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28. April 2021  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Indoor- und Outdoor-Fliesen

von  Ulrich Wolf | 7 Min. Lesezeit | #Dekor  #grobkeramisch  #Outdooreinsatz  #Frostsicherheit  #niveaugleich 

Erweiterter Wohnraum

Immer mehr Hersteller bieten Fliesenkollektionen an, bei denen die Fliesen für den Indoor- und den Outdoorbereich das gleiche Dekor aufweisen. Damit lassen sich Wohnzimmer und Terrasse oder Balkon optisch zu einem einzigen großen Lebens-Raum gestalten. Bei der Verlegung im Außenbereich sind verschiedene Vorgehensweisen möglich.

Auf deutschen Terrassen sind grobkeramische Natursteinplatten oder Pflaster schon lange und in der Regel ohne große Beanstandungen im Dienst. Relativ neu ist die Möglichkeit, auch feinkeramische Fliesen, die bisher nur in Küchen, Bädern oder Fluren zum Einsatz kamen, im Außenbereich zu verlegen. Durch die feinere – in der Regel glasierte – Oberfläche sind solche Fliesen gegen alle Arten von Verschmutzung wesentlich unempfindlicher als ihre grobporigen Pendants. Wichtigste Voraussetzung der Fliesen für den Outdooreinsatz ist ihre Frostsicherheit.

Verlegt werden deshalb nur Steinzeug- oder Feinsteinzeugfliesen, die haben eine so geringe Wasseraufnahmefähigkeit, dass der Frost im Winter sie nicht zum Platzen bringt. Dazu sind die – selbstverständlich rutschfesten – Outdoorfliesen innerhalb einer Kollektion mit 20 oder 30 mm Dicke stärker und robuster als die Fliesen für den Innenbereich mit nur 10 mm Dicke. Die volle optische Wirkung eines einheitlichen Dekors innen wie außen erreicht man nur, wenn die beiden Fliesenflächen in etwa niveaugleich sind. Ist dazu noch eine barrierefreie, also schwellenlose Verlegung gewünscht oder gefordert, gibt es besondere Regeln zu beachten (siehe Kasten).

Outdoorfliesen kleben ist nur was für den Profi

Die keramischen Outdoorfliesen lassen sich auf drei verschiedene Arten verlegen, je nach Untergrundbeschaffenheit. Auf einer schon vorhandenen Betonplatte (Terrasse oder Balkon) bietet sich ein festes Verkleben der Fliesen an, was allerdings größte Sorgfalt des Fliesenlegers erfordert. Die Ebenheit und das Gefälle der Fläche vom Haus weg muss gewährleistet sein respektive mit kunststoffvergüteten Spachtelmassen hergestellt werden.

ein Handwerker verlegt Laminat

Um den Ablauf des Wassers auf dem Beton sicherzustellen, ist eine Dichtschlämme nötig, die idealerweise auf einer Kunststoff-Mörtel-Kombination basiert. Da die Fliesen im Außenbereich enormen Temperaturschwankungen und damit auch Bewegungen/Dehnungen unterliegen, sollte ihre Kantenlänge 60 cm nicht überschreiten. Aus dem gleichen Grund sind mindestens alle 2,5 m Bewegungsfugen in der Fläche vorzusehen, die 5 mm oder mehr breit sind. Wie im Innenbereich auch gilt selbstverständlich, dass bereits vorhandene Bewegungsfugen im (Beton) Untergrund in die Fliesenfläche zu übernehmen sind.

Zu den spannungsausgleichenden Maßnahmen zählt auch, dass Outdoorfliesen vorzugsweise mit Kreuzfugen verlegt werden sollten. Kunststoffvergütungen sind für alle eingesetzten bauchemischen Produkte von der Spachtelmasse bis zum Fugenmörtel Pflicht.

Zweite große Herausforderung bei festverklebten Outdoorfliesen ist das Kleberbett. Sind Hohlräume im Innenbereich in gewissem Umfang noch zu tolerieren, bieten diese im Außenbereich dem Regenwasser solange Unterschlupf, bis es friert. Dann entstehen durch die Ausdehnung des gefrierenden Wassers unschöne Risse auf den Fliesen. Um Hohlräume weitestgehend zu verhindern, bedient man sich beim Verkleben der Outdoorfliesen des sogenannten Buttering-Floating-Verfahrens.

Das heißt, dass der Fliesenkleber in einer Fließbettkonsistenz angemischt und dann in zwei Schichten mit der Mittelbettkelle auf den Untergrund aufgetragen wird, zuerst als glatte Kontaktschicht und dann noch einmal in der gezahnten Variante. Ebenfalls muss auf der Fliesenrückseite eine Mörtelschicht glatt aufgezogen werden. Die Fliesen werden dann durch mehrmaliges Hin- und Herschieben bei gleichzeitigem kräftigem Drücken in das Klebebett eingeschoben. Ziel des Ganzen ist es, dass die Kontaktfläche zwischen Fliesen und Fliesenkleber bei mindestens 90 % liegt, was die Voraussetzung dafür ist, dass keine Hohlräume entstehen.

Die lose Verlegung ist schneller

Für die sogenannte lose Verlegung von Outdoorfliesen benötigt man keine bauchemischen Produkte wie Fliesenkleber oder Fugenmörtel. Allerdings gebührt dem Unterbau eine erhöhte Aufmerksamkeit, da das Regenwasser nicht über die Oberfläche abgeleitet, sondern der Versickerung zugeführt wird.

Bei der Verlegung im Splittbett erfolgt zunächst ein Erdaushub und dann der Einbau einer kapillarbrechenden und frostsicheren Tragschicht aus Kies und Schotter. Sowohl das Erdplanum als auch diese Tragschicht müssen erstens in ein zweiprozentiges Gefälle vom Haus weg gebracht und zweitens verdichtet werden. Da die Fliesen letztlich nur auf dem Splittbett aufliegen, ist ein „Wandern“ nicht auszuschließen, es sei denn, die Fläche wird von (einbetonierten) Randsteinen eingefasst.

Die Drainagefähigkeit des ganzen Aufbaus wird hauptsächlich dadurch gewährleitet, dass als Verlegeschicht Splitt und nicht Sand eingesetzt wird. Sand wird für die Fugen verwendet, was mit der Zeit aber zu dem Problem führen kann, dass er nach unten in das Splittbett ausgewaschen wird und dort die wasserableitenden Poren zusetzt. Eine Lösung ist, auch die Fugen mit Splitt zu füllen, was zusätzlich den Nutzen hat, dass Ameisen diese Bereiche meiden.

Natürlich erreicht eine im Splittbett verlegte Outdoor-Keramik nicht die Stabilität von geklebten Fliesen auf Betonuntergrund, weshalb sie sich nur für die leichteren Beanspruchungen im Privatbereich eignet. Die Bruchfestigkeit, die bei loser Verlegung naturgemäß geringer ist, wird einfach durch dickere Fliesen bis zu 40 mm gewährleistet. Allerdings bietet eine in Splitt gebettete Fliesenfläche jederzeit die Möglichkeit, einzelne Fliesen zerstörungsfrei herauszunehmen und gegebenenfalls auszutauschen.

Stelzlager – hoch die Fliesen!

Dritte Möglichkeit für Outdoorfliesen ist die Verlegung auf sogenannten Stelzlagern, ähnlich dem Doppelboden im Innenbereich. Die Verlegung ist ebenfalls schnell, gegenüber der Verlegung im Splittbett kommt als weiterer Vorteil hinzu, dass man die gewünschte Höhe des Belags millimetergenau einstellen kann. Im Hohlraum unter den Fliesen lassen sich zudem häusliche Versorgungsleitungen unsichtbar verlegen. Da man die einzelnen Platten jederzeit anheben kann, ist der Hohlraum stets zugänglich. Defekte Platten können unkompliziert ausgetauscht werden.

Die Aufständerung der Fliesen hat allerdings den Nachteil, dass der Belag bei Begehen einen gewissen Hohlklang erzeugt. Außerdem werden beim Stelzlager-System die Fugen zwischen den Platten nicht verschlossen, sodass Wasser und Verschmutzungen ungehindert in den Hohlraum eindringen können. Es muss also sichergestellt sein, dass die Niederschläge effektiv in Entwässerungssysteme abfließen.

Die Stelzlager selbst stehen bei Dachterrassen oder Balkonen in der Regel auf einer Betonplatte oder einem ähnlich stabilen Fundament. Ein ebenerdiges Terrassen-Stelzlager lässt sich aber auch auf einem ausreichend verdichteten Kies-Schotter-Bett aufbauen.

Barrierefreier Übergang zwischen Indoor- und Outdoorfliesen

Es gibt wohl kaum ein Detail, das den Beteiligten so viel Respekt abfordert wie die barrierefreie Schwelle. Größte Herausforderung dabei ist Herstellung der Regendichtigkeit. Stellt schon die Dichtigkeit in Nassräumen höchste Ansprüche an Planer und Ausführende, so werden diese durch barrierefreie Schwellen nochmals getoppt. Die Anforderungen sind dort wesentlich restriktiver, weil dieses Detail auch ungleich stärker beansprucht wird.

Blick von einer Terrasse in einen Küchen und Essbereich eines Hauses

Zu diesen Beanspruchungen gehören immer häufiger auftretende Extremwetterlagen mit großen Regenmengen, die verstärkt durch Starkwinde auf die Türschwelle einwirken. Die Dichtigkeit mit Bahnen, aber auch mit Flüssigfolien ist an diesen Stellen handwerklich schwierig herzustellen, zumal das Detail auch noch schwer einzusehen ist. Dazu kommen noch die regemäßigen Temperaturdifferenzen von Sommer zum Winter, die die Abdichtungsstoffe und deren Verbindungen schadlos und nachhaltig aushalten müssen.

Sollte Ihr Kunde einen solchen schwellenlosen Übergang wünschen, raten wir dazu, einen Sachverständigen für Barrierefreiheit in die Planung miteinzubeziehen. Im Hinblick auf die möglichen Schäden durch eindringende Feuchtigkeit ist das auf jeden Fall die günstigere Lösung.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

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