Zum Inhalt springen Zum Navigationsmenü springen
ex::   isB2B: false   isB2CEnabled: true   ShowPrice: brutto      
11. Juni 2023  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Einsatz alternativer Dämmstoffe

von  Ulrich Wolf | 9 Min. Lesezeit | #Dämmstoffe  #Rohstoffe  #Holzfaserdämmung  #Wärmedämmverbundsysteme  #Zellulosedämmstoffe 

Alternative Dämmstoffe – in jeder Hinsicht gut?

Im Vergleich zu Dämmstoffen auf mineralischer und fossiler Basis bilden die alternativen Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen eher einen kleinen Anteil, aber er steigt und Hersteller sowie Händler erwarten weiter wachsende Marktanteile. Grund genug sich einzelne nachhaltige Dämmstoffe einmal genauer anzuschauen.

Was sind ökologische Dämmstoffe?

5 alternative Dämmstoffe zur Dämmung: Holzfasern, Zellulose, Hanf, Flachs und Schafswolle
Eine offizielle einheitliche Definition für ökologische, biologische, alternative oder nachhaltige Dämmstoffe gibt es nicht. Im Allgemeinen werden so aber Dämmmaterialien bezeichnet, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Hanf oder Schafwolle hergestellt werden. Alternativ können sie aus Recyclingmaterial wie Altpapier (Zellulose) bestehen oder natürlichen mineralischen Ursprungs sein, wie etwa Blähton.

Holzfasern, Zellulose, Hanf, Flachs und Schafwolle – das sind die beliebtesten ökologischen Dämmstoffe

Holzfasern

Die Produktpalette ist umfänglich – die Holzfaserdämmung kommt in Form von Platten, Matten und Einblasdämmung daher. Abgesehen von einer Perimeterdämmung können Holzfasern für nahezu alle Dämmaufgaben eingesetzt werden: zur Dach- und Wanddämmung, als Unterdach, Trittschalldämmung, Putzträger, profilierte Akustikdecke oder in Wärmedämmverbundsystemen. Zur Flachdachdämmung sind sie hingegen nur bedingt geeignet. Holzfaserdämmungen können wiederverwendet, recycelt, unter Umständen kompostiert oder thermisch verwertet werden.

Dämmstoffe aus Holzfasern erreichen außerordentlich gute Werte beim sommerlichen Wärmeschutz, sie sind schimmel- und schädlingsresistent und zeigen eine hohe Feuchteresistenz bei gleichbleibender Dämmwirkung. Sie ermöglichen außerdem einen guten Schallschutz, bieten allerdings auch Nagetieren einen Nistplatz. Dagegen können Mäusegitter helfen.

Zellulose

Zellulosedämmstoffe werden aus Altpapier hergestellt. Aus diesem Grund ist der Energiebedarf bei der Herstellung gering und der Preis im Vergleich zu anderen ökologischen Dämmstoffen günstig. Um den geforderten Brandschutz zu erreichen, werden dem zerfaserten Altpapier noch Zusatzstoffe hinzugefügt, die nicht biologisch abbaubar sind. Zellulosedämmstoffe sind daher nicht kompostierbar, aber wiederverwertbar und deponierfähig.

Treppen und Bausteine aus gräulichen Steinen

Zellulose wird als Einblasdämmung, Dämmschüttung und in Form von Dämmplatten verwendet und kann dementsprechend für viele Anwendungsfälle eingesetzt werden. Sie ist aber ebenso wenig wie Holzfaserdämmstoffe als Perimeterdämmstoff geeignet. Die schimmel- und schädlingsresistente Zellulose hat gute Wärmedämm- und Wärmespeicherfähigkeiten. Sie erreicht einen hohen sommerlichen Hitzeschutz, kann außerdem Feuchte sehr gut regulieren, ist aber anfällig für Fäule.

Hanf

Die Nutzpflanze liefert den Rohstoff für Dämmvliese, -matten und -platten sowie für Stopfdämmungen und Schüttdämmstoffe. Dafür werden entweder Hanffasern oder die verholzten Schäben der Pflanze verwendet. Als Brandschutzmittel dient Soda oder Amoniumphosphat. Hanf wächst schnell, ist anspruchslos und unkompliziert im Anbau, der auch in Deutschland stattfindet. Das wirkt sich positiv auf die Ökobilanz von Hanfdämmungen aus. Ein Recycling ist problemlos möglich. Ohne Zusatzstoffe sind Hanfdämmungen sogar kompostierbar.

Je nach Art der Hanfdämmung kann das Material als Zwischen- und Untersparrendämmung, als Gefachedämmung, für Hohlräume, Decken und Trittschalldämmung eingesetzt werden. Hanf enthält kein Eiweiß und ist daher von Natur aus unattraktiv für Insekten. Das schimmel- und schädlingsresistente Material hat eine gute Wärmedämmung, bietet einen sehr guten sommerlichen Wärme- sowie einen hohen Schallschutz und sorgt durch seine sehr gute Feuchteregulierungsfähigkeit für ein angenehmes Raumklima.

Flachs

Flachs ist vielen eher als Lieferant für Leinenstoffe, Leinsamen und Leinöl bekannt. Die ausgesprochen hohe Widerstandfähigkeit macht den Rohstoff aber auch für den Einsatz als ökologischer Dämmstoff interessant. Aus dem Material werden Dämmstoffmatten, -platten, Vliese, Schüttgut, Einblasdämmungen und Stopfwolle für die Wärme- und Schalldämmung hergestellt. Genutzt werden dafür die Kurzfasern der Pflanze, die für die Textilherstellung uninteressant sind.

Bewachsenes Feld mit Sonnenuntergang im Hintergrund

Als Zusatzstoffe können Stützfasern aus PE oder Pflanzenstärke (etwa Kartoffelstärke) und Brandschutzmittel verwendet werden. Es gibt aber auch Dämmstoffe aus Flachs ohne Zusatzstoffe. Diese sind dann kompostierbar oder weiterverwendbar, zum Beispiel als Mulchmaterial. Für die Ökobilanz des Materials vorteilhaft sind die kurzen Transportwege, da es hauptsächlich aus Frankreich und Belgien kommt. Die Pflanze ist resistent gegen Schädlinge und eignet sich daher gut für den ökologischen Anbau. Dämmstoffe aus Flachs werden u.a. eingesetzt als Zwischensparren- und Untersparrendämmung, zur Innendämmung von Wänden, zur Fenster- und Türenabdichtung sowie zur Trittschalldämmung. Nicht geeignet ist das Material als Perimeterdämmung und zur Außendämmung von Fassade und Dach.

Flachs ist schimmel- und schädlingsresistent, widerstandsfähig gegen Fäulnis und hat eine sehr gute Feuchteregulierungsfähigkeit. Dämmstoffe aus Flachs sind leicht zu verarbeiten und sehr formbeständig. Sowohl die Wärme- als auch die Schalldämmung ist gut, nur beim sommerlicher Hitzeschutz erreicht Flachs weniger gute Werte.

Schafwolle

Wolle als Rohstoff für Dämmstoffe stammt in der Regel aus Deutschland und ist ein Nebenprodukt der Tierhaltung. Die Schurwolle muss aufwendig aufbereitet und verarbeitet werden, bevor sie als ökologischer Dämmstoff zur Anwendung kommen kann. Im Zuge dessen muss die Wolle auch gegen Mottenbefall geschützt werden. Das wird je nach Hersteller mit unterschiedlichen Stoffen (Biozide, Natriumborate u.a.) erreicht.

Schafswolle in größerer Menge in Säcken verpackt

Schafwolle ist für die Dämmung von Dach, Wand, Decke und Außenfassade geeignet. Sie hat sich aber auch als Trittschalldämmung, als Schalldämmung von Klima- und Lüftungsanlagen, im Bereich der gedämmten Installationsebene sowie als Stopfwolle für Fugen und Hohlräume bewährt. Als Perimeterdämmung ist sie ungeeignet. Eine Schafwolldämmung erreicht sehr gute Wärmedämmwerte, bei ausreichender Dichte auch einen guten sommerlichen Wärmeschutz.

Sie ist von Natur aus schimmelresistent und hat eine sehr hohe Feuchteregulierungsfähigkeit. Darüber hinaus kann Schafwolle Schadstoffe (vor allem Formaldehyd) aus der Raumluft aufnehmen und binden. Sie ist sehr elastisch, was dem Dämmstoff Langlebigkeit und Formstabilität verleiht. Auch durch Feuchtigkeitsaufnahme wird diese Formstabilität ebenso wenig wie die Dämmeigenschaft beeinträchtigt.

Um Dämmstoffe effektiver einbauen zu können:

Weitere Beispiele für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Die Liste an ökologischen Dämmstoffen ist noch viel länger. Neben den oben genannten werden auch Holzspäne und Holzwolle, Blähton, Jute, Kork, Schilfrohr, Seegras, Stroh und Wiesengras als Dämmstoff eingesetzt. Jedes dieser Materialien bringt seine eigenen Vor- und Nachteile mit was Wärmedämmung, Schalldämmung, Brandschutz, Feuchteverhalten, sommerlicher Hitzeschutz, Diffusionsoffenheit, Kompostierbarkeit, Schädlingsresistenz, Energiebedarf bei der Herstellung etc. angeht.

Was sind Vorteile ökologischer Dämmstoffe?

Die Vorteile ökologischer Dämmstoffe gegenüber konventionellen Dämmstoffen sind zahlreicher als ihre Nachteile. Da sie aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen bestehen, schont ihre Verwendung unsere Ressourcen. Naturgemäß sind Materialknappheiten bei weltweit anbaubaren Rohstoffen nicht zu erwarten. Ihr An- und Abbau sowie ihre Entsorgung ist deutlich umweltschonender und der Energiebedarf bei der Herstellung geringer.

Vorteile alternativer Dämmstoffe: 1. ressourcenschonende Verwendung, 2. gute bis sehr gute Dämmleistung, 3. überdurchschnittlicher sommerlicher Wärmeschutz, 4. gute Feuchtigkeitsregulierung, 5. frei von Schadstoffen, 6. positive Auswirkung auf das Raumklima

Ökologischer Dämmstoffe bieten im Allgemeinen eine gute bis sehr gute Dämmleistung, einen überdurchschnittlichen sommerlichen Hitzeschutz und eine gute Feuchtigkeitsregulierung. Bei richtigem Einbau und Kenntnis der Materialeigenschaften stehen sie auch in Punkto Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit konventionellen Dämmstoffen nicht nach.

Ebenso gehören Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu den „gesunden“ Baustoffen, das heißt, sie sind in der Regel frei von Schadstoffen. Störende oder schädliche Emissionen sind nicht zu erwarten. Viele ökologische Dämmstoffe bewirken aufgrund ihrer bauphysikalischen Eigenschaften ein angenehmes Raumklima.

Einige Dämmstoffe wie Schafwolle können sogar Schadstoffe aus der Raumluft aufnehmen und binden. Darüber hinaus lassen sie sich gesundheitsverträglicher verarbeiten, weil dabei keine gesundheitsschädlichen oder hautreizenden Stäube entstehen.


Wichtig: Ökologische Dämmstoffe können chemische Zusätze enthalten, um das Material schädlingsresistent zu machen oder um Brandschutzvorschriften zu erfüllen. Dies ist bei der Verarbeitung und auch der Entsorgung zu beachten.


Was sind Nachteile ökologischer Dämmstoffe?

Handwerker drücken Dämmwolle in eine Wand
Ein – oft ausschlaggebender – Nachteil ökologischer Dämmstoffe ist (noch) der Preis, denn sie sind meist deutlich teurer als klassische Dämmstoffe wie Polystyrol und Mineralwolle. Ein Grund dafür ist sicher, dass ihre Anwendung noch nicht weit verbreitet ist und die Materialien in entsprechend kleinen Mengen hergestellt werden. Allerdings arbeitet die Zeit für ökologische Dämmstoffe, denn die fossilen Rohstoffe für die Polystyrol-Produktion werden durch ihre absehbare Endlichkeit rapide teurer.

Je nach Anwendungsfall kann ein weiterer Nachteil ökologischer Dämmstoffe ein nicht ausreichender Brandschutz sein. Für Einfamilienhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser sind ökologische Dämmstoffe mit Blick auf den Brandschutz meistens unproblematisch. Bei erhöhten Brandschutzanforderungen, wie sie häufig für größere Gebäude vorgeschrieben sind, müssen viele ökologische Dämmstoffe allerdings noch draußen bleiben.

Wo können ökologische Dämmstoffe eingesetzt werden?

Grundsätzlich gilt: Den einen idealen Dämmstoff, der für jeden Einsatzbereich geeignet, gesundheitsverträglich, preisgünstig, ressourcenschonend, nachwachsend und feuerbeständig ist, gibt es nicht – weder in der Gruppe der alternativen Dämmstoffe noch bei den synthetischen Dämmstoffen. Bis auf wenige Ausnahmen findet sich aber für jede Dämmaufgabe ein geeigneter Dämmstoff aus nachwachsenden Rohstoffen.

Welches Material die geeignete Wahl ist, hängt zunächst einmal davon ab, welches Bauteil gedämmt werden soll. Daneben sind die bauphysikalischen Eigenschaften des gewählten Dämmstoffs wichtig. Passen sie zur Dämmaufgabe und zum jeweiligen Einsatzort? Bei der Auswahl außerdem wichtig ist die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Und am Ende spielt natürlich auch eine Rolle, auf welche Aspekte die Auftraggebenden darüber hinaus besonderen Wert legen: die Ökobilanz des Dämmstoffs, die gesundheitliche Verträglichkeit, der Preis?


Wichtig: Für die Perimeterdämmung sind Dämmstoffe aus Naturfasern grundsätzlich nicht geeignet. Auch für Flachdächer kommen die meisten ökologische Dämmstoffe nicht in Frage.


Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

Artikel teilen

Das könnte Sie auch interessieren

1. Juni 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Im Bereich des Klimaschutzes spielt die Speicherung von Kohlenstoff zunehmend eine Rolle. Eine praktische Option ist die Speicherung in Beton. Eine Forschungsinitiative möchte mit einer neuen Methode den CO₂-Gehalt in der Atmosphäre reduzieren und das Kohlendioxid...

16. Mai 2026
von Knauf Insulation | 5 Min. Lesezeit

Lange Zeit wurde die Gestaltung von Tiefgaragen eher stiefmütterlich behandelt, obwohl diese oft den ersten Eindruck prägt, den ein Gast von einer Stadt, einem Einkaufszentrum oder einem Unternehmen hat. Wie das richtige Dämmsystem selbst bei Garagen im Bestand...

13. Mai 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Hanfkalk besteht aus Grundstoffen, die schon seit Ewigkeiten als Baumaterialien zum Einsatz kommen. Gleichzeitig ist der Bioverbundwerkstoffe ein moderner Baustoff, der seine Ursprünge in den 1980er-Jahren in Frankreich hat. Heutzutage ergeben sich neue Einsatzmöglichkeiten für Hanfkalk, und das Baumaterial zeigt sich erstaunlich vielseitig.

Leider konnten keine Produkte gefunden werden
Das gewünschte Variantenprodukt befindet sich bereits in der Liste. Die zuvor gewählte Variante wurde aus der Liste entfernt.
Geben Sie hier Ihren Suchbegriff bzw. die Artikelnummer ein und wählen Sie die richtige Position aus der Vorschlagsliste aus. Nun können Sie die gewünschte Anzahl zum Warenkorb hinzufügen.
Tragen Sie hier bitte Ihre Bestellung ein