Als „verdammte Pflicht“ beschreibt Robert Schmid, CEO der Baumit Gruppe, die Anstrengungen, welche nötig sind, um sämtliche Geschäftsprozesse nachhaltiger zu gestalten. Für alle Ländergesellschaften der Baumit-Gruppe wurde Nachhaltigkeit als Ziel ausgegeben. Die Vision: Bis 2030 sollen pro produzierter Tonne 10% weniger Energie eingesetzt werden. Ebenfalls soll der CO2-Fußabdruck um 20% verringert werden. Alle Aktivitäten um nachhaltiger zu werden, fasst Baumit unter dem Namen Go2morrow zusammen.
Photovoltaik, Minegas und simple Schwerkraft
Im westfälischen Werk in Oer-Erkenschwick ging im Januar 2023 die Photovoltaik-Anlage ans Netz, wodurch sich der Baustoff-Hersteller einen Autarkie-Grad von 31% erhofft. Als natürliche Ressource steht auf dem Werksgelände auch Grubengas zur Verfügung. Aus alten Grubenschächten entweicht Gas, welches in Blockheizkraftwerken bereits genutzt wird. Baumit plant, die Abwärme der Kraftwerke ebenfalls zu recyclen und die 300° Grad heiße Luft über Rohrleitungen in den Sandtrocknungsprozess einzuspeisen. Ähnliche Gedanken verfolgte das Allgäuer Unternehmen auch im nördlichsten Werk in Wittenborn bei Hamburg, wo das Anlagendesign und Feuchteschieber es erlauben, den Wasser mittels Schwerkraft aus dem Sand zu pressen und diesen somit vorzutrocknen. Auf diese Weise soll permanent Energie eingespart werden.

Innovative Rohstoffe
Eine Gegenüberstellung aller eingesetzten Rohstoffe zeigte, dass Zement sowie Kalkhydrat einen besonders großen Anteil am CO2-Fußabdruck der Baumit haben. Anhand von Forschungsprojekten wurde ein CO2-neutrales Bindemittel identifiziert, welches einen weitgehenden Ersatz von Kalkhydrat zulässt sowie eine Verringerung von Zement um 15%. Nachdem im vergangenen Jahr bereits 3.000 Tonnen des Materials erfolgreich eingesetzt wurden, soll die Einsatzmenge in den nächsten Jahren verzehnfacht werden.
Zur Vermeidung von Mikroplastik nutzt Baumit ab 2024 vermehrt Naturfasern, welche nach Aussage des Unternehmens nebst besserer CO2-Bilanzierung auch eine stärkere mechanische Verkrallung bieten und damit höhere Haftzugsfestigkeiten ermöglichen.

Rohstoffrückgewinnung gebremst durch Normierung
Die bisher verwendete Kalksteinkörnung wird in stetig steigenden Anteilen durch gewaschene, sortenrein recycelte Betonbruchkörnung ersetzt und qualitätsgesichert zur Verfügung gestellt. Auchwerden ungenutzte Teilmengen im Fertigungsprozess zu ca. 70% in den Produktionskreislauf rückgeführt. Trotz dieser Erfolge mahnt Baumit an, dass gesetzliche Hürden dem Ziel der Nachhaltigkeit entgegenstehen. So ist gemäß Trockenbeton-Richtlinie ein Einsatz von rezyklierten Gesteinskörnungen untersagt, was die Verwendung dieses Rohstoffs auf wenige Produkte beschränkt.