Guter Schallschutz ist entscheidend für den Wohn- und Nutzungskomfort eines Gebäudes. Insbesondere im Holzbau – wo leichtes Material vergleichsweise einfach in Schwingung versetzt werden kann – muss dem Schallschutz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Das reine Einbringen von Masse ist eine Möglichkeit, dem Schall zu begegnen – aber längst nicht die Einzige.
Schall ist nicht gleich Schall
So viel steht fest: Hört man Schritt und Tritt aus angrenzenden Etagen oder den Fernseher des Nachbarn im eigenen Schlafzimmer, werden die Nerven strapaziert. Doch Lärm ist nicht nur in den eigenen vier Wänden ein Problem. Auch bei Gewerbe-Objekten und öffentlichen Gebäuden wie Schulen wird vieles unternommen, um Geräusche dort einzukapseln, wo sie entstehen. Um zu verstehen, wie Geräusche von einem zum nächsten Raum gelangen, müssen zunächst – stark vereinfacht – die Arten von Schall erklärt werden.

Der sogenannte Luftschall breitet sich wellenförmig – wie der Name schon sagt – über die Luft aus. Das Prinzip der Schallübertragung über die Luft ist stets dasselbe – unabhängig davon, ob Stimmen, Musik aus einem Radio oder die Beats eines Schlagzeugs durch die Luft wandern. Das ändert sich erst, wenn Schall auf einen festen Körper trifft.
Körperschall
Luftschall kann Schwingungen in festen Körpern erzeugen. Jeder hörende Mensch erlebt das täglich, wenn Luftschall das Ohr erreicht, das Trommelfell zum Schwingen bringt und so das Hören erst möglich wird. Doch nicht nur das Trommelfell – auch Wände, Böden und Decken können in Schwingung geraten.
Und da Schall ein echter Verwandlungskünstler ist, wird er erst zu Körperschall und auf der anderen Seite der Wand wieder zu Luftschall, der das Ohr erreicht. Luftschall ist jedoch nicht das Einzige, was Bauteile wie Gitarrensaiten schwingen lässt. Auch Schritt und Tritt, Stühlerücken und plätscherndes Wasser in der Dusche erzeugen Körperschall – bzw. Trittschall als besondere Form des Körperschalls.
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Alles Masse, oder was?

Nach dem Massegesetz steigt die Schalldämmung eines Bauteils bei Verdopplung der flächenbezogenen Masse (kg/m²) um ungefähr 5 - 6 dB. Deshalb erledigt sich der Schallschutz im Massivbau – zum Beispiel bei Stahlbetondecken mit Massen von 300 kg/m² und mehr – fast wie von selbst.
Ganz anders sieht es im Holzbau aus. Eine Holz-Balkendecke mit weniger als 100 kg/m² und ohne weitere Schalldämm-Maßnahmen bietet 10 – 20 dB weniger Schalldämmung.
Die „Holzhammer-Methode“, einfach überall Masse einzubringen, damit das Bauteil nicht so leicht in Schwingung geraten kann, wäre zwar effektiv, aber insbesondere im mehrgeschossigen Holzbau keineswegs gewünscht – schon allein aus statischen Gesichtspunkten.
Masse-Feder-Masse-Prinzip
Weil der Zimmermann nicht einfach 300 kg/m² Zusatzgewicht in die Holzbalkendecke packen kann, bedient er sich eines physikalischen Tricks: Er dämpft den Schall über ein mehrschichtiges System, indem er Masse (z.B. eine Holzdecke) mit einer federnden Schicht (Dämmung) und einer weiteren Masse (Estrich und Bodenbelag) kombiniert. Die raumseitige Masse gerät in Schwingung, überträgt diese aber an eine dämpfende Schicht, die große Teile des Körperschalls schluckt. An dem darunterliegenden Boden bzw. der Decke kommen dann nur noch Bruchteile der Schwingungen an.
Die Auswahl an federnden bzw. dämmenden Schichten ist groß. Knauf Insulation bietet beispielsweise Lösungen aus unterschiedlichen Materialien, die in Kombination mit weiteren Komponenten aus der Knauf Gruppe sehr leistungsfähige, geprüfte Gesamtsysteme ergeben – zum Beispiel:
Die Leistungsfähigkeit mehrschichtiger Systeme nach dem Masse-Feder-Masse-Prinzip kann die Schalldämmung mancher Massivdecken bei korrekter Ausführung bei weitem übersteigen.

Sorgfältig entkoppeln
Für den zuverlässigen Schallschutz mit System ist jedoch die lückenlose Entkopplung der Bauteile und Bauteilschichten entscheidend – zum Beispiel mit (Rand-)Dämmstreifen und gedämpften Direktschwing-Abhängern, die verhindern, dass der Körperschall die Dämmschicht umgeht und sich direkt auf ein berührendes Bauteil bzw. eine Bauteilschicht überträgt.Denn eines ist sicher: Wenn es einen Weg des geringeren Widerstands gibt, wird der Schall diesen finden.
Fazit
Der Aberglaube, dass der Holzbau immer schlechteren Schallschutz bietet als die massive Bauweise, ist lange widerlegt. Masse bleibt im Schallschutz nach wie vor ein wichtiger Faktor – aber ein kluges System mit einer „Feder“ zwischen den Massen kann die Nachteile der Leichtbauweise wieder wettmachen.


