Die Nutzung und Rückhaltung von Niederschlagswasser entlastet das Kanalsystem und ist eine wirksame Vorsorge bei Starkregen und urbanen Sturzfluten – Rigolenfüllkörper sind belastbar und schaffen im Blockverbund flexibel planbare Rückhalteräume unter der Erde.

Laut des Max- Planck-Instituts für Biogeochemie war 2023 ein Jahr der Klimaextreme. „Die globale Durchschnittstemperatur lag in diesem Jahr 1,48 ºC über dem vorindustriellen Mittel. Gleichzeitig gab es außergewöhnliche Hitzewellen und Dürren, extreme Stürme und katastrophale Niederschläge.“ Die Klimaprognosen lassen in Zukunft eine Steigerung bei Intensität und Häufigkeit erwarten.
Dem Starkregen die Wucht nehmen
„Es gibt kaum eine Region in Deutschland, die vor Starkregen und urbanen Sturzfluten sicher ist“, sagt der Verfasser der BDB-Studie „Starkregen und urbane Sturzfluten – Agenda 2030“, Prof. Theo Schmitt von der TU Kaiserslautern. Seine Prognose: In den kommenden Jahren werden Wetterextreme schlimmer – sie werden an immer mehr Orten, immer häufiger und heftiger auftreten. Besonders kritisch ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Wassermassen aufbauen. Der Überraschungseffekt überfordert die Behörden regelmäßig, da es bei Starkregen keine tagelange Vorwarnung wie bei Hochwasser gibt, das langsam und berechenbar ansteigt. Prof. Dr.-Ing. i.R. Frank Wolfgang Günthert vom Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr in München beschreibt den Effekt von Starkregen wie folgt „Die Sturzflut kommt quasi von oben – von jetzt auf gleich. Ohne Deich, ohne Schutz.“
Doch was tun? Der Experte Prof. Günthert fordert in einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Deutscher Baustoff- Fachhandel (BDB), vor allem die Abflussreduzierung durch ein dezentrales Regenwassermanagement mit Verdunstung, Nutzung, Rückhaltung sowie Versickerung zu fördern. Entlastung der Kanalsysteme durch dezentrale Nutzung des Regenwassers Hersteller von Produkten zum lokalen Regenwassermanagement wie die Otto Graf GmbH, Teningen, bestätigen in Diesem Zusammenhang eine stärkere Sensibilisierung bei Grundstückseigentümern und Kommunen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in Europa Marktführer in diesem Bereich.
Die Speicherung für eine spätere Nutzung des Regenwassers oder auch die dezentrale Rückhaltung von Niederschlagswasser vor Ort bietet dabei wesentliche Vorteile. Beide Lösungen minimieren die hydraulischen Lasten im Kanalnetz bei einem Starkregenereignis und schützen deshalb vor Überflutungen. Immobilienbesitzer profitieren neben der erhöhten Sicherheit auch von kostenlosem Regenwasser für die Bewässerung ihrer Grünflächen und andere Brauchwasseranwendungen. Sie sparen zudem kostbares Leitungswasser und zahlen weniger Niederschlagswassergebühren.
Rigolensystem als Alternative zum klassischen Tank
GRAF hat sich als Anbieter für zahlreiche Lösungen auf Basis von unterirdischenFlachtanks oder klassischen zylindrischen Tanks etabliert. Alternativ dazu bieten Rigolensysteme den Vorteil einer einfacheren Logistik an der Baustelle, ein Höchstmaß an Belastbarkeit sowie bessere Anpassungsmöglichkeiten an das vorhandene Baufenster.
Das GRAF EcoBloc Inspect 420 Rigolenelement ist beispielsweise Lkwbefahrbar bis SLW 60. Mit ihm lassen sich große Speichervolumen mit geringen Erdüberdeckungen oder großen Einbautiefen realisieren. Für einen langfristig sicheren Betrieb der Anlage sind die Module inspizierbar und unter hohem Druck spülbar. Die EcoBloc Module werden vollständig aus hochwertigem, von GRAF selbst aufbereitetem Premiumrezyklat hergestellt. Die Verwendung des "Upcyclen" genannten Materials reduziert gegenüber Rigolen, die aus Primärkunststoff hergestellt werden, die CO2- Emissionen um 2 kg je Kilogramm hergestellten Kunststoffs. Insgesamt werden bei GRAF so pro Jahr 100.000 Tonnen CO2-Emissionen gegenüber der Verwendung von neuen Rohstoffen eingespart. Dies entspricht Emissionen von über 60.000 Autos.
In den Blockverbund können passende Schachtsysteme, z. B. als Filter-, Revisions- oder Zulaufschacht, objektspezifisch konfektioniert und integriert werden. An das System können Rohre mit Querschnitt bis DN 200 angeschlossen werden. Größere Querschnitte (bis DN 500) werden mit den EcoBloc Adapterplatten realisiert.


Individuelle Lösungen leicht umsetzbar
Jedes Projekt hat seine Besonderheiten, ob beim Neubau oder für die Nachrüstung. GRAF plant angepasst an die Bedürfnisse der Nutzer und die Gegebenheiten vor Ort. Für das Kloster Michaelstein in Blankenburg wurde eine individuelle 2-in-1- Lösung mit den GRAF EcoBloc Inspect Modulen geschaffen: Das Wasser der Dach- und Wegflächen wird in einer kombinierten Anlage aus Regenwassernutzungsanlage und Regenrückhalteanlage gesammelt. Insgesamt kann die Anlage mehr als 230.000 l Regenwasser aufnehmen.
Für die Speicherung des Regenwassers wurden die GRAF EcoBloc Inspect Module vor Ort zu einem Blockverbund verlegt und mit einer Kunststoffdichtungsbahn eingeschweißt. Das Regenwasser von etwa 8.000 m2 Fläche wird über eine Sammelleitung in die kombinierte Speicheranlage geleitet. Bis zu 33.800 l Regenwasser können für die Bewässerung der Grünanlagen genutzt werden. Das Regenwasser wird über einen externen Schacht entnommen, der über eine Zulaufleitung mit der Anlage verbunden ist.
Der bedeutend größere Teil der Anlage dient als Regenrückhalteanlage. Das überschüssige Wasser wird über ein externes Drosselwerk zeitverzögert mit max. 19,9 l/s in einen Bach abgeleitet. Das GRAF Projektteam unterstützte bei der Planung und Bemessung, koordinierte zudem die termingerechte Lieferung und Montage der gesamten Anlage. Die Erdarbeiten und die Installation der Anlagen haben nur 14 Tage gedauert. Die beschränkte Zufahrt zur Baugrube und das eingeschränkte Baufeld erforderten eine durchdachte Baustellenlogistik. Dies war mit den kompakten und leichten GRAF EcoBloc Modulen vor Ort problemlos lösbar.
Interview zum Thema Rigolenfüllkörper
Neben Ihren Flach- und Erdtanks in allen Größen und Varianten zur Speicherung, Nutzung und Rückhaltung von Regenwasser bieten Sie als Alternative diese Anwendungen auch mit Rigolenfüllkörpern an. Wann macht das Sinn?
Rico Streßler: Die Rückhaltung mit Regenwasser in Rigolen macht da Sinn, wo man zum einen Flexibilität braucht. Beispielsweise bei einem speziellen Baufenster, das um ein Gebäude oder einzelne Fundamente herumgeht, oder wenn man bei einer sehr geringen Einbautiefe einen flachen Körper benötigt, der das Regenwasser speichert. Zum anderen sind Rigolen sinnvoll, wenn die Oberfläche nach dem Einbau hoch belastbar sein muss, da sich im Baufeld ein Rettungsweg oder eine Feuerwehrzufahrt befindet. Die Flächen über einer Rigole können problemlos für solche Anwendungen genutzt werden, denn ein Rigolenfüllkörper ist auch ohne weitere bauseitige Maßnahmen mit einem LKW bis SLW 60 befahrbar.
Wie funktioniert so eine Regenrückhaltung mit Rigolenfüllkörper?
Manuel Kromer: Eine Rigole kann alles, was ein Tank auch kann. Mit den eingeschweißten Rigolenfüllkörpern schaffen wir einen unterirdischen Rückhalteraum, der bei einem Starkregenereignis die Niederschläge aufnehmen kann und diese zeitversetzt in einer definierten und konfigurierten hydraulischen Last an einen Bach oder die Kanalisation abgibt. Es fließt nur so viel Wasser ab, wie von der Behörde vorgeschrieben und der Kanal wird zum Zeitpunkt des Starkregens entlastet.
Rico Streßler: Das Tolle aber ist, dass Sie die Regenwasserrückhaltung mit einer Regenwassernutzung kombinieren können. Man kann den Speicher von vorne herein größer dimensionieren und in diesem Zuge einen Teil des Behältervolumens als Regenwassernutzung vorsehen, um das Regenwasser als Brauchwasser – beispielsweise zur Bewässerung von Grünanlagen – zu nutzen.
Welche Dimension hat ein Rigolenfüllkörper?
Manuel Kromer: Unser Basismodul GRAF EcoBloc Inspect 420 fasst mit den Maßen 80 x 80 x 66 cm (B/T/H) brutto 420 Liter, netto 405 Liter. Mehrere EcoBloc Module lassen sich miteinander verbinden. Bei dem Kloster Michaelstein haben wir hiermit eine Anlage für mehr als 230.000 Liter Regenwasser gebaut.
Für die Retention mit Rigolen bieten wir zwei Varianten je nach Anforderung an. Die sogenannten vorkonfektionierten Werksrigolen liefern wir vormontiert bis etwa 60 m2; diese fertige Behälterlösung mit den maximalen Maßen 12 x 2,40 x 2,30 m kann per LKW angeliefert werden. Bei größeren Volumen erfolgt der Aufbau vor Ort. Hierzu liefern wir die einzelnen Füllkörperrigolen und das Zubehör an die Baustelle. Ein zertifizierter Fachbetrieb, mit dem wir fest zusammenarbeiten, baut die Rigolen vor Ort auf und nimmt die professionelle Verschweißung der Kunststoffdichtungsbahn vor.

Wie berät der GaLaBau-Betrieb zum Thema Regenrückhaltung?
Manuel Kromer: Um den Bauherrn beraten zu können, ob ein klassischer Tank oder eine alternative Lösung mit Rigolen sinnvoller ist, muss ein GaLaBau-Betrieb natürlich die technischen Möglichkeiten kennen. In Kooperation mit einigen Baustoff-Fachhändlern haben wir bereits Schulungsveranstaltungen durchgeführt, auch online. Dabei bekommt man einen sehr guten Überblick über die zur Verfügung stehenden Lösungen. Wir unterstützen den Landschaftsgärtner dann konkret bei der Planung, Dimensionierung und Umsetzung.
Rico Streßler: Auf unserer Website bieten wir ein Online Tool „Versickerungs-Dimensionierung kostenfrei berechnen“ mit einem Fragebogen an. Dies ermöglicht auch die Dimensionierung von Retentionsanlagen nach den gültigen technischen Regelwerken. Diese wird von den Behörden bei einem Genehmigungsverfahren anerkannt. Auf dieser Grundlage erstellen wir kurzfristig die Dimensionierung und ein erstes Angebot mit Nennung unseres Partner-Fachhändlers in der Nähe. Für größere Projekte wie beim Kloster Michaelstein unterstützt das Projektmanagement- Team rund um Manuel Kromer weitreichend bei Planung und Dimensionierung.
Wie sind die Schnittstellen bei der Planung und Ausführung des Projekts?
Rico Streßler: Wir sind Ansprechpartner für den Galabau-Betrieb und das Bindeglied zu dem zertifizierten Unternehmen, das vor Ort in unserem Auftrag die Rigolen installiert und verschweißt. Bei der Auftragsabwicklung ist der Baustoff-Fachhandel unser Partner Nr. 1. Wir übernehmen die ganze Koordination und Kommunikation zwischen allen Beteiligten, damit der Einbau schnell, reibungslos und fristgerecht umgesetzt wird.
Manuel Kromer: Mit unserer kostenlosen Planung hat der Landschaftsgärtner die Sicherheit, wie groß eine Rigole sein muss und wie sie gebaut wird. Bei einer Werksrigole bereitet er die Baugrube zum vereinbarten Stichtag entsprechend vor. Die vormontierte Rigole kommt dann bereits fertig verschweißt mit allen Anschlüssen und Zugangsschacht zur Baustelle und wird dort versetzt wie ein Tank. Danach verfüllt der GaLaBau-Betrieb die Baugrube, stellt die Oberfläche wieder her und gestaltet sie. Bei einem schlüsselfertigen Aufbau vor Ort bereitet er die Baugrube nach Spezifikation vor. Die Verlegung und Verschweißung der Rigolenelemente übernimmt eines unserer zertifizierten Partnerunternehmen. Danach verfährt der Landschaftsgärtner wie oben.
