Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind zwei Themen, die zunehmend auch die Baubranche betreffen. Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen ergibt im besten Fall sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus bautechnischer Sicht Sinn. Bei der Zweitverwendung von Altholz ist genau dies möglich.
Recycling for Reuse: Option für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und die Kreislaufwirtschaft
Holz ist eine der zentralen Ressourcen der Baubranche. Konstruktionsholz, Fassadenverkleidungen oder Dachelemente: Überall kommt das Naturmaterial zum Einsatz. Bei der Sanierung von Altbauten fällt dementsprechend auch Altholz als Abfall an. Jährlich sind dies in Deutschland zwischen sieben und acht Millionen Tonnen.

Möbel, Paletten und Bahnschwellen - Altholz steckt überall. Doch nur 20 % werden recycelt, meist zu minderwertigen Spanplatten.)
Für die Zukunft spielt Holz als nachwachsender und umweltfreundlicher Rohstoff eine wichtige Rolle in der Bauindustrie. Wenn es gelingt, brauchbares Altholz aus den verschiedenen Quellen einer sinnvollen zweiten Verwendung im Bausektor zuzuführen, dann minimiert dies den Bedarf an neuen Ressourcen. Gerade bei Holz ist die Verfügbarkeit durch die natürlichen Gegebenheiten beschränkt. Bis der Wald neues Holz produziert hat, vergehen mehrere Jahrzehnte. Dieser Zyklus lässt sich nur geringfügig beeinflussen, sodass die Mengen an jährlich neu verfügbarem Holz auch für die Zukunft bereits vorgegeben sind. Recycling for Reuse ist die Lösung. Dieses Konzept erhöht nicht nur die Menge an verfügbarem Bauholz, sondern mindert auch den Einschlag an neuem Holz für den Bausektor. Dies schont die natürlichen Ressourcen.

Ein Vorteil von Recycling for Reuse ist, dass die Nutzungsdauer des Holzes verlängert wird. Wie lange Holz unter optimalen Bedingungen hält, zeigen viele Beispiele aus der Praxis. In vielen Fachwerkhäusern befinden sich noch die originalen Holzstämme, die teilweise 200 Jahre und älter sind. Sofern das Holz vor Feuchtigkeit und Schädlingen sowie UV-Licht geschützt ist, behält es über extrem lange Zeit seine Stabilität.
Ein weiterer Beleg dafür ist Venedig. Die Stadt steht auf Pfählen aus Holz, die in den Untergrund gerammt sind. Entscheidend ist dabei die Holzart. So sind die Holzpfähle im Erdreich aus Eiche, während die Bauteile, die permanent im Wasser stehen, aus Sibirischer Lärche bestehen. Da kein Sauerstoff an das Holz gelangt, haben sich die zwischen 1.000 und 1.400 Jahre alten Holzpfähle nicht nur gehalten, sondern sind inzwischen sogar versteinert.
Welche Arten von Altholz sind für die erneute Verwendung im Bausektor geeignet?
Altholz fällt in zahlreichen Varianten an. Nicht alle eignen sich für die direkte und erneute Verwendung im Bausektor. Dennoch gibt es eine Menge an Hölzern, die sich erneut für Bauprojekte nutzen lassen. In erster Linie sind dies massive und möglichst lange Balken, wie sie zum Beispiel im Dachstuhl verbaut sind. Solche Altholzbalken geben viel Freiheit für die weitere Verwendung. Durch Zusägen ist es möglich, unterschiedlichste Produkte für die zweite Nutzung zu produzieren.

Wichtig ist es, dass das Holz möglichst wenig bearbeitet und unbehandelt ist. Dies gibt viel Freiraum bei der weiteren Verwendung. Problematisch ist beispielsweise die Imprägnierung bei Bahnschwellen oder Strommasten. Früher kamen dabei toxische Holzschutzmittel zum Einsatz. Sie beinhalten oftmals Phenole und Kresole, die zu den aromatischen Kohlenwasserstoffen zählen. Solche Stoffe sind bekannt dafür, gewässerschädigend, hautreizend und sogar krebserregend zu sein.
Aus diesem Grund spielt die Selektion bei Altholz eine zentrale Rolle. Es ist wichtig, sauberes und stabiles Material für das Recycling for Reuse zu identifizieren. Dieser Schritt ist die Grundvoraussetzung für eine effektive Wiederverwertung. Die Forschung arbeitet zudem an neuen Methoden, um selbst kontaminiertes Altholz nutzbar zu machen. Beispielsweise hat die Technische Universität Braunschweig an Konzepten und Methoden geforscht, um metallische Fremdkörper ausfindig zu machen und Kontaminationsschichten vom Altholz zu entfernen. Ebenfalls gehörte es zum Forschungsprojekt, Wege zu finden, die mechanischen Eigenschaften des Altholzes zuverlässig zu kategorisieren.
Neue Konstruktionen aus Altholz: In diesen Szenarien ist der Einsatz möglich und sinnvoll
Eine besonders innovative Art, Altholz sinnvoll zu verwenden, hat die TRIQBRIQ AG aus Stuttgart erdacht. Das Unternehmen hat einheitliche Holzsteine entwickelt, die an Klemmbausteine erinnern. Daraus lassen sich ganze Häuser konstruieren. Der Vorteil ist, dass für die Bausteine vergleichsweise kleine Holzstücke als Rohstoff geeignet sind. Damit sinken die Ansprüche an das Altholz. Inzwischen gibt es bereits die ersten Wohnhäuser aus den Holzbausteinen von TRIQBRIQ.
Es gibt noch viele andere Optionen, Altholz sinnvoll einzusetzen. Schon länger beliebt ist Altholz-Parkett. Diese Parkettböden bestehen aus alten Dielen oder Holzbohlen, die gegebenenfalls für den neuen Einsatzzweck angepasst sind. Altholz-Parkett bringt eine ganz besondere Optik mit, die ein neuer Holzfußboden so niemals besitzt. Aus demselben Grund bietet sich Altholz besonders für die Sanierung von historischen Gebäuden an. Das Material fügt sich hier optisch nahtlos in die vorhandenen Strukturen ein.

Im Wohnungsbau kommen immer häufiger Holztafelbaukonstruktionen zum Einsatz. Dafür eignet sich Altholz gut, denn als Rohstoff können auch Balken mit geringerem Durchmesser genutzt werden. Die Forschung arbeitet daran, Holztafelkonstruktionen zu entwickeln, die sich besonders einfach recyceln lassen. Damit soll die Wiederverwertung in Zukunft sogar noch einfacher werden. Altholz, das für tragende Aufgaben nicht mehr geeignet ist, lässt sich in Form von Fassadenverkleidungen an Gebäuden sinnvoll nutzen.
Auch für weniger wertvolles Altholz lässt sich noch eine sinnvolle Zweitverwendung finden. Ist das Holz nicht mehr für die Fertigung von massiven Produkten geeignet, dann bleibt immer noch die Nutzung in Spanplatten. Dafür wird das Holz mechanisch zerkleinert und dann der Fertigung von neuen Spanplatten zugeführt. In dieser Form gibt es ebenfalls eine Reihe von Verwendungsmöglichkeiten – von Wandverkleidungen im Innenausbau bis zum Möbelbau.