In urbanen und dicht besiedelten Umgebungen sind Lebensräume für Tiere knapp. Das gilt selbst für kleinere Lebewesen wie Vögel oder Igel. Ein neues und innovatives Konzept für Nistfassaden möchte dieses Problem nun angehen. Mithilfe des 3D-Druckverfahrens sollen Häuserfassaden Möglichkeiten zum Nisten und Unterschlüpfen erhalten.
Neuartige Nistfassaden sollen Biodiversität in Städten erhöhen

Der Einsatz von Ton hat aber noch weitere Gründe. So ist das Material für die meisten Tierarten, die in der Fassade Unterschlupf finden sollen, gesundheitlich vollkommen unbedenklich. Als natürlicher Baustoff bietet es den Tieren eine Heimat, die sehr dem natürlichen Nistplatz ähnelt. Die Geometrie der Elemente ist so gestaltet, dass eine Selbstverschattung stattfindet. Denn die Forschenden haben bei der Entwicklung die Exposition der Sonne und den Winddruck berücksichtigt. Dadurch verhindert die Nistfassade eine Überhitzung und schützt die Tiere.

Vielmehr spielen bei der Nistfassade auch ökologische und ästhetische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle.
Dies gehört zu den nachhaltigen Ansätzen des Projekts Ecolopes an der TU München , aus dem die Nistfassade hervorgegangen ist. Die erste Fassade dieser Art wurde im Sommer 2025 an der Kinder- und Jugendfreizeitstätte „Südpolstation“ des Münchner Vereins Feierwerk eingeweiht.
Die Forschenden möchten vor allem Erfahrungen unter realen Bedingungen sammeln und die Fassade in der Praxis testen.

Vögel oder Igel: Nistfassaden schaffen Lebensräume für unterschiedlichste Tiere
Die Nistfassade ist in erster Linie für Vögel konzipiert. Hinter der Oberfläche befinden sich Räume, die als Nisträume für verschiedene Vogelarten geeignet sind. Im ersten Versuchsaufbau wurden so Nistplätze für Haussperlinge und Hausrotschwänze geschaffen. Das ist jedoch nicht alles. Die Nistfassade reicht bis zum Boden und kann so auch Tieren, die dort leben, einen Schutz- und Rückzugsort bieten. Vor allem geht es um Igel, die immer mehr Probleme haben, in urbanen Umgebungen einen sicheren Lebensraum zu finden. Weil das Modell durch die digitale Planung sehr einfach anzupassen ist, kann die Nistfassade auch für andere Tiere umgestaltet werden. Durch eine Änderung der Abmessungen könnten auch größere oder kleinere Vogelarten in der Fassade Unterschlupf finden.Das Ziel ist es, biodiversitätsfördernde Fassadenelemente zu schaffen. Durch Lösungen wie die Nistfassade erhalten lokale Tierarten Lebensräume in Bereichen, die sonst keinen Platz neben den Menschen lassen.

Vorteile auch für Menschen: Diese Eigenschaften bieten die neuen Nistfassaden
Was das neuartige Konzept der Nistfassade noch interessanter macht, sind seine weiteren Vorteile:- Positives Mikroklima in städtischen Umgebungen
- Passiver Hitzeschutz ohne Energieverbrauch oder Lärm durch spezielle Geometrie (Selbstverschattung)
- Förderung der Biodiversität in Städten
- Einfache Wartung durch modulare Bauweise
- Verwendung von recycelbarem, gesundheitlich unbedenklichem Ton
- Ästhetische und ökologische Aufwertung von Fassaden
- Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung
Nistfassaden vor allem eine Option für Sanierung
Die Nistfassaden sind in erster Linie für die Sanierung von Gebäudehüllen gedacht. Die Montage wird einfach auf den fertigen Fassadensystemen durchgeführt. Damit ist die Installation in Zusammenhang mit einer größeren Fassadensanierung oder auch separat zu einem beliebigen Zeitpunkt möglich.
Da zahlreiche Häuserfassaden im Rahmen der energetischen Sanierung aktuell sowie in den kommenden Jahren erneuert werden, bieten sich zahlreiche Chancen für die Nistfassaden. Gleichzeitig können diese dazu beitragen, die Wärmeschutzeigenschaften der Gebäude zu verbessern, an denen sie installiert werden.
Die Wartung der Nistfassaden ist ebenfalls unkompliziert. Weil sich die Fassade aus zahlreichen kleinen Modulen zusammensetzt, lassen sich einzelne Module entfernen und erneuern, sofern dies erforderlich ist. Dadurch ist eine lange Lebensdauer mit geringen Wartungskosten möglich.

Die zentralen Herausforderungen bei der Entwicklung der Nistfassaden waren die Suche nach dem passenden Material sowie die Konstruktion. So musste die fertige Lösung möglichst einfach zu montieren und vor allem mit einem breiten Spektrum an Fassadentypen kompatibel sein. Es waren einige Tests notwendig, um die passende Tonmischung zu finden, die für den 3D-Druck geeignet ist und gleichzeitig die optimalen mechanischen Eigenschaften besitzt. Gleichzeitig musste das Material die Anforderungen der tierischen Bewohner erfüllen.
