wirkung. Das betrifft die Temperatur in den Städten. Vor allem im Sommer haben versiegelte Bereiche in Städten ein massives Problem mit der Hitze. Beton- und Asphaltoberflächen heizen sich durch die Sonnenstrahlen auf und speichern die Wärme. Selbst nachts sinkt die Temperatur nicht, da die gespeicherte Wärme weiterhin abgegeben wird. Das zeigt sich auch an den Temperaturen innerhalb der Gebäude, die sich durch die direkte Sonneneinstrahlung aufheizen.

Begrünte Fassaden und Dächer schützen die Gebäude vor der Sonne. Das führt dazu, dass sich die Oberflächen deutlich weniger aufheizen. Auch in den Gebäuden bleibt es so an heißen Tagen kühler. Ein weiterer Vorteil der Bauwerksbegrünung ist die Regulierung der Luftfeuchtigkeit. Pflanzen haben die Tendenz, sowohl zu trockene als auch zu feuchte Luft auszugleichen. Damit verbessert die Bauwerksbegrünung das Mikroklima im Umfeld der Häuser.
Auch im Hochwasserschutz und der Bewältigung von Starkregen spielt die Bauwerksbegrünung eine wichtige Rolle. Versiegelte Flächen können kein Wasser aufnehmen, sondern leiten es umgehend ab. Aus diesem Grund kämpfen Städte bei starkem Regen mit einer Überlastung der Kanalisation. Dann kommt es zu Überflutungen von Straßen, Plätzen und Kellern. Begrünte Dachflächen dienen deshalb als Sickerflächen und geben die Regenmassen zeitverzögert ab. Außerdem lässt sich über Regenrückhaltung Gießwasser für die Fassadenbegrünung gewinnen. Somit wird die Menge an Wasser nach Regenfällen ebenfalls reguliert.
Im Winter spielt die Bauwerksbegrünung eine andere Stärke aus. Durch den Bewuchs sowie die Wurzelschicht erhalten die Gebäude eine zusätzliche Isolation. Das minimiert den Wärmeverlust. Gleichzeitig verbessern begrünte Fassaden die Schalldämmung von Gebäuden. Damit verringert sich auch die Geräuschbelastung in Städten.
Darüber hinaus ist die Begrünung auch aus Sicht des Zustands einer Immobilie sinnvoll. Es zeigt sich, dass begrünte Gebäude durch die Pflanzen besser vor dem Verfall geschützt sind. Das macht sich an längeren Renovierungsintervallen bemerkbar, was besonders die Fassaden betrifft. Somit reduzieren sich auch die Kosten für die Pflege und Wartung von Bauwerken.
Welche Rolle spielt die Bauwerksbegrünung beim Umwelt- und Klimaschutz?

Das Konzept der Bauwerksbegrünung trägt zur Verbesserung der Energiebilanz von Gebäuden bei. Das gilt im Sommer wie auch im Winter. Durch die passive Kühlung im Sommer sinkt der Bedarf der Klimatisierung. Gerade die immer heißeren Sommer erfordern praktische Lösungen. Die Begrünung von Fassaden ist eine umweltfreundliche Option, die keinerlei Energie benötigt. Im Winter sinkt dagegen der Energiebedarf der Heizung durch die gesteigerte Isolationswirkung. Auch das trägt dazu bei, Gebäude umweltfreundlicher und energieeffizienter zu gestalten.
Darüber hinaus schafft die Bauwerksbegrünung Lebensräume für Insekten aller Art. Davon profitieren dann Vögel, denen Nahrungsquellen zur Verfügung stehen. So sorgen grüne Fassaden und Dächer dafür, dass auch die Fauna wieder mehr Lebensräume in Stadtbereichen vorfindet.
Außerdem sorgen Pflanzen für eine bessere Luftqualität. Sie sind nicht nur Sauerstofflieferant, sondern entfernen auch Schadstoffe und reduzieren den Gehalt an Feinstaub in der Luft. Gerade Großstädte kämpfen oft mit einer schlechten Luftqualität und haben so die Möglichkeit, sie in der Zukunft gezielt zu verbessern.
