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18. Juni 2025  (aktualisiert am 5. November 2025)

Hanfkalk – ein alternativer Baustoff mit Zukunft und positiven Eigenschaften?

von  textbroker | 7 Min. Lesezeit | #Hanfkalk  #Baustoffe  #Dämmung  #Nachhaltigkeit  #Kalk 
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In jüngerer Vergangenheit drängen immer wieder neue Baumaterialien auf den Markt, die innovativ, nachhaltig und umweltfreundlich sind. Hanfkalk verspricht, all diese Eigenschaften zu kombinieren. Was an Hanfkalk so interessant ist und in welchen Szenarien sich der Einsatz anbietet, betrachtet dieser Beitrag.

Was ist Hanfkalk?

Hanf und Kalk sind Rohstoffe, die seit Jahrhunderten im Baubereich zum Einsatz kommen – beispielsweise bei Fachwerkbauten. Erstmals wurden die beiden Baustoffe in den 1980er-Jahren kombiniert. Für die originalgetreue Restauration von Fachwerkhäusern wurde ein Baustoff mit spezifischen optischen und physikalischen Eigenschaften benötigt. Dabei erwies sich Hanfkalk als optimale Lösung.

Hanfkalk ist im Kern eine einfache Mischung aus Hanffasern und Kalk. Der Kalk als mineralischer Bestandteil dient als Bindemittel. Hanf wird aus den Stängeln gewonnen, die verholzt sind und besonders lange Fasern besitzen. Dieser Teil der Pflanze ist auch als Hanfschäben bekannt. Hanfkalk gehört zur Klasse der Agrarbetone. Eine genormte Zusammensetzung für Hanfkalk existiert bisher nicht, sodass die Komposition variiert.

Diese Eigenschaften bringt Hanfkalk mit

ein Untergrund aus Beton mit einem Stoff-Stück aus Hanf darauf liegend
Hanfkalk vereint die Eigenschaften seiner beiden Grundrohstoffe und bietet so interessante Vorteile für den Bausektor. Zum einen ist Hanfkalk diffusionsoffen, zum anderen isoliert der Baustoff sehr gut. Diese beiden herausragenden Eigenschaften machen sich im Alltag positiv bemerkbar. So ist Hanfkalk in der Lage, das Raumklima zu regulieren und in einem gesunden Bereich zu halten.
Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit nimmt er Feuchtigkeit auf und gibt sie bei trockenem Raumklima wieder ab. Gleichzeitig weist das Material einen hohen Dämmwert auf, was den Einsatz als Dämmstoff erlaubt. Die Wärmeleitfähigkeit liegt – abhängig von der Verarbeitung – zwischen 0,06 und 0,12 W/mK. Dabei besitzt Hanfkalk ganz besondere thermische Eigenschaften. So speichert das Material einerseits Wärme und reflektiert sie andererseits auch. Dies sind gute Voraussetzungen, um im Sommer einen effektiven Wärmeschutz für Gebäude zu erzielen.

Hanfkalk bringt auch schalldämpfende Eigenschaften mit. Was ihn weiterhin interessant macht, ist sein geringes Gewicht. Die Rohdichte bewegt sich in einem Bereich von 200 bis 500 kg/m³. Damit ist er nicht nur deutlich leichter als mineralische Baustoffe wie Beton, sondern hat auch eine geringere Dichte als Bauholz. Hanfkalk ist zudem nicht brennbar, was eine interessante und wichtige Eigenschaft im Hausbau ist. So lassen sich mit Hanfkalk Brandschutzauflagen sehr einfach erfüllen.

Für das Baumaterial spricht zudem die Zusammensetzung. So besteht es ausschließlich aus zwei Rohstoffen, die beide natürlichen Ursprungs sind. Hanf ist ein nachwachsender und ökologischer Rohstoff und wächst zudem extrem schnell. Im Vergleich zu Holz, das viele Jahrzehnte bis zur Reife benötigt, ist Hanf innerhalb einer Saison bereit zur Verarbeitung. Dabei speichert Hanfkalk durch das Bindemittel dauerhaft große Mengen an CO₂. Durch den nachwachsenden Rohstoff ist es mit Hanfkalk sogar möglich, eine negative CO₂-Bilanz zu erzielen.

Hanfkalk-Klimabilanz-Banner
(Je nach Anwendung speichert Hanfkalk 70 bis 300 kg CO₂ pro m³

Herstellung und Transport verursachen dabei nur etwa 50 kg CO₂ pro m³ Ideal für nachhaltiges Bauen mit positiver Klimabilanz.)

In diesen Formen kommt Hanfkalk im Bau zum Einsatz

Aufgrund der vielseitigen Eigenschaften gibt es für Hanfkalk ein breites Einsatzspektrum im Bausektor. Eine klassische Verwendung ist der Einsatz als Dämmmaterial in Form von ungebundenen Hanfschäben. In dieser Variante lässt sich Hanfkalk auf der Baustelle anmischen und in erster Linie mithilfe einer Schalung verarbeiten. Dafür ist neben Hanfschäben und Kalkhydrat nur Wasser erforderlich.

Aufbau einer gedämmten Wand mit Hanf als Baustoff
Moderner ist die Einblasdämmung – eine Technik, die auch bei anderen Dämmmaterialien genutzt wird. Mit speziellen Sprühsystemen erfolgt die Einbringung als Dämmmaterial. Dies ist in der Sanierung wie im Neubau möglich. So dienen vorhandene Wände oder Putzträgerplatten als Schalung für die Einblasdämmung mit Hanfkalk. So können Wände wie Dächer wärme- und schallgedämmt werden.
Vergleichsweise neu ist der Einsatz von Hanfkalk für den Mauerbau. Dabei vereinen sich die verschiedenen positiven Eigenschaften des Hanfkalks in einem Produkt. Mithilfe von Ziegelmaschinen wird das Material in Form gepresst. Die Produktion ist vergleichsweise energiesparend, denn Hanfkalksteine müssen nicht gebrannt werden. Vielmehr trocknen die Steine einige Wochen an der Luft und sind dann bereit für den Einbau. In dieser Form kommen Hanfkalksteine ähnlich wie Leichtbetonsteine zum Einsatz, etwa beim Bau von nichttragenden Wänden. Grundsätzlich bieten sich Hanfkalksteine jedoch für alle Arten von Mauern an, die keine Lasten tragen müssen.

Bei der Sanierung von Fachwerkbauten werden diese Steine ebenfalls verwendet. Sie passen zum einen optimal zur Optik dieser Bauten und bringen zum anderen die notwendigen physikalischen Eigenschaften mit, um in Kombination mit Holzträgern eine Wand zu bilden. Zudem übernehmen in Fachwerkbauten Holzträger die tragende Funktion, sodass die Hanfkalksteine keinerlei Lasten tragen müssen.

Selbst vorgefertigte Wandelemente gibt es inzwischen mit Hanfkalk. Bei der Ständerbauweise ist der Einsatz als Mauer oder Dämmung möglich. So wird Hanfkalk mittlerweile beim Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern genutzt.

Innovation sorgt für neue Einsatzmöglichkeiten

Innovationen spielen im Bereich der Baumaterialien eine immer wichtigere Rolle. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie Nachhaltigkeit und CO₂-Neutralität, da die Baubranche dringend nach umweltfreundlichen Alternativen zu den existierenden Materialien sucht.

ein Untergrund aus Beton mit einem Stoff-Stück aus Hanf darauf liegend
Dass Hanfkalk dabei eine Rolle spielen kann, zeigt sich immer deutlicher. An der Technischen Hochschule Köln entstand so ein innovativer Hanfkalkstein, mit dem auch tragende Wände aufgebaut werden können. Dies gelingt, da die Steine im Kern hochverdichtete Zonen besitzen. Diese bestehen ebenfalls aus Kalk und Hanf, sodass sich der Stein weiterhin aus natürlichen und nachhaltigen Rohstoffen zusammensetzt.
Bisher war es notwendig, Stützen aus Stahlbeton einzusetzen oder Hanfkalkwände zusätzlich mit Holz zu verstärken, wenn tragende Wände entstehen sollen. Beide Lösungen haben entscheidende Nachteile. Der Einsatz von Stahlbeton macht die positiven Klimaeigenschaften des Hanfkalks zunichte, während zusätzliche Holzverstärkungen die Kosten und den Aufwand in die Höhe treiben.

Mit den neuartigen Hanfkalksteinen entstehen hingegen tragende Wände im Hausbau ohne zusätzliche Stützen. Das beschleunigt und vergünstigt den Bau mit Hanfkalksteinen und eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Durch die wärmedämmenden Eigenschaften des Hanfkalks lassen sich energieeffiziente Häuser nach aktuellem Standard bereits mit einer Wandstärke von 30 Zentimetern aufbauen.

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