Verschiedene Baumaterialien sind nur schwer erhältlich oder es kommt zu längeren Lieferzeiten. Gleichzeitig sind die Preise für zahlreiche Roh- und Baustoffe gestiegen. Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe.
Die Auswirkungen von Klimawandel und verschärften Naturschutzmaßnahmen auf die Verfügbarkeit von Baumaterialien
Der Klimawandel erhöht den Stress auf die einheimischen Wälder. Die aktuellen Wirtschaftswälder, die vor 30 Jahren und mehr gepflanzt wurden, bestehen vor allem aus Fichten. Fichten sind Flachwurzler und grundsätzlich an ein kaltes Klima angepasst. Deshalb reagiert diese Baumart besonders empfindlich auf den Klimawandel und steigende Temperaturen. So hat sich die durchschnittliche Sonnenscheindauer in etlichen Landstrichen in Deutschland um bis zu 25 Prozent erhöht. In der Folge sind die Temperaturen generell um mindestens ein Grad Celsius angestiegen, in einigen Regionen sogar um bis zu 1,5 Grad Celsius.
Gleichzeitig haben sich die Gesetze für den Holzeinschlag innerhalb der EU immer weiter verschärft. Kahlschläge sind weitestgehend verboten und immer mehr Regionen, vor allem ursprüngliche Wälder wie in den Karpaten, werden unter Naturschutz gestellt. Aus diesen Gründen liegen in den vergangenen Jahren sowohl die Produktionsmengen an Rundhölzern als auch Schnitthölzern auf einem niedrigeren Niveau als beispielsweise 2010 oder 2005.
Trockene Sommer verhindern reiche Holzernte
Die vergangenen Jahre gehörten nicht nur zu den wärmsten in Europa und Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnung, sie waren auch extrem trocken. Vor allem in den Sommern blieb Niederschlag aus. Das hat die Böden vertrocknen lassen und in vielen Regionen ist das Grundwasser auf historisch niedrige Level gefallen. In der Region um Leipzig wurden Stadt 570 l pro Quadratmeter in 2018 lediglich 338 l gemessen, 2022 waren es 370 l. Im eigentlich regenreichen Münsterland fehlen seit Jahren zwischen 25 und 33 Prozent der zuvor üblichen Niederschläge. Und in Berlin wurden im Sommer lediglich 61 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge registriert.
Dies hat negative Auswirkungen auf den Wald und das Wachstum der Bäume. Teilweise sind Wälder wegen Wassermangel abgestorben oder das Wachstum blieb aus. Holz, das aufgrund von Wassermangel außerplanmäßig geschlagen werden muss, eignet sich in vielen Fällen nicht zur Produktion von Bau- oder Möbelholz. Die Stämme müssen eine gewisse Stärke aufweisen, um hierfür geeignet zu sein. Deshalb sind die trockenen Sommer ein Grund für den Mangel an hochwertigem Bauholz.

Monokulturen mit Kiefern und die Schäden durch den Borkenkäfer
Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden in Deutschland und vielen anderen Ländern Nord- und Mitteleuropas vor allem Kiefern und Fichten in den Wirtschaftswäldern gepflanzt. Die Monokulturen waren für ihr rasantes Wachstum bekannt und lieferten schnell Erträge. Der Borkenkäfer richtet in diesen Monokulturen jedoch enorme Schäden an. Die Ausbreitung des Schädlings wird durch das warme Wetter noch begünstigt.
Zwar erreichte der Holzeinschlag in Deutschland im Jahr 2020 mit 80,4 Millionen Kubikmetern einen neuen Rekordwert, jedoch lag dies vor allem am Schadholzeinschlag. 43,3 Millionen Kubikmeter sind durch den Borkenkäfer geschädigtes Nadelholz, das nur bedingt als Baumaterial nutzbar ist. Oft endet dieses Holz in der energetischen Verwendung oder in der Fertigung minderwertiger Holzprodukte.

Waldbrände in Nordamerika und Sibirien – der Einfluss auf die globalen Lieferketten
Der Pazifische Nordwesten Nordamerikas sowie Sibirien in Russland sind wichtige Holzlieferanten. Diese Regionen waren überdurchschnittlich hart von Waldbränden betroffen. Alleine im Sommer 2021 wüteten in Sibirien auf 42.000 Quadratkilometern Feuer – das entspricht in etwa der Fläche der Schweiz. In den USA und Kanada wurden ähnlich große Gebiete zerstört.
Diese Katastrophen haben weltweite Auswirkungen auf die Holzwirtschaft. So sind Oregon, Washington und auch British Columbia in Kanada sowie Sibirien wichtige Lieferanten für Bauholz. Die fehlenden Mengen müssen durch andere Lieferanten aufgefangen werden. Gleichzeitig müssen diese Regionen Holz aus anderen Gebieten zukaufen, um die traditionell stark vertretene verarbeitende Holzindustrie am Laufen zu halten. Beide Faktoren sorgen dafür, dass der weltweite Markt für Bau- und Rohholz unter Druck gerät und es zu Lieferengpässen sowie Preissteigerungen kommt.

Sinkender Import von Tropenholz in die EU – strengere Regeln reduzieren den Import von illegalem Holz
In den vergangenen Jahren hat die Europäische Union die Regeln für den Import von Tropenholz deutlich verschärft. Bereits seit 2012 existiert ein Importverbot für illegal geschlagenes Holz. Dazu hat die EU ihre Kontrollen verschärft und so sinkt der Import von Holz aus Afrika, Südamerika und Südostasien stetig. Von rund 2,2 Millionen Tonnen im Jahr 2010 auf knapp unter 0,85 Millionen Tonnen 2018.
In der Vergangenheit wurde Tropenholz zum Teil in der Möbelindustrie verarbeitet. Rund die Hälfte wurde jedoch zu Holzkohle verkohlt, in der Papierindustrie genutzt oder endete als Brennholz. Die europäische Bauindustrie setzt Tropenholz nur in kleinen Mengen ein. Jedoch müssen die fehlenden Mengen in den anderen Bereichen durch einheimisches Holz ersetzt werden. Das sorgt zusätzlich für eine Verknappung von einheimischem Bauholz.
Die erhöhte Nachfrage nach Baumaterialien und die Situation am globalen Markt Wie viele andere Märkte auch, reagieren Baumaterialien auf globale Schwankungen. Aus diesem Grund sind auf allen Märkten sehr ähnliche Preisbewegungen zu beobachten. Besonders die Preise für Holz- und Metallprodukte haben im Laufe des Jahres 2021 deutlich zugelegt.
Erhöhte Nachfrage auf dem globalen Markt
Die steigenden Preise für Baumaterialien entstehen unter anderem durch die sprunghaft angestiegene Nachfrage. Im Jahr 2020 standen viele Bauprojekte still oder wurden verschoben. Nun läuft die Baubranche wieder an und versucht, den Rückstand bei den Bauprojekten aufzuholen. Vor allem in Nordamerika und Asien ist ein starker Zuwachs bei der Nachfrage nach Baumaterialien zu beobachten. Diese decken die Einkäufer auch auf dem internationalen Markt, sodass dies selbst den lokalen Markt in Deutschland und Europa beeinflusst.
Belastung der Lieferketten sorgt für Knappheit bei bestimmten Baumaterialien
Die globalen Lieferketten sind durch die Corona-Pandemie enorm unter Druck geraten. Fehlende Arbeitskräfte im Logistiksektor sowie Hafenschließungen haben für Verzögerungen von Transporten gesorgt. Teilweise hängen Lieferanten Wochen oder Monate hinter den Bestellungen.
Die Globalisierung hat außerdem dafür gesorgt, dass Hersteller bei der Fertigung eigener Produkte von Zulieferern abhängig sind. Fehlen Rohmaterialien oder Komponenten, verzögert sich die eigene Produktion ebenfalls. So addieren sich die Probleme der Lieferkette und verschärfen die Situation am Markt. Selbst bei vergleichsweise einfachen Produkten wie Schrauben kann es deshalb zu Lieferengpässen kommen. Grundsätzlich gilt: umso komplexer das Endprodukt, je anfälliger ist es für die aktuellen Probleme der Lieferkette.
Noch gravierender äußern sich die Störungen im Transportsektor. Während der Pandemie hatten zahlreiche Reedereien große Teile ihrer Flotte auf Reede gelegt, weil keine Transportaufträge vorhanden waren. Als sich die Situation entspannte, dauerte es bis zu 6 Monate, bis diese Schiffe wieder flott gemacht waren. Aktuell hat das Transportwesen mit einem akuten Mangel von Fahrzeugen und Personal zu kämpfen. Durch den Rohstoffmangel fehlen den Lkw-Herstellern die Chips, um ausreichend Neufahrzeuge zu produzieren. Selbst wenn sich hier die Lage normalisiert, finden sich zu wenige Lkw-Fahrer, um die Fahrzeuge zu bewegen. Das hohe Stresslevel in diesem Beruf, die oft ungünstigen Arbeitszeiten und die schlechte Bezahlung haben dazu geführt, dass viele erfahrene Lkw-Fahrer während der Pandemie nach einem neuen Job gesucht und diesen auch gefunden haben. Als Resultat können Transportaufträge nicht oder nur mit erheblicher Verspätung ausgeführt werden.
Hohe Energiepreise und Arbeitskräftemangel senken die Produktion
Die steigenden Energiepreise auf dem Weltmarkt haben ebenfalls zur Verteuerung und Verknappung von Baumaterialien geführt. Viele Erzeugnisse erfordern in der Produktion hohe Mengen an Energie. Dazu gehören vor allem die Metall-, Beton- und Ziegelproduktion. Ebenfalls fehlen in der Baustoffindustrie, wie in vielen anderen Branchen, Arbeitskräfte. Nachdem die Produktion 2020 mangels Nachfrage reduziert wurde, haben viele Arbeiter den Beruf gewechselt und fehlen nun.
Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sowie die hohen Energiekosten haben dazu geführt, dass Baustoffhersteller die Produktion gesenkt und die Kostensteigerungen an die Kunden weitergegeben haben. Die CO₂-Steuer, die in Deutschland zu Jahresbeginn 2021 eingeführt wurde und jährlich steigt, trägt ebenfalls zur Kostensteigerung im Bausektor bei.
Ökologisches Bauen erhöht Nachfrage nach natürlichen Materialien
Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei Neubauten eine immer wichtigere Rolle. Bauherren setzen deshalb verstärkt auf Holz und natürliche Materialien. 2003 wurden lediglich 12,2 Prozent aller Wohngebäude aus Holz errichtet. 23 Prozent der neuen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland wurden 2020 aus Holz errichtet. 2010 waren es bereits 15,5 Prozent, 2020 20,4 Prozent und für 2023 gibt die Bundesregierung einen Anteil von 26 Prozent an.
Doch nicht nur Einfamilienhäuser aus Holz werden immer beliebter. Inzwischen entstehen auch Mehrfamilienhäuser im Hochbau auf Basis von Holzkonstruktionen. Der Anteil ist von 1,7 Prozent im Jahre 2008 auf 5,4 Prozent in 2017 gewachsen – Tendenz steigend. Diese Trends erhöhen die Nachfrage nach natürlichen Baumaterialien weiter und verknappen die Ressourcen am Markt.
CO2-Neutralität sorgt für Baustoffknappheit
Ausgerechnet die Bemühungen um Klimaneutralität am Bau sorgen für zusätzliche Materialverknappungen und damit für steigende Preise. In der intensiven Forstwirtschaft werden auch Bruchholz und Sammelholz verwertet. Dies führt dazu, dass einige Wälder sauberer sind als so mancher Stadtpark. Diese minderwertigen Holzarten werden vorzugsweise zur Herstellung von Spanplatten verwendet.
Inzwischen findet Buchholz aber auch Anwendung bei der Herstellung von Pellets und der Produktion von Pflanzenkohle. Diese Pflanzenkohle ist ein ganz besonderes Material, denn nur ein Gramm davon kann im Inneren eine Fläche von über 400 Quadratmetern aufweisen. Obendrein kann Pflanzenkohle das Fünffache des Eigengewichtes an Wasser aufnehmen. Deshalb wird dieses recht neuartige Material sowohl als Tierfutter als auch zur Verbesserung und Auflockerung von Böden genutzt. Aktuell hinzugekommen ist eine neuartige Anwendung, bei der die Speicherkapazität der Pflanzenkohle genutzt wird. Durch seine riesige innere Oberflächenstruktur kann Pflanzenkohle ungeheure Mengen CO2 binden.
Wird diese Pflanzenkohle nun Beton beigemischt, ändert sich die Haltbarkeit und Festigkeit des beliebten Baumaterials nur marginal. Allerdings verbessert sich die akustische und thermische Dämmung des Betons messbar. Obendrein können bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus aus Beton mehr als 24 Tonnen CO2 über die Pflanzenkohle dauerhaft gebunden werden, was in etwa den Emissionen eines normalen Autos während einer 10-jährigen Betriebszeit entspricht.
Darüber hinaus werden im Rahmen der Forschung zur Klimaneutralität Versuche durchgeführt, dem Beton Sägespäne beizumischen. All diese Maßnahmen führen zu einer verstärkten Nachfrage von Bruchholz, was sich direkt auf die Preise für die Baumaterialien auswirkt, die ursprünglich daraus hergestellt wurden. Deutlich wird dies am Beispiel von OSB-Platten.
| Produkt | Preis 2019 je m² | Preis 2022 je m² |
|---|---|---|
| OSB-Platte 12mm stumpf | 5,85 € | 11,05 € |
| OSB-Platte 22 mm Nut & Feder für Feuchtbereiche | 11,19 € | 27,78 € |
| OSB-Platte 25 mm Nut & Feder Trockenbau | 12,72 € | 31,93 € |
Fazit
Corona, Klimaschutz und verändertes Bauverhalten sorgen für Materialengpässe Es sind gleich mehrere Faktoren, die derzeit einen recht starken Druck auf verschiedene Baumaterialien ausüben, insbesondere auf Produkte, die vollständig oder teilweise aus Holz hergestellt werden. Es muss abgewartet werden, ob die Hersteller in der Lage sind, sich der veränderten Nachfrage anzupassen. Nur dann wird Baumaterial permanent in ausreichender Menge verfügbar sein. Ebenso wichtig ist es, dass die derzeit verlangten Preise auf ein normales akzeptables Maß zurückgehen. Allerdings müssen Bauunternehmen, Handwerker und Baufamilien hinnehmen, dass das moderate Preisniveau von 2019 wohl kaum erreichbar ist, denn dazu ist die Nachfrage zu hoch und die Menge an verfügbaren Rohstoffen zu gering.