Barrierefreie Türen bedeuten im Wohnungsbau weit mehr als das gewollte Fehlen von Treppen und Schwellen. Schiebetüren bieten hier viele Vorteile, allerdings sind die Anforderungen der DIN 18040-2 an die maßliche und bauliche Umsetzung sehr umfangreich. Wir gehen auf die wichtigsten Punkte ein.
Die allgemeingültige Definition für die Barrierefreiheit lautet: „Gebäude und bauliche Anlagen müssen so beschaffen sein, dass sie für alle Menschen mit und ohne Behinderung ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“ Für den Bereich barrierefreie Türen heißt es: „Türen müssen deutlich erkennbar, leicht zu öffnen und zu schließen und sicher zu passieren sein.“ Im Zuge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft gewinnen Produkte und Lösungen zur Umsetzung der Barrierefreiheit an Bedeutung, sie werden künftig sicherlich eher die Regel als, wie heute noch, die Ausnahme sein. Übrigens ist der in diesem Zusammenhang verwendete Begriff der „eingeschränkten Bewegungsfähigkeit“ nicht nur auf körperlich behinderte Menschen, sondern beispielsweise auch auf Eltern mit Kinderwagen oder Kleinkindern anwendbar. Insofern ist die „Zielgruppe“ noch deutlich größer als die etwa 8,6 Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung.
Die Anforderungen an die Infrastruktur von Gebäuden mit Wohnungen berücksichtigen grundsätzlich auch die uneingeschränkte Nutzung mit einem Rollstuhl. Innerhalb von Wohnungen wird unterschieden zwischen „barrierefrei nutzbaren Wohnungen“ und „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen“.

Das sind die wichtigsten maßlichen Vorgaben
Bei der nutzbaren lichten Öffnungsbreite, die bei Rollstuhlnutzung größer als 90 cm sein muss, ist es bei Drehflügeltüren wichtig, dass diese über 90° zu öffnen ist, da sonst der Türdrücker im Weg hängt. Ohne Rollstuhlnutzung muss die lichte Breite nur 80 cm betragen. Die lichte Öffnungshöhe über OFF muss in jedem Falle mindestens 205 cm betragen, die Türlaibung ein Mindestmaß von 26 cm aufweisen. Bei den Türdrückern und –griffen gelten 85 cm als ideale Griffhöhe, in begründeten Ausnahmefällen kann auch eine Griffhöhe bis 105 cm zulässig sein. Damit die Drücker gut erreichbar sind, müssen sie zusätzlich definierte Abstände zu Bau-, Ausrüstungs- und Ausstattungsteilen aufweisen. Hier gilt das Maß von 50 cm für alle Türen sowohl innerhalb wie außerhalb von Wohnungen.
Das sind die wichtigsten baulichen Parameter
Selbstverständlich sind Schwellen und Anschläge in den Türdurchgängen nicht zulässig. Ist eine Schwelle „technisch unabdingbar“, darf sie eingebaut werden, dabei aber eine Höhe von 20 mm nicht überschreiten. Bei erhöhten Schallschutzanforderungen darf es auch eine Halbrundschwelle bis 8 mm Höhe bei Wohnungseingangs- und Zimmertüren sein. Baulich aufwendiger ist die Einhaltung der Bewegungsflächen vor und hinter den Türen. Ein durchschnittlicher Rollstuhl mitsamt Fahrer wird mit 90 cm Breite und 130 cm Länge veranschlagt, wird er von einer Person begleitet, steigt die nötige Breite auf 150 cm, die Länge auf 175 cm. Rollstuhlfahrer sollen selbstständig eine Tür passieren können, deshalb ist vor und hinter der Tür eine für das Rangieren notwendige Fläche von 150 x 150 cm gefordert. Für übrige Nutzer, auch für solche mit Rollator, müssen 120 x 120 cm ausreichen.
Schiebetüren für den barrierefreien Durchgang
Gerade bei sowieso geplanten Sanierungsmaßnahmen bieten sich die in einer Trockenbauwand laufenden Schiebetüren als barrierefreier Ersatz für die üblichen Anschlagtüren an. Verschiedene Hersteller haben dazu entweder Montagekits (Knauf) oder fertig Montagesets (Eclisse) in ihrem Programm. Zur sehr leichten Bedienbarkeit von Schiebetüren für beeinträchtigte Menschen tragen maßgeblich die Art und Qualität der Beschläge des jeweiligen Systems bei. Hochwertige Varianten kombinieren Leichtmetall-Einbauteile (etwa Aluminium) mit doppelpaarigen und kugelgelagerten Kunststoffrollen mit Pendelgelenk. Besonderes Augenmerk legen die Hersteller auch auf die Laufschiene, die das Türblatt trägt und führt. So bieten nachträglich noch demontierbare Schienen die Möglichkeit, jederzeit den hinteren Türstopper nachzujustieren oder die ganze Tür auch nachträglich motorisieren zu können. Andere Hersteller bilden ihre Laufschienen so stabil aus, dass sie völlig ohne zusätzliches, tragendes Sturzprofil auskommen.
Um die Montagezeiten zu verkürzen, gehen die Hersteller von Schiebetürsystemen dazu über, untergeordnete Verbindungen an den Wandtaschen nicht mehr zwingend zu verschrauben, sondern durch Clips zusammen zu stecken. Das verkürzt die Montagezeit erheblich. Statisch relevante Knotenpunkte und Aussteifungen müssen aber bei allen Systemen weiterhin auch geschraubt werden. Für die Montage moderner Systeme braucht der Handwerker für eine Schiebetür im Trockenbau nur die Türblattmaße, die Systemteile werden dann mittels Zusammenstecken in das bestehende Trockenbau-Ständerwerk integriert. Wichtig: Beim Beplanken der Ständerkonstruktion einer Wandtasche dürfen nur kurze (25 mm) Schnellbauschrauben verwendet werden, um Beschädigungen am Türblatt zu verhindern.
Bei den für die Barrierefreiheit wichtigen Durchgangsmaßen, die möglich sind, um eine Schiebetür einzubauen, hat sich ebenfalls viel getan. Bei einflügligen Türen können Sondermaße bis zu 1800 mm Breite und 2700 mm Höhe geordert werden. Dabei darf das einzelne Türblatt bis zu 120 kg schwer sein. Durch die Kombination von zwei Einbausets lässt sich aus jedem einflügeligen Schiebetürsystem bei Bedarf auch ein zweiflügliges zaubern.
Ab einer bestimmten Öffnungsgröße und bei bestimmten Wandgestaltungen schreibt jeder Hersteller konstruktive Maßnahmen zur Erhöhung der Stabilität der Gesamtkonstruktion respektive der Beplankung vor. Das betrifft zum Beispiel den dann zwingenden Einsatz von CW 100-Profilen als Ständerwerk ebenso wie eine notwendige doppellagige Beplankung. Die ist beispielsweise in häuslichen Badezimmern nötig, falls die Wandfläche verfliest werden soll. Auch im Bestand ist es kein Problem mehr, eine Schiebetür nachträglich einzubauen. In Altbauten sind häufig zweiflüglige Türen zwischen Speise- und Wohnzimmer eingebaut worden, die im Laufe der Zeit ihre Leichtgängigkeit verloren haben. Spezielle Gleittür-Lösungen können die alten schweren Holztüren ersetzen, sie funktionieren über eingelassene Decken- und Bodenschienen, die in den bestehenden Wandtaschen montiert werden. Diese sehr dünnwandigen Türsysteme sind eine Kombination aus einem schlanken, tragenden Aluminiumrahmen und einer nach Bauherrn-Wunsch gestalteten Füllung. Anforderungen an den Schallschutz lassen sich mit Gleittürsystemen aufgrund der sehr geringen Masse nicht erfüllen.