Die erschreckend negative CO2-Bilanz der Bauindustrie macht ein Umdenken der Branche notwendig. Nachhaltige und biologische Baustoffe sind auf dem Vormarsch.
Waren es zuvor circa 25 Prozent, wird die Baubranche seit 2021 für rund ein Drittel des weltweit erzeugten CO2 verantwortlich gemacht. Insbesondere Beton steht bei Umweltschützern in der Kritik, denn bei der Baustahlherstellung, beim Brennen von Zement und beim Anmischen sowie Verarbeiten des weltweit beliebtesten Baustoffs werden Unmengen des klimaschädlichen Gases produziert. Allein die Herstellung einer Tonne normalem Portlandzement verursacht gut 700 Kilogramm CO2. Alternative Baustoffe versprechen Abhilfe. Allerdings ist oftmals nicht ganz klar, ob diese neuartigen Produkte biologisch, ökologisch, nachhaltig oder einfach nur ein Etikettenschwindel sind.
Unterschied: biologische, ökologische, nachhaltige Baustoffe
Wer sich nach Alternativbaustoffen im Trockenausbau, beim Hausbau oder der Dachkonstruktion umsieht, der sollte sehr gewissenhaft einige Fachbegriffe unterscheiden können. Dies ist auch im Umgang mit Kunden und Auftraggebern wichtig, damit eine sorgfältig ausgeführte Arbeit nicht wegen des Einsatzes falscher Materialen ein juristisches Nachspiel hat. Deshalb hier die Definitionen der wichtigsten Materialkategorien.
Nachhaltigkeit

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ruht auf drei Säulen:
- Ökonomie
- Ökologie
- Soziales
Immer wieder ist zu lesen, dass Beton eigentlich ein natürlicher und nachhaltiger Baustoff sei, weil alle Teile aus der Natur stammen. Diese Aussage ist falsch. Der in Kiesgruben gewonnene Sand und der Kies wachsen nicht nach. Ist die Kiesgrube ausgebeutet, wird daraus häufig ein Baggersee. Der Baustahl wird aus Eisenerz hergestellt. Auch hier gilt, dass das geförderte Eisenerz nicht nachwächst. Wurde es verbraucht, kann der Baustahl allenfalls durch Recycling als Rohstoff rückgewonnen werden.
Die Ressourcen schonende Baumaterialien
Hierbei handelt es sich um Materialien, bei denen ursprünglich verwendete Zutaten durch Alternativen ganz oder teilweise ersetzt werden. Würde beispielsweise beim Beton der Sand vollständig oder in Teilen durch ein nachhaltiges Material ersetzt, wäre dieser Beton ressourcenschonender als herkömmlich. Inzwischen werden Beton zur Verbesserung der Dämmwirkung gelegentlich bis zu maximal 7 Prozent Holzmehl, Sägespäne, Spreu oder gehäckseltes Stroh beigemischt. Würde dies immer getan, könnten rund 8 Millionen Kubikmeter Beton allein in Deutschland pro Kalenderjahr eingespart werden. Das entspricht etwa 1.000.000 Lkw-Ladungen. Hochgerechnet und davon ausgehend, dass ein Kubikmeter Beton rund 2,5 Tonnen wiegt, würde dies weltweit circa 1,6 Milliarden Tonnen der insgesamt rund 40 Milliarden Tonnen CO2 einsparen.
Biologische Baustoffe
Bei einem Bio-Produkt stammen alle Teile aus der Natur. Diese Zutaten zum Material dürfen bearbeitet werden, aber nicht verarbeitet. Soll heißen, jedes Teil in diesem Material muss seine ureigenen natürlichen Eigenschaften beibehalten und es darf an sich nicht umweltschädlich sein. Ein Beispiel dafür wäre Rohöl. In der Tat ein Naturprodukt, fällt Rohöl dennoch nicht unter die biologischen Materialien, weil ein Tropfen davon etwa 1.000.000 Liter Wasser verseuchen kann. Wird das Rohöl raffiniert, ist zwar die Basis biologisch, aber das neue Produkt besitzt vollständig andere Eigenschaften; so wie bei Benzin, Diesel, Heizöl, Basismaterial für Kunststoffe, Kleber etc. Überdies ist zwingend vorgeschrieben, dass biologische Rohstoffe auch unter biologisch verträglichen Bedingungen angebaut werden, also ohne den Einsatz von chemischen Mitteln, Pestiziden oder Düngern. Auch deshalb dürfen sich Rohöl oder Wildpflanzen nicht biologisch nennen, denn sie kommen natürlich vor – werden aber nicht angebaut.
Künstliche Materialien
Künstliche Materialien kommen in der Natur nicht vor. In der Regel werden Rohstoffe aus der Natur durch chemische oder mechanische Prozesse nachgebildet, umgewandelt, nach einem natürlichen Vorbild angelegt oder gefertigt.
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Ökologische Baumaterialen
Darunter werden Rohstoffe verstanden, die quasi unbegrenzt zur Verfügung stehen. Ein gutes Beispiel ist Steinwolle, welches ja aus vulkanischem Gestein, vorzugsweise aus Basalt gewonnen wird. Basalt ist in derart großen Mengen verfügbar und aktive Vulkane produzieren mehr davon, dass die Nutzung des Gesteins zur Dämmstoffherstellung der Natur keinen Schaden zufügt.
Naturfarben & Putze
Generell können Farben biologisch sein, selten auch nachhaltig. Zudem macht eine dünn aufgetragene Farbschicht ein Recycling wenig sinnvoll und kaum praktikabel. Bei den biologischen Farben stehen vor allem Lehmfarben im Fokus. Durch neuartige Zusatzstoffe auf rein biologischer Grundlage ist es inzwischen möglich, Lehmfarben mit kraftvollen, leuchtenden Tönen herzustellen. Zu den biologischen Farben im Bauwesen gehören ebenso einige Holzöle, Naturkalkfarben sowie das Beizen.
Beim Wandputz kommen solche aus Kalk, Lehm oder Ton in Frage. Allerdings ist darauf zu achten, dass ein solcher alternativer biologischer Wandputz ohne Zement angemischt wird. Stattdessen können beispielsweise Gips oder Kalk verwendet werden.
Naturdämmstoffe

Lehmbaustoffe

Trockenbaustoffe

Wer an den Innenausbau denkt, dem kommen meist Rigips-Platten in den Sinn.
Moderne Varianten sind: nachhaltige, teils biologische OSB-Platten ohne künstlichen Kleber, Wände ganz aus Holz, das recht neuartige Fiber-Board. Beim Fiber-Board wird teils Zement verwendet. Es werden aber inzwischen auch Platten in den gängigen Maßen von 2.400 x 4.800 mm hergestellt, bei dem ein natürliches Fiber nur durch Druck und Hitze zu einem Board gepresst wird.
Bodenbeläge

Im Wirrwarr zwischen ökologisch, biologisch und nachhaltig zurechtfinden
Es ist nicht immer ganz einfach, die Eigenschaften von Baumaterialien in Bezug auf den Umweltschutz einzuschätzen. Die Industrie erschwert diese Versuche durch unzutreffende Produktbezeichnungen wie Bio-Beton. Wer sich aber bei der Auswahl der Baumaterialien auf die Definition der einzelnen Begriffe bezieht, dem wird schnell klar, was bio, nachhaltig oder ökologisch ist. Erforderlich ist dazu allerdings eine recht gute Materialkenntnis und das Wissen, welche Substanzen wie hergestellt werden.