Der schonende Umgang mit Ressourcen und die Kreislaufwirtschaft sind wichtig auf dem Weg zur Klimaneutralität, die möglichst vor 2050 erreicht werden soll. Ein Schritt auf dem Weg dahin ist der gesteigerte Einsatz von Recyclingbaustoffen. Aus diesem Grund tut sich in diesem Bereich aktuell sehr viel. Innovationen und neue technische Möglichkeiten schaffen immer mehr Einsatzmöglichkeiten für diese sekundären Baustoffe.
Welche Stoffe im Bausektor lassen sich recyceln?
Der Bereich der Recyclingbaustoffe umfasst eine Reihe von unterschiedlichen Materialien. Einige davon werden schon seit langer Zeit und in einem hohen Grad recycelt. Dazu zählen beispielsweise Glas, Metall und Holz. Hier gibt es effektive Techniken und eine bestehende Infrastruktur, sodass ein effizientes Recycling möglich ist. Bei anderen Materialien ist hingegen noch Nachholbedarf vorhanden.

Grundsätzlich lassen sich noch viele weitere Stoffe, die im Bausektor zum Einsatz kommen, in der einen oder anderen Form recyceln. Problematisch sind Verbundwerkstoffe sowie Materialien, die durch Farben, Lacke, Lösungsmittel und andere chemische Stoffe verunreinigt sind. Am Beispiel von Gipsplatten zeigt sich die Problematik, die bei Verbundwerkstoffen oft vorhanden ist. Gipsplatten bestehen meist aus zwei Komponenten. Neben dem Gips ist dies noch Karton. Beides sind Rohstoffe, die sich einzeln sehr gut recyceln lassen. So ist Gips unendlich wiederverwendbar, sofern er in reiner Form vorliegt. Da der Gips in den Platten jedoch fest mit der Pappe verbunden ist, muss zuerst eine aufwendige Trennung erfolgen. Zudem sind Gipsplatten oft mit Rückständen anderer Baumaterialien kontaminiert, was das Recycling erschwert. Dazu gehören Tapeten, Kleber unterschiedlicher Arten oder auch Fliesen und PVC. Dieses Problem ist bei vielen Baumaterialien vorhanden und erschwert das Recycling.
Einsatzmöglichkeiten von Recyclingbaustoffen
Beim Recycling ist die Art der Verwendungsmöglichkeiten zu unterscheiden. Primär wird zwischen sekundären Baustoffen sowie einer Zweitverwendung von Baumaterialien unterschieden. Sekundäre Baustoffe sind ebenbürtig mit neuen Rohstoffen und können diese direkt ersetzen oder werden dem Produktionsprozess von neuen Materialien hinzugefügt. Ein Beispiel dafür sind Ziegel, die aus Abbruchhäusern gewonnen werden. Durch die Zerkleinerung entsteht Rohmaterial, das der Produktion von neuen Ziegeln zugeführt wird. Dieser Prozess lässt sich beliebig oft wiederholen. Damit ist in diesem Bereich das Ziel der Kreislaufwirtschaft erreicht.
Wie unterschiedlich effektiv das Recycling funktioniert, zeigen die Quoten des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2018. Beim Straßenaufbruch wurde eine Quote von sehr guten 93,2 Prozent erreicht, bei Bauschutt immerhin 77,9 Prozent. Jedoch wurden nur 4,7 Prozent von Bauabfällen auf Gipsbasis recycelt. Mehr als die Hälfte wurde auf Deponien beseitigt.

Besonders hoch und nahe an 100 Prozent ist die Recyclingquote von begehrten Metallen wie Stahl, Aluminium und Kupfer. Sie gelangen nicht nur zurück in den Bausektor, sondern stehen der allgemeinen Metallproduktion als sortenreiner Rohstoff zur Verfügung. Somit können Stahlträger aus einem alten Gebäude in der Zweitverwendung zu einem Elektrofahrzeug oder einer Windkraftanlage werden. Metallrecycling ist somit ein ideales Beispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Recyclingbaustoffen, die nicht für die Kreislaufwirtschaft geeignet sind und somit nicht wieder in ihrer ursprünglichen Art verwendet werden, kommen oft andere Aufgaben im Bau zu. Im Jahr 2018 gelangte mit 51,3 Prozent der überwiegende Anteil von Recyclingbaustoffen in den Straßenbau. Im Erdbau kommen weitere 22,2 Prozent der Recyclingbaustoffe zum Einsatz. Hier wird Material wie Betonabfall zum Beispiel für den Bau von Lärmschutzwänden an Autobahnen genutzt. Weitere 21,6 Prozent wurden als Zuschlag in Asphalt oder Beton eingesetzt.
Alte Asphaltbeläge und ölhaltige Materialien dienen als Rohstoff für die Bindemittelproduktion. Holz aus alten Bauten bildet die Grundlage für neues Schnittholz, sofern es unbehandelt und in einem guten Zustand ist. Alternativ dient massives Holz als Ausgangsstoff für die Produktion von Spanplatten oder Trägerholz für Bodenbeläge. Damit ist eine direkte Wiederverwertung im Bausektor möglich. Schäden durch Feuchtigkeit oder Ungeziefer verhindern jedoch gerade bei Holz oftmals ein hochwertiges Recycling.

Dies ist kein Recycling im eigentlichen Sinne und ermöglicht auch keine Kreislaufwirtschaft, denn das alte Bauholz muss in seiner Hauptverwendung durch neuen Rohstoff ersetzt werden. Dennoch wird so eine Entsorgung zum Beispiel auf einer Deponie verhindert.
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Welche Techniken kommen im Baustoffrecycling zum Einsatz, und wie entstehen neue Baumaterialien?
Der erste Schritt beim Recycling ist die richtige Gewinnung. Das beginnt bei einer sortenreinen Trennung direkt im Abbruch, falls dies möglich ist. Metallbauteile lassen sich beispielsweise einzeln entfernen und dann direkt dem Recycling zuführen.
Bei anderen Baumaterialien ist dies nicht so einfach – teilweise auch, weil sie mit anderen Stoffen fest verbunden sind. Dann muss die Recyclingtechnik spezielle Verfahren entwickeln, um die Stoffe in einen reinen Zustand zu versetzen. In vielen Fällen wird dabei auf die Zerkleinerung gesetzt. Diese Technik kommt bei mineralischen Baustoffen wie etwa Gipsplatten oder Beton sowie bei Verbundwerkstoffen zum Einsatz.
In den nächsten Schritten wird das zerkleinerte Material gesiebt, gefiltert, ausgewaschen oder auch mit magnetischen oder optischen Systemen bearbeitet. Das Ziel ist es, Fremdstoffe auszusortieren und die Baumaterialien zu trennen. Dann stehen reine Materialien zur Verfügung, die sich besser recyceln lassen. Das sind unter anderem Gipspulver, Pappe, Betonschotter, Holzmehl oder Ziegelpulver.

Sobald die sortenreine Trennung gelingt, stehen die Chancen für eine sinnvolle Wieder- oder Zweitverwertung bei den meisten Baumaterialien sehr gut. Das sind die Voraussetzungen für eine Kreislaufwirtschaft. In vielen Fällen lässt sich das wiedergewonnene Material sogar direkt der Neuproduktion des Ausgangsmaterials hinzufügen. Das ist zum Beispiel bei Pappe der Fall. Auch Steinwolle aus Dämmungen lässt sich einschmelzen und dann der Neuproduktion zuführen.
Für biologisch abbaubare und natürliche Baustoffe ist zudem die Kompostierung eine Option. Das gelingt bei Dämmstoffen aus Baumwolle oder Hanf sowie bei Holzfaserdämmplatten. Voraussetzung ist auch hier eine sortenreine Trennung und der Umstand, dass das Material unbelastet ist. Damit zeigt sich, dass für eine zukünftig hohe Recyclingquote auch die Wahl der Materialien im Neubau eine zentrale Rolle spielt.
Recycling von Baumaterialien: Eine der Herausforderungen der Zukunft
Zu den Klimazielen für 2050, zu denen sich die Bundesregierung im Rahmen des Pariser Abkommens verpflichtet hat, gehört die CO₂-Neutralität. Sie lässt sich nur erreichen, indem alle Bereiche des Alltags auf den Einsatz von neuen Ressourcen verzichten beziehungsweise ausschließlich nachwachsende und nachhaltige Materialien einsetzen. Das betrifft besonders den Bausektor und hier spezifisch die mineralischen Rohstoffe.
Aus diesem Grund ist der vermehrte Einsatz von Recyclingbaustoffen wichtig. Die Recyclingquoten müssen verbessert werden, sodass Bauen nachhaltiger wird. Es fehlen aktuell für bestimmte Baumaterialien noch geeignete Lösungen. Das betrifft sowohl das Recycling selbst als auch Verwendungszwecke als sekundäre Baustoffe. Besonders die Verbundwerkstoffe, die sich schwer trennen lassen, stellen oft eine Herausforderung dar. In naher Zukunft wird sich die Forschung deshalb weiter mit den Recyclingbaustoffen befassen und neue Methoden entwickeln, um die Kreislaufwirtschaft im Bausektor voranzutreiben.