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20. Juli 2024  (aktualisiert am 4. März 2026)

Schadstoffe in Baumaterialien: Worauf sollte man achten?

von  hagebau Redaktion | 9 Min. Lesezeit | #Schadstoffe  #Baumaterial  #gesundheitsschädlich  #Holz  #Kunststoff 
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Schadstoffe in Baumaterialien können erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Viele Materialien, die im Bauwesen verwendet werden, enthalten chemische Verbindungen, die bei der Verarbeitung, Nutzung oder Entsorgung freigesetzt werden können. Diese Schadstoffe können zu gesundheitlichen Problemen wie Atemwegserkrankungen, Allergien und in einigen Fällen sogar zu Krebs führen. Daher ist es wichtig, sich über potenziell gefährliche Inhaltsstoffe zu informieren und bewusstere Entscheidungen beim Kauf von Baumaterialien zu treffen.

Formaldehyd in Holzwerkstoffen und Möbeln

Formaldehyd ist ein weit verbreiteter Schadstoff in Holzwerkstoffen wie Sperrholz, Spanplatten und mitteldichten Faserplatten (MDF). Es wird als Bindemittel in Klebstoffen verwendet und kann aus den fertigen Produkten ausgasen. Formaldehyd ist ein bekanntes Karzinogen und kann bei Exposition zu Reizungen der Augen, der Nase und des Rachens führen sowie Asthma und Allergien verschlimmern. Beim Kauf von Holzwerkstoffen sollte auf Produkte geachtet werden, die geringe Formaldehydemissionen aufweisen. Zertifizierungen wie der Blaue Engel oder das GREENGUARD-Zertifikat können dabei helfen, sicherere Produkte zu identifizieren.

Eine Möglichkeit, die Formaldehydemissionen zu minimieren, besteht darin, auf Massivholz oder Produkte aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft zurückzugreifen. Diese Produkte sind oft weniger belastet und tragen zusätzlich zum Umweltschutz bei. Weiterhin ist es ratsam, Räume gut zu lüften, besonders unmittelbar nach der Installation von Holzwerkstoffen, um die Konzentration von Formaldehyd in der Raumluft zu reduzieren.

Phthalate in Kunststoffprodukten

Mit den Händen werden aus einer großen Kiste kleine, bunte Kunststoffteilchen geholt
Phthalate werden als Weichmacher in einer Vielzahl von Kunststoffprodukten verwendet, darunter Vinylböden, Wandverkleidungen und einige Teppichrücken. Diese chemischen Verbindungen können mit der Zeit aus den Materialien entweichen und in die Luft gelangen, was zu einer potenziellen Exposition führt. Phthalate stehen im Verdacht, hormonelle Störungen zu verursachen und die Entwicklung von Kindern zu beeinträchtigen. Um die Exposition zu minimieren, sollte auf phthalatfreie Produkte geachtet und Alternativen wie Linoleum oder Kork in Betracht gezogen werden, die keine schädlichen Weichmacher enthalten.
Zusätzlich kann die Wahl von Teppichen und Bodenbelägen mit dem entsprechenden Umweltzeichen helfen, die Belastung durch Phthalate zu reduzieren. Auch die Vermeidung von Kunststoffprodukten, wo immer möglich, und der Einsatz natürlicher Materialien tragen zur Senkung der Exposition bei.

Asbest in alten Gebäuden

Asbest wurde in der Vergangenheit häufig in Baumaterialien verwendet, darunter in Dachschindeln, Bodenfliesen, Isolierungen und Zementprodukten. Asbestfasern können beim Einatmen schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursachen, einschließlich Lungenkrebs, Mesotheliom und Asbestose. In vielen Ländern ist die Verwendung von Asbest mittlerweile verboten, doch in älteren Gebäuden kann er noch vorhanden sein. Bei Renovierungen oder Abbrucharbeiten in solchen Gebäuden ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine sichere Entfernung und Entsorgung der Asbestmaterialien zu gewährleisten.

Bei Arbeiten in potenziell asbesthaltigen Gebäuden sollten strenge Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören das Tragen von Schutzkleidung und Atemschutzmasken sowie die Nutzung spezialisierter Fachfirmen für die Asbestsanierung. Informieren Sie sich bei den örtlichen Behörden über die gesetzlichen Vorgaben und Empfehlungen zum Umgang mit Asbest.

Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) in Farben und Lacken

Ein Mann streicht mit einem Pinsel eine Holzlatte an
Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) sind in vielen Farben, Lacken und Beschichtungen enthalten. Diese Verbindungen verdampfen bei Raumtemperatur und können die Raumluftqualität erheblich beeinträchtigen. VOCs können Kopfschmerzen, Schwindel, Atemwegsreizungen und langfristig ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Beim Kauf von Farben und Lacken sollte auf Produkte mit niedrigen VOC-Werten geachtet werden. Umweltzeichen wie der Blaue Engel oder das EU Ecolabel können hierbei als Orientierungshilfe dienen.
Eine weitere Möglichkeit, die Belastung durch VOCs zu reduzieren, ist die Verwendung von natürlichen Farben und Lacken, die auf pflanzlichen Ölen und Harzen basieren. Diese Produkte enthalten in der Regel weniger schädliche Chemikalien und tragen zu einem gesünderen Innenraumklima bei. Zudem sollte während und nach dem Streichen oder Lackieren für eine gute Belüftung gesorgt werden, um die Ausdünstungen schnellstmöglich aus dem Raum zu entfernen.

Schwermetalle in Baumaterialien

Einige Baumaterialien enthalten Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium. Diese Metalle können in Farben, Dichtstoffen, Rohren und anderen Baumaterialien vorhanden sein und stellen ernsthafte Gesundheitsrisiken dar. Blei kann zu neurologischen Schäden führen, besonders bei Kindern, während Quecksilber und Cadmium ebenfalls toxisch und krebserregend sind. Beim Kauf von Baumaterialien sollte darauf geachtet werden, dass diese frei von Schwermetallen sind. Alte bleihaltige Farben sollten professionell entfernt und entsorgt werden.

Regelmäßige Überprüfungen und Tests auf Schwermetalle in älteren Häusern sind ratsam, insbesondere wenn Renovierungsarbeiten geplant sind. Vermeiden Sie den Kontakt mit abblätternden Farben oder veralteten Materialien, und lassen Sie bei Verdacht auf Schwermetallbelastung professionelle Tests und Sanierungen durchführen.

Radon in Baugründen und Kellern

Schadstoffmessgerät wird angeschaltet
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, das aus dem Zerfall von Uran im Boden entsteht. Es kann durch Risse und Spalten in Gebäuden eindringen und sich in geschlossenen Räumen ansammeln. Radon ist krebserregend und gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Bei Neubauten sollte auf eine gute Abdichtung gegen Radon geachtet werden, und in bestehenden Gebäuden können Radonmessungen durchgeführt werden, um die Konzentration zu überprüfen. Bei hohen Radonwerten sollten Maßnahmen zur Radonsanierung ergriffen werden, wie zum Beispiel die Installation von Radonabzugsystemen.
Es empfiehlt sich, regelmäßig Radonmessungen in gefährdeten Gebieten durchzuführen und dabei professionelle Messgeräte zu verwenden. Eine einfache und effektive Methode zur Radonreduzierung ist das Abdichten von Bodenplatten und Fundamenten sowie das Einbau von Lüftungssystemen, die Radongase nach außen abführen.

Biozide in Holzschutzmitteln und anderen Materialien

Biozide werden verwendet, um Materialien vor biologischem Befall durch Pilze, Insekten und andere Organismen zu schützen. Sie sind in Holzschutzmitteln, Farben und anderen Baumaterialien enthalten. Viele Biozide sind giftig und können allergische Reaktionen, Hautreizungen und andere gesundheitliche Probleme verursachen. Beim Kauf von behandelten Materialien sollte auf Produkte geachtet werden, die mit weniger schädlichen Alternativen behandelt wurden. Der Einsatz von unbehandeltem Holz oder von Holzarten, die von Natur aus resistent gegen Schädlinge sind, kann ebenfalls eine gute Wahl sein.

Eine sorgfältige Auswahl von Holzschutzmitteln und die Bevorzugung von Produkten mit umweltfreundlichen Zertifizierungen können helfen, die Belastung durch Biozide zu verringern. Alternativen wie thermisch behandeltes Holz oder Hartholz bieten langlebige Lösungen ohne den Einsatz giftiger Chemikalien.

Polybromierte Diphenylether (PBDEs) in Isoliermaterialien

Polybromierte Diphenylether (PBDEs) sind eine Gruppe von Flammschutzmitteln, die in Isoliermaterialien, Elektronik und Möbeln verwendet werden. Sie sind persistent und bioakkumulierbar und können hormonelle Störungen sowie Entwicklungs- und Verhaltensprobleme verursachen. Beim Kauf von Isoliermaterialien sollte auf PBDE-freie Produkte geachtet werden. Alternativen wie Zellulose-, Schafwolle- oder Hanfisolation sind umweltfreundlich und sicherer für die Gesundheit.

Darüber hinaus kann die Wahl von Möbeln und Elektronik mit weniger problematischen Flammschutzmitteln die Belastung durch PBDEs reduzieren. Achten Sie auf Produkte, die entsprechende Umweltzeichen tragen, und informieren Sie sich über die verwendeten Materialien und deren Sicherheitsstandards.

Arsen in behandeltem Holz

ein Haufen Schutt und Holzabfall von einem Abriss
Arsenhaltige Verbindungen wurden früher häufig zur Behandlung von Holz verwendet, um es vor Fäulnis und Insektenbefall zu schützen. Diese Verbindungen sind giftig und krebserregend. Behandeltes Holz kann Arsen freisetzen, besonders wenn es geschnitten oder verbrannt wird. Beim Kauf von Holz sollte darauf geachtet werden, dass es ohne arsenhaltige Chemikalien behandelt wurde. Alternativen wie thermisch modifiziertes Holz oder unbehandeltes Hartholz bieten ähnliche Vorteile ohne die Gesundheitsrisiken.
Es ist wichtig, bei der Entsorgung von arsenbehandeltem Holz professionelle Verfahren anzuwenden, um eine Umweltkontamination zu vermeiden. Vermeiden Sie den direkten Hautkontakt mit behandeltem Holz und waschen Sie sich gründlich die Hände nach dem Umgang damit.

Emissionen von Baustoffen minimieren

Um die Exposition gegenüber Schadstoffen zu minimieren, sollten emissionsarme Materialien bevorzugt werden. Viele Hersteller bieten inzwischen Produkte an, die geringe oder keine schädlichen Emissionen aufweisen. Zertifikate und Umweltzeichen wie der Blaue Engel, das GREENGUARD-Zertifikat oder das EU Ecolabel bieten verlässliche Informationen über die Emissionseigenschaften von Baumaterialien. Eine gute Belüftung während und nach dem Einbau von neuen Materialien kann ebenfalls helfen, die Konzentration von Schadstoffen in der Raumluft zu reduzieren.

Die Wahl emissionsarmer Baustoffe trägt nicht nur zur eigenen Gesundheit bei, sondern unterstützt auch den Umweltschutz durch die Reduktion von schädlichen Emissionen in die Atmosphäre.

Nachhaltige Alternativen wählen

In einer Müllanlage schaut sich ein Mann zwei große Haufen an
Nachhaltige Baumaterialien bieten oft eine sicherere und umweltfreundlichere Alternative zu herkömmlichen Materialien. Naturbaustoffe wie Lehm, Stroh, Hanf und Holz sind nicht nur ökologisch vorteilhaft, sondern auch gesundheitlich unbedenklicher. Diese Materialien sind frei von schädlichen Chemikalien und tragen zu einem gesunden Raumklima bei. Bei der Auswahl von Baumaterialien sollten umweltfreundliche und nachhaltige Optionen bevorzugt werden, um sowohl die eigene Gesundheit als auch die Umwelt zu schützen.
Der Einsatz von recycelten und wiederverwertbaren Materialien kann zusätzlich zur Nachhaltigkeit beitragen. Diese Materialien reduzieren den Ressourcenverbrauch und den Abfall und fördern eine Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.

Fazit

Die Auswahl der richtigen Baumaterialien ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Schadstoffe in Baumaterialien können ernsthafte gesundheitliche Risiken darstellen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Durch bewusste Entscheidungen und die Bevorzugung schadstoffarmer und nachhaltiger Materialien kann die Exposition gegenüber schädlichen Chemikalien deutlich reduziert werden. Zertifikate und Umweltzeichen bieten wertvolle Orientierungshilfen bei der Auswahl sicherer Produkte. Langfristig tragen umweltfreundliche Baumaterialien nicht nur zur eigenen Gesundheit bei, sondern auch zum Schutz unserer Umwelt.

Hagebauprofi-Logo in Rot und Grün mit stilisiertem Sechseck.

hagebau Redaktion

Der hagebau Fachhandel ist unter dem Dach der hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG führende Kooperation im Baustoff-, Holz- und Fliesenhandel. Die zwölf Spezialisierungssysteme und das E-Commerce Team veröffentlichen die redaktionellen Inhalte.

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