Ob kleines oder großes Bauprojekt: Alle Arbeiten benötigen Materialien und Arbeitszeit. Für Handwerker ist es wichtig, so früh und so präzise wie möglich zu wissen, welche Ressourcen in welchen Mengen benötigt werden. An diesem Punkt kommt die Mengenermittlung ins Spiel, die für die Kalkulation eine zentrale Rolle spielt.
Mengenermittlung: Was gehört alles dazu?
Die Mengenermittlung ist ein komplexer Prozess. Das Ziel ist es, alle Bauleistungen für ein spezifisches Projekt möglichst präzise vorab zu bestimmen. Dabei geht es zum einen um die Baustoffe, die benötigt werden. Zum anderen kalkuliert die Mengenermittlung auch die Arbeitsstunden, die zur Fertigstellung erforderlich sind.
Die Mengenermittlung nutzt Materiallisten, die für die Projektumsetzung benötigt werden. Darin sind alle Materialien in genauer Menge und Art verzeichnet. Zusätzlich gehört zur Mengenermittlung eine Ressourcenkalkulation. Sie bezieht die Arbeitsleistung des Betriebs ein. Durch die kalkulierten Mengen lässt sich abschätzen, wie viele Arbeitsstunden für die Fertigstellung des Projekts erforderlich sind.

Die Mengenermittlung ist für die Kalkulation und die Angebotserstellung von enormer Bedeutung. In der Berechnung ergeben sich das benötigte Material und die Arbeitszeit und damit die Kosten.
Warum ist eine präzise Mengenermittlung wichtig?
Es gibt mehrere Gründe, warum eine Mengenermittlung durchgeführt wird und weshalb sie wichtig ist. Da ist zunächst die Bedeutung für die Kalkulation. Für die Angebotserstellung ist es wichtig, möglichst präzise zu wissen, welche Kosten auf den Betrieb zukommen. Ist die Mengenermittlung exakt, dann ist eine genaue Kalkulation möglich, und das Unternehmen kann ein wirtschaftlich solides Angebot abgeben.

Damit geht einher, dass die Mengenermittlung für den Einkauf ebenfalls enorm wichtig ist. Alle erforderlichen Materialien müssen vor Projektbeginn organisiert werden. Teilweise gibt es längere Lieferzeiten, oder bestimmte Teile müssen individuell bestellt und angefertigt werden. Daher ist es unabdingbar, möglichst frühzeitig genau zu bestimmen, was für ein Projekt an Material benötigt wird.
Im schlimmsten Fall kann eine mangelhafte Mengenermittlung sogar rechtliche Auseinandersetzungen mit dem Auftraggeber auslösen. Dafür gibt es unterschiedliche Szenarien – beispielsweise die deutliche Verzögerung der Fertigstellung eines Projekts entgegen der Planung. Ist ein Termin für die Fertigstellung vertraglich festgehalten, dann drohen Vertragsstrafen oder Kosten durch nachfolgende Arbeiten, die nicht beginnen können. Auf Basis einer korrekten Mengenermittlung lässt sich auch der zeitliche Aufwand deutlich präziser kalkulieren.
Zudem ist die Mengenermittlung wichtig für die gesamte organisatorische Planung. Dazu gehören zum Beispiel die Einteilung von Arbeitskräften und die Terminplanung. Ebenfalls geht es darum, Aspekte wie den Transport zur Baustelle oder den Einsatz von Maschinen und Werkzeugen zu planen. Ein größeres Projekt benötigt mehr Zeit und eine größere Anzahl an Werkzeugen oder Maschinen. Auch dies lässt sich besser organisieren, wenn genau bekannt ist, welche Materialien verbaut werden müssen. Dies sind ebenfalls Faktoren, die die Kalkulation maßgeblich beeinflussen. Sie hängen mit Lohnkosten und Aufwendungen rund um die Baustelle zusammen.
Mengenermittlung in den verschiedenen Bauphasen

Ebenfalls dient dies der Kontrolle, dass die Materialien korrekt zum Einsatz kommen. Dieser Schritt der Mengenermittlung ist zudem für die Rechnungsstellung erforderlich. Gerade in Szenarien, in denen Handwerker mit Abschlagsrechnungen arbeiten, erfolgt über die Mengenermittlung die Kontrolle, wann eine bestimmte Bauphase abgeschlossen ist.
Die Mengenermittlung läuft bis zum Abschluss eines Bauprojekts. Dann stehen zwei Werte fest: zum einen die vorab errechnete Soll-Menge und zum anderen die Ist-Menge, die während der Bauphase ermittelt wurde. Im optimalen Fall gleichen sich beide Datensätze in allen Details oder liegen zumindest sehr nah beieinander. Dies zeigt, dass die initiale Mengenermittlung präzise war und somit auch die Kalkulation stimmte. Weichen die Daten hingegen voneinander ab, dann ist es sinnvoll, die eigenen Prozesse zu kontrollieren. Daher dient die Mengenermittlung auch der Qualitätskontrolle. Eventuell geht Material auf den Baustellen verloren, beispielsweise durch einen unachtsamen Umgang mit den Ressourcen. Das erhöht die Kosten und kann durch die Mengenermittlung auffallen. Ebenso ist es möglich, dass die initiale Mengenermittlung nicht sorgfältig genug ist. Dann ist es hilfreich, die Abläufe in diesem Punkt zu überdenken und gegebenenfalls eine andere Technik für die Mengenermittlung einzusetzen.
Lösungen für eine präzise Mengenermittlung: Digitale Technik hilft

Aus diesem Grund kommt immer häufiger digitale Technik zum Einsatz, um Handwerker bei der Mengenermittlung zu unterstützen. Besonders weit fortgeschritten ist dies im Bausektor. Hier gibt es mit den BIM-Modellen bereits dreidimensionale Gebäudepläne, die bis ins Detail alle Bauteile auflisten. Mithilfe dieser Modelle und der dazugehörigen Software ist eine automatische Mengenermittlung möglich. Auf einen Klick erstellen solche Programme eine exakte Materialliste, die auf der Bauplanung durch den Architekten basiert.
Für andere Sektoren existiert ebenfalls vergleichbare Software. So kann die Mengenermittlung auf Basis einer CAD-Datei entstehen. Für Handwerker gibt es eine Reihe von CAD-Software, mit der sich Modelle erstellen lassen. Die modellbasierte Mengenermittlung mithilfe digitaler Technik ist schneller und präziser. Daher lohnt es sich in vielen Fällen, auf eine solche Lösung zu wechseln und Modelle direkt in dieser Umgebung zu entwerfen.