Der Begriff „Unternehmensverantwortung“ wird oft sehr locker ausgelegt und interpretiert. Wir alle kennen wahrscheinlich Beispiele von Unternehmen, deren Handeln wir aus ökologischen oder sozialen Gesichtspunkten als kritisch einstufen. Mit der CSR-Richtlinie gibt die Europäische Union inzwischen die Richtung vor, was die Corporate Social Responsibility, also die Unternehmensverantwortung, betrifft. Die CSR-Richtlinie bringt ab 2023 Berichterstattungspflichten für eine Reihe von Unternehmen mit. Demnach müssen Firmen Auskunft über ihr Handeln geben. Auch Handwerksbetriebe kann die CSR-Richtlinie betreffen.
Corporate Social Responsibility: Was verbirgt sich hinter dem Begriff?
Die Corporate Social Responsibility (CSR) beschreibt die Verantwortung des unternehmerischen Handels gegenüber der Gesellschaft. Das beinhaltet Punkte wie soziale Belange, ökologische Standards und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Es gibt weder eine feste Definition noch ein bestimmtes Regelwerk, was genau alles in diesen Bereich gehört oder welche konkreten Regeln es gibt.

Im Kern geht es bei der Corporate Social Responsibility also darum, Entscheidungen nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu treffen. CSR soll diese Denkweise in Unternehmen etablieren und will damit oft rein kapitalistisch geprägte Entscheidungsprozesse verändern. Das bildet für Unternehmen die Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung.
Globale Lieferketten und ihre Probleme
Ein Punkt, auf den sich Corporate Social Responsibility sowie die CSR-Richtlinie der EU besonders fokussiert, sind globale Lieferketten. Die Tätigkeit von Unternehmen hat nicht nur lokale Auswirkungen. Gerade was soziale Standards und Umweltprobleme betrifft, haben die Geschäftsaktivitäten positive und negative Folgen an unterschiedlichen Punkten der Erde. Die globalisierte Welt hat dazu beigetragen, dass selbst kleinere Unternehmen heutzutage international vernetzt sind. Das betrifft zum Beispiel den Bezug von Rohstoffen wie Holz aus Südamerika oder den Import von Metallwaren aus Fernost.

Die Medien berichten immer wieder über Umweltzerstörung, Kinderarbeit oder Verletzung von Menschenrechten, die vor allem in den ärmeren Ländern der Dritten Welt auftreten. Auslöser dieser Zustände sind mitunter die Geschäftstätigkeiten von Unternehmen. Eine aktive oder direkte Beteiligung ist dabei gar nicht immer zwingend notwendig. Oft reicht es aus, dass ein Unternehmen die Bedingungen in diesen Ländern ignoriert oder toleriert und somit dazu beiträgt, dass keine positiven Veränderungen eintreten.
Die CSR-Richtlinie der EU und die Inhalte
Mit der Reform der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen beschloss die EU erstmals eine umfassende Berichterstattungspflicht für Unternehmen. Diese gilt ab dem Geschäftsjahr 2023 und betrifft nun nicht nur Großkonzerne, sondern auch viele andere Unternehmen. So müssen Firmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden, einer Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro oder mit einem Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro ab 2023 einen CSR-Bericht erstellen und veröffentlichen.
Der Inhalt der Berichte umfasst Themen, die vom Europarat sowie dem Europäischen Parlament zusammengetragen wurden. Diese orientieren sich an den 17 „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen. Dazu zählen unter anderem die Beendigung von Armut, nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Bewahrung von Ökosystemen.

- Informationen zu den Umweltzielen
- Auskunft über gesellschaftliche und soziale Aspekte
- Angaben zur Unternehmensführung)
Im Bereich der Umweltziele konkretisiert die EU die Themen im Nachhaltigkeitsbericht. So sollen Unternehmen darüber informieren, welche Schritte sie zum Klimaschutz einleiten und wie sie sich an den Klimawandel anpassen. Der Themenbereich Ressourcen und die Nutzung spielt ebenfalls eine Rolle. Unternehmen sollen berichten, wie sie mit Wasser- und Meeresressourcen umgehen. Außerdem sollen die Betriebe darüber informieren, inwieweit sie über die Implementierung einer Kreislaufwirtschaft Ressourcen schonen und welche Schritte in diesem Bereich unternommen werden. Weiterhin geht es im Nachhaltigkeitsbereich um Informationen zur Umweltverschmutzung und dazu, welche Auswirkungen die Tätigkeit des Unternehmens hat. Der letzte Punkt bei den Umweltzielen widmet sich der biologischen Vielfalt sowie den Ökosystemen.

Unternehmen, die über die Neuregelung der Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Veröffentlichung verpflichtet sind, haben mehrere Möglichkeiten, den Bericht zu publizieren. Eine Option ist es, den Nachhaltigkeitsbericht zusammen mit dem Lagebericht des Unternehmens zu veröffentlichen. Der Nachhaltigkeitsbereich kann ein eigener Teil innerhalb des Lageberichts sein oder separat im Bundesanzeiger erscheinen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, den Nachhaltigkeitsbericht im Internet, beispielsweise auf der eigenen Firmen-Webseite, zu veröffentlichen. Das muss innerhalb von vier Monaten nach Abschluss des Geschäftsjahres geschehen.
Das bedeutet Corporate Social Responsibility für das Handwerk
Das Handwerk wird oft als regional verflochten wahrgenommen. In vielen Bereichen stimmt das, und für das Handwerk sind viele Punkte ganz selbstverständlich, die in der CSR-Richtlinie beschrieben sind. Gerade im Bereich der sozialen Verantwortung und der Transparenz wissen Handwerksunternehmen, dass es langfristig positive Auswirkungen hat, wenn potenzielle Kunden ein vorteilhaftes Bild vom eigenen Betrieb haben. Auch aus diesem Grund engagieren sich Handwerksbetriebe oft freiwillig regional in sozialen Bereichen, wie etwa Sport und Kultur.
Die meisten Handwerksbetriebe fallen aufgrund der Größe nicht unter die Pflicht zur Berichterstattung ab 2023. In Zukunft könnte die EU die Berichterstattungspflicht jedoch ausweiten, sodass auch mittelständische Betriebe unter die Regelung fallen. Gleichzeitig können Handwerksbetriebe bereits heute die Inhalte der CSR-Richtlinie nutzen, um die eigenen Tätigkeiten aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit zu betrachten. Eventuell entsteht dabei ein eigener Verhaltenscodex, was soziales Engagement, Umweltstandards und die Ziele des eigenen Unternehmens betrifft. Auch das Thema Transparenz ist relevant für kleinere und mittlere Betriebe. Es zeigt sich häufig, dass Verbraucher und Kunden am Gesamtbild des Unternehmens, von dem sie Leistungen beziehen, interessiert sind. Bei vielen großen Marken sind deshalb Transparenz und soziales sowie ökologisches Engagement längst Teil des Marketings. Das können auch Handwerksbetriebe tun und dadurch die lokale Kundschaft über die eigene Tätigkeit und den Unternehmenscodex informieren.