Im ersten Teil der Serie über Vermessungstechnik wurden die Systeme vorgestellt, mit denen Distanzmessungen und dreidimensionale Aufmaße ein Kinderspiel sind. Der zweite Teil befasst sich mit dem Einmessen von Lot, Waage und Neigungen mithilfe von Lasertechnik.
Kreuzlinienlaser
Beim Kreuzlinienlaser (auch Multilinienlaser) ist der Name Programm: Das kleine, kompakte Gerät wirft Laserlinien auf Boden, Wand und Decke, die dazu dienen, Lot und Waage zu kontrollieren oder auf die Bauteile per Stift zu übertragen. Das „Kreuzlinien“ steht dafür, dass diese Laserlinien im rechten Winkel zueinander verlaufen. Im Grunde ist ein Kreuzlinienlaser also die digitale Alternative zur Wasserwaage.
Wie funktionieren die Kreuzlinienlaser?
Ein Linienlaser besteht im Grunde aus einem einfachen Punktlaser, dessen Strahl mit Hilfe optischer Elemente zu einer mehr oder weniger langen Linie verbreitert wird. Das Auffächern des Laserstrahls in einem Linienlaser lässt sich mit Brechen und Beugen erreichen. Für die Brechung werden Linsen verwendet, die Beugung erfolgt an Gittern, die durch Ätzen in Glas hergestellt werden. Eine einfache Laserlinie kann mit einer Zylinderlinse erzeugt werden, kompliziertere Muster sind einfacher durch Brechung an entsprechend gestalteten Gittern erzielbar.
Kreuzlinienlaser sind in der Lage, sich innerhalb bestimmter Grenzen (i.d.R. bis zu 4° Neigung) selbst auszunivellieren. Das geschieht durch ein Pendelgewicht, das im unteren Teil des Gehäuses platziert ist und das Pendel um einen Drehpunkt herum ins Lot stellt.
Was muss ein guter Kreuzlinienlaser können?
Zunächst muss man den Hinweis geben, dass die Lasersichtbarkeit der Kreuzlinienlaser in Innenräumen absolut ausreichend, im Außenbereich dagegen zu gering ist – hier kommen alternativ die Rotationslaser zum Zuge. Bei der Sichtbarkeit der Linien spielt nicht nur die Helligkeit des Lasers eine Rolle, sondern auch die Schärfe der Linie und nicht zuletzt auch deren Farbe. Hier gelten grüne Linien als besser sichtbar als die früher üblichen roten Linien. Allgemein sind Laser mit grünem Laserstrahl ca. 30 % teurer.
Gute Geräte projizieren nicht nur Kreuzlinien auf die gewählte Fläche, sondern auch die Lotpunkt an Boden und Decke – das ist besonders praktisch, um Messpunkte von unten nach oben oder umgekehrt zu übertragen. Nicht immer ist es nötig, dass Lot und Waage und der zugehörige rechte Winkel gleichzeitig an die Wand geworfen werden, viele Geräte bieten deshalb die Möglichkeit, einzelne Linien zu- oder abzuschalten.
Praktisch, etwa für Dachschrägen, ist es, wenn die Linien auch fixiert und dann schräg gestellt werden können. Zum Kreuzlinienlaser gehört zwingend ein Stativ, gute Modelle bieten aber auch einen integrierten Magneten, um den Laser an Trockenbauprofile oder Stahlstützen fixieren zu können.

Rotationslaser
Die schon erwähnten Rotationslaser projizieren ihre Laserstrahlen ebenfalls auf ausgewählte Flächen, ihr Einsatzgebiet ist aber der Außenbereich. Die Reichweite der Laser ist entsprechend höher als die der Kreuzlinienlaser, je nach Hersteller werden bis zu 500 m erreicht. Die Genauigkeit ist relativ gesehen höher als bei Kreuzlinienlasern, sie liegt bei etwa 5-10 mm pro 100 m Entfernung.
Rotationslaser erzeugen eine horizontale Linie, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist. Deshalb gehört zu den allermeisten Geräten ein sogenannter Receiver (Empfänger), der über einen photoelektrischen Detektor die Laserlinie erfasst und über einen akustischen Ton mitteilt, wo die Bezugslinie ist. Die Geräte sind wesentlich größer als die Kreuzlinienlaser, für den Baustellenalltag im Freien aber auch robuster. Ein Stativ ist hier ein unverzichtbares Zubehör, das aber oft extra gekauft werden muss.
Wie funktionieren die Rotationslaser?
Bei dieser Laserart strahlt eine Laserdiode von unten in ein drehbar gelagertes Prisma im Geräteinneren, durch das der Laserstrahl um 90° umgelenkt wird. Durch die permanente Rotation des Prismas um seine Hochachse wird eine umlaufende 360°-Laserlinie auf den umliegenden Flächen erzeugt.
Wie bei den Kreuzlinienlasern auch sind Rotationslaser in der Lage, sich innerhalb enger Grenzen (bis zu 4°) nach Inbetriebnahme selbst auszunivellieren. Ist dieser Toleranzwert überschritten, blinken die Leuchtdioden permanent, bis der Nutzer das Gerät manuell in die Waage bringt.
Was muss ein guter Rotationslaser können?
Zunächst ist auch hier die Sichtbarkeit der erzeugten Laserlinie ein wichtiges Qualitätskriterium, vor allem, wenn der Nutzer keinen zusätzlichen Receiver nutzen will oder die benötigte Reichweite eher im zweistelligen Meterbereich liegt. Auch bei Rotationslasern kann zwischen rotem und grünem Laserlicht gewählt werde, grün ist auch bei hellen Lichtverhältnissen besser sichtbar, aber auch teurer. Aber auch die Rotationsgeschwindigkeit des Prismas hat Einfluss auf die Sichtbarkeit. Je schneller sich ein Laser dreht (bis zu 600 U/min), desto besser ist die Linie zu erkennen. Bei guten Geräten ist die Rotationsgeschwindigkeit einstellbar.
Einstellbar ist auch die Neigung, bei Profigeräten sogar per Fernbedienung. Für die Stromversorgung werden Geräte mit Batterien und solche mit Akkus angeboten. Letztere sind nicht nur aus ökologischen Gründen vorzuziehen, sondern weil sie auch länger am Stück durchhalten. Dringend anzuraten ist ein Stativ, das nicht in jedem Lieferumfang enthalten ist. Ein Stativ erweitert das Anwendungsspektrum der Geräte enorm, so müssen viele davon erst auf dem Stativ montiert werden, um auch vertikale Laserlinien projizieren zu können.
Profi-Rotationslaser sind gegen Baustelleneinflüsse durch eine Gummierung des Gehäuses gut geschützt und oft wasserdicht.