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20. Februar 2023  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Schadstoffe in Farben und Lacken - was ist zu beachten?

von  textbroker | 7 Min. Lesezeit | #Farben  #Lacke  #Schadstoffe  #Streichen  #Gesundheit 
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Handwerker rollt Farbrolle auf Abstreifgitter ab

Frische Farben für die Wände oder satt deckende Lacke für das nächste Upcycling-Projekt bringen schnell und mit wenig Aufwand frischen Wind in die eigenen vier Wände. Allerdings enthalten zahlreiche Farben und Lacke Schadstoffe, die beim falschen Umgang gesundheitsschädigend sein können.

Neben Lösungsmitteln sind es vor allem Biozide, Glykole und Weichmacher, die in Innenräumen zu akuten Gesundheitsproblemen führen können – und teilweise auch langfristige Folgeschäden verursachen. In diesem Beitrag erfährst Du, welche Schadstoffe in Farben und Lacken enthalten sein können und welche schadstofffreien Alternativen sich für den Einsatz in Innenräumen anbieten.

Welche Schadstoffe können in Farben und Lacken enthalten sein?

Farben und Lacke, die in Innenräumen verwendet werden, können erhebliche Schadstoffquellen darstellen. Konventionelle Farben und Lacke beinhalten Lösungsmittel, die das Verstreichen vereinfachen und die Konsistenz dauerhaft regulieren. Diese Lösungsmittel bestehen unter anderem aus flüchtigen organischen Verbindungen (Volatile Organic Compounds, kurz VOC). Nach dem Auftrag von Farben und Lacken gasen die VOC insbesondere in den ersten Tagen aus und können Schleimhäute reizen oder Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen.

Immer mehr Hersteller verzichten mittlerweile auf Lösungsmittel und sind auf wasserbasierte Alternativen umgeschwenkt. Allerdings sind auch lösemittelfreie Farben und Lacke nicht frei von Schadstoffen. Der in den Produkten enthaltene Glykolether hat eine relativ geringe Flüchtigkeit, kann daher über einen längeren Zeitraum aus Produkten freigesetzt werden und kann die Leber, das blutbildende System und die Reproduktionsorgane beeinträchtigen.

Einige Farben und Lacke – vor allem für den Außeneinsatz – werden mit Bioziden versetzt, die Pilze, Bakterien und Insekten abtöten und so die Haltbarkeit der gestrichenen Möbel, Zäune oder Gartenhäuschen verlängern. Gelangen die Biozide über die Atemluft in den menschlichen Körper, kann es zu Kopfschmerzen und Schwindel sowie zu Schäden an Leber und Niere kommen.

In einigen Farben und Lacken sind zusätzlich Weichmacher, Formaldehyd oder allergieauslösende Stoffe enthalten.

Welche Gesundheitsrisiken können von Lacken und Farben ausgehen?

Handwerker kippt weiße Farbe in Schale
Werden Lacke und Farben in Innenräumen ohne ausreichende Belüftung verwendet, kann es zu zahlreichen Gesundheitsrisiken kommen. Insbesondere die zahlreichen Lösungsmittel (VOC), die in vielen Lacken und Farben zu finden sind, lösen sowohl akute Probleme als auch langfristige Schäden aus. Gängige Lösungsmittel sind unter anderem synthetische Acrylate und Alkydharze, Butylglykol, Benzol und Dimethylphtalat. Bis in die 1980er-Jahre wurde in Innenräumen auch noch polychloriertes Biphenylen (PCB) verwendet, das unter dem Verdacht steht, die Schilddrüse und das Immunsystem negativ zu beeinflussen.

Es ist wichtig zu wissen, dass es keinen schadstofffreien Lack gibt und dass die menschliche Nase der beste Indikator für eine bestehende Gesundheitsgefährdung ist. Denn solange Lack einen Geruch ausströmt, treten schädliche Moleküle als Aerosole aus. Ist der Lack durchgetrocknet und geruchsneutral, dann ist die Gesundheitsgefahr bei modernen Lacken gebannt.

Grafik Symptome bei Schadstoffen und Lacken mit Icons verschiedener körperlicher Reaktionen wie z.B. Übelkeit

Wie lange wirkt Lack beim Einatmen gesundheitsschädlich?

Wenn Lacke oder Farben trocknen, dann verdunsten die enthaltenen Lösemittel beziehungsweise der alternativ eingesetzte Glykolether und entweichen als flüchtige organische Verbindungen in die Luft. Bei unsachgemäßem Umgang oder direkt nach umfangreichen Bau- oder Renovierungsarbeiten kann die Konzentration der VOC in der Raumluft stark ansteigen und akute gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen.

Die Dauer, bis alle enthaltenen VOC ausgegast sind, hängt immer vom Produkt und der verwendeten Menge ab. Daher kann kein allgemeingültiger Zeitraum benannt werden, in dem Lack beim Einatmen gesundheitsschädlich wirkt. Die Zeitdauer kann von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen reichen. Wie bereits erwähnt: Solange ein stechender, beißender oder auch süßlich-intensiver Geruch wahrgenommen wird, befinden sich Aerosole in der Raumluft und können zu den beschriebenen Symptomen führen.

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Wie werden Lacke und Farben richtig entsorgt?

Alte, teilweise beschriftete oder verrostete, Farbdosen auf dem Boden

Wie genau alte, eingetrocknete Farben und Lacken (und deren entleerte Gebinde) entsorgt werden müssen, ist abhängig von gesetzlich vorgegebenen Parametern.

Die strengen Gesetze sollen Umweltverschmutzungen verhindern und die Kontamination noch verwertbarer Abfallstoffe unterbinden.

Farb- und Lackabfälle, die organische Lösungsmittel oder andere schädliche Substanzen beinhalten, werden in der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) unter der Abfallschlüsselnummer AVV 08 01 11* als „gefährliche Abfälle“ geführt. Entsprechend müssen die Gebinde mit Hinweistexten und Piktogrammen gekennzeichnet werden. Für die fachgerechte Entsorgung von Farben und Lacken ist zu beachten:

  • Farben und Lacke dürfen nicht über die Kanalisation entsorgt werden. Die Inhaltsstoffe greifen nicht nur die Bausubstanz der Abwasseranlagen an, sondern töten auch Mikroorganismen ab, was die Versorgung mit Trinkwasser gefährdet.
  • Alle flüssigen Lacke und Farben sind als Sonderabfall zu entsorgen. In haushaltsüblichen Mengen bis maximal 60 Liter pro Haushalt nehmen Recyclinghöfe und Schadstoffmobile die Abfälle an.
  • Farben und Lacke mit Lösungsmitteln oder Farbgemische, deren Zusammensetzung nicht bekannt ist, müssen ebenfalls als Sondermüll entsorgt werden.
  • Gebinde mit Farb- oder Lackresten, die mit einem Gefahrensymbol versehen sind, müssen gemäß Chemikaliengesetz in handelsüblichen Mengen von Händlern zurückgenommen werden.
  • Wasserbasierte Farben und Lacke dürfen, wenn sie eingetrocknet sind, über den Hausmüll entsorgt werden.
  • Leere Eimer und Gebinde oder Werkzeuge wie Pinsel dürfen ebenfalls im Hausmüll entsorgt werden, sofern die Farb- oder Lackanhaftungen vollständig eingetrocknet sind.

Welche schadstofffreien Alternativen gibt es zu konventionellem Lack?

Auch wenn alle herkömmlichen Farben und Lacke Schadstoffe enthalten, gibt es doch einige Produkte, bei denen der Schadstoffgehalt auf ein Minimum reduziert ist. Diese Produkte werden in Deutschland seit über 40 Jahren mit dem Blauen Engel, dem Umweltzeichen der Bundesregierung, gekennzeichnet. Das Siegel wird für umweltfreundliche Produkte vergeben und dient als Orientierung beim Einkauf.

Wenig Schadstoffe sind besser als Farben und Lacke voller gefährlicher Zusatzmittel. Noch besser sind allerdings ökologische Alternativen, die komplett ohne Lösungsmittel, Glykolesther oder Biozide auskommen. Gerade im Bereich der Wandfarben gibt es interessante, farbintensive Produkte aus natürlichen Rohstoffen:

FarbtypEigenschaften
Kalkfarbenermöglichen ein „Atmen“ der Wand, bieten hervorragende feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften und zaubern mit wenig Aufwand glatte Oberflächen.
Dispersionsfarben ohne Lösungsmittelwerden mittlerweile von vielen Herstellern angeboten. Diese Farben kommen völlig ohne schädliche Zusatzstoffe aus und werden in der Regel auch klimaneutral hergestellt. Empfehlenswert ist bei der Verwendung dieser Farben unbedingt eine Grundierung. Unter Umständen können auch mehrere Anstriche notwendig sein, bis die gewünschte Deckkraft erzielt ist.
Lehmfarbenbesteht aus Tonmehl, natürlicher Zellulose, Eiweiß und Stärke. Sie wird in Pulverform geliefert und muss nur noch mit Wasser aufgerührt werden. Wie Kalkfarbe ist auch sie atmungsaktiv und reguliert Feuchtigkeit. Ein zusätzliches Plus: Lehmfarbe kann schlechte Gerüche absorbieren.
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