Lehm zählt zu den ältesten Baumaterialien der Menschheit. Schon vor mehr als 10.000 Jahren entstanden Wohnhäuser in Mesopotamien aus diesem Material. Inzwischen erlebt der natürliche Baustoff ein echtes Comeback, denn Lehm ist nicht nur nachhaltig und umweltfreundlich, sondern bringt auch enorm viele vorteilhafte Eigenschaften mit.
Lehm als vielseitiger Baustoff im Innenausbau
Eine große Stärke von Lehm ist seine Vielseitigkeit. Besonders beliebt ist Lehm im modernen Bau als Putz. Im Innenausbau lassen sich fast alle Bereiche mit Lehm verputzen. Sofern kein Spritzwasser auftritt, eignet sich Lehmputz sogar für Küchen und Bäder. Lehmputz für den Innenbereich gibt es bei Hagebau in vielen verschiedenen Varianten.
Darüber hinaus ist Lehm als Baumaterial für Gebäude geeignet. In Form von Stampflehmwänden kommt das Baumaterial schon seit Jahrhunderten zum Einsatz. Der moderne Bau entdeckt Lehm in dieser Variante aktuell neu. Inzwischen gibt es sogar Fertigteile aus Stampflehm, die in Fabriken produziert werden. Die Serienproduktion von Fertigbauteilen reduziert die Kosten und beschleunigt Bauprozesse. Damit sind Stampflehmwände auch für die Bauindustrie interessant und können eine echte Alternative im Fertigbau sein. Gerade für Innenwände ist Lehm ein ideales Material.

Eine weitere Option für den Innenausbau sind Lehmsteine. Sie sind in Form und Verwendungsmöglichkeiten mit klassischen Ziegelsteinen vergleichbar. Lehmsteine sind dabei vor allem für den Trockenbau und das Innenmauerwerk geeignet. Es gibt aber auch Varianten für das Außenmauerwerk. Selbst tragende Konstruktionen entstehen aus Lehmsteinen und können Höhen bis zu 13 Metern erreichen. Mit Leichtlehmsteinen lassen sich zudem Deckenauflagen oder Stapelwände erstellen. Für den ökologischen Bau sind diese Steine somit sehr interessant.
Einsatzmöglichkeiten im Überblick:
| Baustoff aus Lehm | Einsatzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Lehmputz | Innenwände, Küchen, Bäder ohne Spritzwasser | In vielen Varianten erhältlich |
| Stampflehm | Wände, besonders Innenwände | Auch als industriell gefertigte Fertigteile verfügbar |
| Lehmbauplatten | Trennwände, Deckenverkleidungen | Ersatz für Gipskartonplatten, einfach zu verarbeiten |
| Lehmsteine | Trockenbau, Innenmauerwerk, teils Außenmauerwerk | Auch tragende Konstruktionen bis 13 Meter möglich |
| Leichtlehmsteine | Deckenauflagen, Stapelwände | Interessant für ökologisches Bauen |
Bei alternativen Baumaterialien sind fehlende Normen oder Regeln oftmals ein Hindernis. Denn dies macht es schwer, bei Gebäuden auf Baustoffe wie Lehm zu setzen. Im Bereich des Lehmbaus gibt es jedoch Fortschritte.

Regeln und Normen im Lehmbau für einheitliche Vorgaben
Vor allem stellt der Dachverband Lehm e. V. (DVL) technische Regelwerke bereit, die Baustoffe und Prüfverfahren definieren. Weiterhin existieren für zahlreiche Baumaterialien aus Lehm DIN-Normen. Dazu gehören unter anderem:- DIN 18945 für Lehmsteine
- DIN 18946 für Lehmmauermörtel
- DIN 18947 für Lehmputzmörtel
- DIN 18948 für Lehmplatten
Sanierung oder Neubau: Lehm eignet sich für viele Projekte

Bei Neubauten könnte Lehm in naher Zukunft ebenfalls eine größere Rolle spielen. Es geht in erster Linie darum, bereits in der Planung auf den Einsatz von natürlichen Baustoffen wie Lehm zu setzen. Eine der Herausforderungen ist es dabei, überall dort auf Lehm zurückzugreifen, wo es Sinn ergibt.
Sinnvolle Ansätze im Neubau sind unter anderem:
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der Einsatz natürlicher Baustoffe bereits in der Planungsphase
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die Kombination mit anderen Materialien in hybriden Bauweisen
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die Nutzung in modernen Holz-Lehm-Häusern
Ein gutes Beispiel ist der hybride Ansatz, der immer häufiger in der Praxis Anwendung findet. So entstehen bereits die ersten Häuser mit Betonsockel oder zweischaligen Außenwänden aus Leichtmauerwerk in Kombination mit Innenmauerwerk aus Lehm sowie einem Trockenbau aus Lehmbauplatten. Eine weitere Möglichkeit sind Holz-Lehm-Häuser. Dies ist im Prinzip die moderne Version eines Fachwerkhauses. Durch die Kombination von moderner Bautechnik und traditionellen Materialien wie Holz oder Lehm entstehen Wohnhäuser, die aktuelle Standards erfüllen. In dieser Technik gibt es bereits die ersten Niedrigenergiehäuser.
Vorteile von Lehm: Optimales Raumklima und beste Umwelteigenschaften
Was Lehm so interessant macht, sind seine Eigenschaften. Gerade in Wohnbereichen bringt das Baumaterial seine Vorteile zum Tragen. So sind Wände aus Lehm diffusionsoffen, also atmungsaktiv. Damit reguliert Lehm ganz automatisch die Luftfeuchtigkeit in einem Raum und hält sie in einem optimalen Bereich. Lehm reagiert dabei sogar schneller als Kalk und hat eine höhere Feuchte-Sorptionsfähigkeit. Damit leisten Wände aus Lehm einen wichtigen Beitrag zur Schimmelprävention. Gleichzeitig ist Lehm selbst schimmelhemmend, sodass kaum eine Gefahr der Schimmelbildung im Material besteht.
Positive Eigenschaften für Wohnen und Umwelt
Da eine Lehmwand mit ihren Eigenschaften auch als thermische Speichermasse dient, bringt das Material ebenso sehr gute Eigenschaften für die Dämmung mit. Vor allem im Sommer wirkt eine Lehmwand wie eine natürliche Klimaanlage. In heißen Regionen der Welt nutzen die Menschen seit geraumer Zeit diese Eigenschaft und halten Räume so kühler. Lehmwände sind zudem gut geeignet für den Einbau von Flächenheizungen. So sind Lehmwände bestens für die Kombination mit Niedertemperaturheizungen wie Wärmepumpen geeignet.

Lehm bringt dazu noch vorzügliche Umwelteigenschaften mit. Wem Nachhaltigkeit und Umweltschutz am Herzen liegen, der findet mit Lehm eine optimale Lösung, um diese Aspekte umzusetzen. So steht Lehm faktisch unendlich zur Verfügung und fällt bei vielen Baugruben sogar als ungeliebter Aushub an. Wird Lehm in reiner Form verbaut, dann lässt er sich problemlos wiederverwerten. Eine Besonderheit ist es dabei, dass Lehm seine Eigenschaften vollständig behält. In Form von Stampflehm lässt er sich praktisch unendlich recyceln, indem er aufgebrochen, erneut vernässt und dann zu einer neuen Wand verarbeitet wird.
Auch die Ökobilanz von Lehm ist hervorragend. Für die Verarbeitung ist kein energieintensiver Prozess erforderlich. Lehmsteine müssen beispielsweise nicht gebrannt werden, sondern trocknen ganz einfach an der Luft. Der minimale CO2-Fußabdruck ist darin begründet, dass es sich meist um Baumaterial aus regionalen Quellen handelt. Dank der breiten Verfügbarkeit sind keine langen Transportwege erforderlich. Aus diesen Gründen ist Lehm im ökologischen Bau ein sehr gefragtes Material.