Bereits seit vielen Jahren kämpft die Baubranche mit steigenden Kosten. Dies hat zu einer Diskrepanz zwischen den benötigten und den fertiggestellten Wohnungen geführt. Darunter leidet besonders der Sozialbau, weil das Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, konstant verfehlt wird. Die Bundesländer versuchen jetzt, eigene Lösungen und Wege zu finden, um dem Problem entgegenzuwirken.
Hohe Baukosten: Ein großes Problem für den Wohnungsmarkt
Die steigenden Baukosten sind ein zentraler Grund dafür, warum der Trend bei den fertiggestellten Wohnungen in Deutschland seit Jahren rückläufig ist. Das Statistische Bundesamt informiert:
- Baukostenindex für Wohngebäude 2010 bis 2022: +64 %
- Inflation im selben Zeitraum: +25 %
| Ursache | Erläuterung |
|---|---|
| Energie- und Materialkosten | Energie sowie viele Baustoffe haben sich überproportional verteuert. Materialien wie Bauholz oder Zement waren zeitweise knapp oder wurden durch externe Einflüsse teurer. |
| Grundstückspreise | Vor allem in städtischen Lagen sind die Grundstückspreise stark gestiegen. Hohe Nachfrage trifft dort auf ein begrenztes Angebot. |
| Hohe Wohnraumnachfrage | Der anhaltend hohe Bedarf an Wohnraum hat die Preise zusätzlich erhöht. Fehlende Neubauten aus den vergangenen Jahren haben diese Entwicklung verstärkt. |
| Investorenfokus auf hochpreisige Lagen | Investoren priorisieren teure Projekte in gefragten Lagen, da dort höhere Renditen möglich sind. |

Die Gebäuderichtlinie für die Gesamtenergieeffizienz, Standards für das KfW-Effizienzhaus und die EU-Bauprodukteverordnung sind nur einige Beispiele für Regularien, die in den vergangenen Jahren neu hinzukamen.
Dies führt nicht nur zu Mehrkosten für den Bau, sondern auch zu gestiegenem Aufwand bei der Planung und der Kontrolle sowie zu insgesamt längeren Projektzeiten.
Gebäudetyp E: Weniger Normen und reduzierte Standards in Bayern

Die Bauministerkonferenz hat den Gebäudetyp E anerkannt und in die Musterbauordnung übernommen. Schon Ende 2023 gab das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr grünes Licht für die ersten 19 Projektbauten dieses Typs.
| Bereich | Gängiger Standard | Gebäudetyp E |
|---|---|---|
| Stahlbetondecken | 18 cm Dicke | 14 cm Dicke |
| Steckdosen pro Raum | Mindestens 4 Steckdosen | Weniger Steckdosen möglich |
| Ausstattung und Komfort | Orientierung an üblichen Mindeststandards | Reduzierte Vorgaben möglich |
| Sicherheitsstandards | Nach gesetzlichen Vorgaben | Nach gesetzlichen Vorgaben |
| Raumtemperatur im Bad | Mindestens 24 °C | 20 °C |
| Handtuchheizkörper | Üblicherweise vorgesehen | Nicht vorgeschrieben |
Grundsätzlich lässt sich jede Art von Wohngebäude im Typ E realisieren. Die Vorgaben lassen sich auf Mehrfamilienhäuser, Bungalows oder Reihenhäuser anwenden. Der Gebäudetyp E definiert also keine Gebäudeform, sondern ausschließlich die technische Ausstattung.
Maßnahmenpakete in Hamburg und Bremen sollen Kosten im Wohnungsbau reduzieren
In den nördlichen Stadtstaaten Hamburg und Bremen gehen die Behörden andere Wege, um die Baukosten zu senken und den Wohnungsbau zu stimulieren.

Weiterhin gibt es Erleichterungen beim Schallschutz. So ist eine Trittschalldämmung auf Balkonen, Dachterrassen und Treppen nicht mehr erforderlich. Laut der Verwaltung liegt das Einsparpotenzial alle Maßnahmen bei insgesamt 2.109,50 Euro bei einer Wohnung mit einer Grundfläche von 68 Quadratmetern. Die komplette Sammlung von Vereinfachungsmöglichkeiten hat die Stadt Hamburg in einer detaillierten PDF veröffentlicht.
In Bremen orientiert sich die Stadtverwaltung am Maßnahmenkatalog aus Hamburg. Jedoch hat die Verwaltung den Katalog noch erweitert und möchte damit die Baukosten pro Wohnung um 9.500 Euro senken. Insgesamt sind es rund 130 Maßnahmen, die zusammen für eine deutliche Reduzierung der Baukosten sorgen sollen. Dies gilt spezifisch für den geförderten Wohnungsbau. Im Mittelpunkt stehen neben dem Verzicht auf den Effizienzhaus-40-Standard administrative Vereinfachungen. So sollen Bauakten fortan vollständig digitalisiert sein, was die Kosten senken und Prozesse beschleunigen soll.
Ein Blick in die Zukunft der Baukosten in Deutschland
Trotz der Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen ist wohl nicht mit sinkenden Baukosten zu rechnen. Das Forschungsinstitut Kiel Economics Research & Forecasting geht davon aus, dass im Jahr 2026 die Kosten für Bauleistungen um 2,7 Prozent steigen. Dies wäre zwar ein geringerer Anstieg als in den Vorjahren, aber dennoch weiterhin ein Anstieg.
Auch die volatile globale Situation wirkt sich auf den Bausektor aus. Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten und die unzuverlässigen globalen Lieferketten haben bereits in den vergangenen Jahren für teilweise drastische, wenn auch temporäre Preissteigerungen gesorgt. Zu Beginn des Jahres 2026 zeigt der Krieg im Iran und am Persischen Golf, wie verletzlich die globale Wirtschaft ist.
Steigende Energiepreise wirken sich auch auf die Bauindustrie und die Hauskosten aus. Viele Prozesse in diesem Sektor sind energieintensiv. Das reicht von der Produktion von Stahl bis zu den Transportkosten, die zu den gesamten Baukosten beitragen. In naher Zukunft ist also keinesfalls mit sinkenden Baukosten zu rechnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend der steigenden Kosten im Bau anhält, ist eindeutig höher.