Die eigenen Mitarbeitenden sind wahrscheinlich das größte Kapital eines Unternehmens. Das gilt vielleicht in keinem Sektor so sehr wie im Handwerk, wo individuelle Fähigkeiten ausschlaggebend sind. Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden gestaltet sich zunehmend schwerer. Einige Tipps, die Handwerksbetriebe anwenden können, um motiviertes und kompetentes Personal anzulocken.
Überzeugende Stellenanzeigen machen den Unterschied
Viele Stellenanzeigen ähneln sich und lesen sich unglaublich verschachtelt, bleiben aber gleichzeitig nichtssagend. Das liegt auch daran, dass Unternehmen diese Anzeigen selbst aufgeben und sich an anderen Inseraten auf dem Markt orientieren. Das führt dazu, dass bestimmte Formulierungen und Floskeln immer wieder übernommen werden.
Unternehmen haben natürlich eine klare Vorstellung von Fähigkeiten und Erfahrungen, die Bewerber mitbringen sollen. Das führt schnell zu einer langen Liste, die den Leser jedoch erschlagen und abschrecken. Wenn eine Stellenanzeige eine Reihe von Anforderungen listet und dann noch mit „Mindestens X Jahre Erfahrung im Beruf“ abschließt, sehen Bewerber vielleicht von einer Kontaktaufnahme ab, weil ein Punkt nicht vollständig erfüllt wird.

Beispielsweise beschreiben sich Arbeitgeber in Stellenanzeigen gerne als traditionsreiche, dynamische oder etablierte Unternehmen. Oftmals können die Arbeitgeber selbst nicht genau erklären, was sie damit genau meinen oder wie diese Information den Bewerbern helfen soll. Es ist viel sinnvoller, sich auf das Wesentliche zu fokussieren und die Arbeitsaufgaben möglichst präzise sowie kurz zu beschreiben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Gehaltsrahmen. Viele Stellenanzeigen schweigen sich darüber aus oder sprechen von einer „leistungsorientierten Vergütung“. Dies ist nichtssagend und verfehlt vor allem potenzielle Bewerber, die aktuell eine Anstellung besitzen, aber mit dem Gedanken einer Veränderung spielen. Wird hingegen ein ungefährer Verdienstrahmen genannt, dann bewerben sich eventuell mehr Personen mit aktiver Beschäftigung, wenn eine Verbesserung des Lohns möglich ist. Gerade auf diesem Weg können Betriebe die gesuchten Fachkräfte mit viel Erfahrung und Fertigkeiten ansprechen.
Gerade im Handwerk ist es zudem sinnvoll, passenden Bewerbern im Rahmen eines persönlichen Gesprächs die Chance zu geben, sich zu präsentieren. Wer die beste Bewerbungsmappe zusammenstellt, ist nicht automatisch der geeignete Kandidat für einen handwerklichen Beruf. Außerdem muss die Chemie auf persönlicher Ebene stimmen. Das lässt sich nur bei einer direkten Begegnung feststellen.
Digital oder klassisch – moderne Stellenanzeigen sind vor allem individuell

Der Erfolg einer Stellenanzeige hängt jedoch nicht davon ab, ob diese in digitaler oder einer anderen Form veröffentlicht wird. Viel wichtiger ist es, sich von anderen Inseraten abzuheben. Das gelingt in erster Linie, wenn ein Unternehmen sich authentisch präsentiert und den Leser abholt. Aus Umfragen geht hervor, dass Leser von Stellenangeboten sich in weniger als fünf Minuten entscheiden, ob sie sich auf ein Inserat bewerben.
Das gelingt zum Beispiel dadurch, dass sich ein Betrieb nahbar und realistisch präsentiert. Gerade im Handwerk ist eine künstlich geschwollene Redensart unpassend, denn im Alltag wird so in der Werkstatt oder auf der Baustelle zwischen den Mitarbeitenden auch nicht gesprochen. Es ist also wichtig, sich bereits in der Stellenanzeige so zu präsentieren, wie auch die Unternehmenskultur gelebt wird. Dies darf eben durchaus humorvoll, herzlich oder direkt sein – ganz wie der Alltag im Betrieb. Dann wissen Bewerber gleich, in welches Umfeld sie kommen. Das kann durchaus ein gutes Argument für das eigene Unternehmen sein.
Außerdem muss die Stellenanzeige nicht unbedingt auf den einschlägigen Jobportalen beziehungsweise ausschließlich dort platziert werden. Es gibt eine Reihe von weiteren Möglichkeiten, neue Mitarbeitende zu finden. Wer andere Kanäle bespielt, vergrößert die Reichweite und damit auch die Chance, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Eine solche Option sind die sozialen Medien. Viele Handwerksbetriebe betreiben bereits eigene Social-Media-Profile, da dies heutzutage zum Marketing dazu gehört. Es gibt keinen Grund, zwischen den regulären Posts auch Stellengesuche zu platzieren.
Das gibt die Möglichkeit, die Stellensuche aufzulockern. Da bietet es sich beispielsweise an, mit einem Video nach neuen Mitarbeitenden zu suchen. Solche Videos können zwanglos, selbstironisch oder auf eine andere Art kreativ sein. Wichtig ist, dass es zum eigenen Unternehmen passt. In der Vergangenheit sind sogar kleine Unternehmen mit solchen Stellenanzeigen im Videoformat viral gegangen und haben eine enorme Aufmerksamkeit weit über den Stellenmarkt hinaus generiert. Etwas Besseres kann einem Handwerksbetrieb kaum passieren, denn das hebt gleichzeitig den Bekanntheitsgrad des Unternehmens.
Mitarbeiterempfehlungen und das eigene Netzwerk – oft unterschätzte Kanäle für die Rekrutierung

Diese potenziellen Quellen sollten keinesfalls außer Acht gelassen werden, denn die Chancen stehen gut, auf diesem Weg Fachkräfte zu finden.
Lokal engagiert sowie präsent – gute Imagewerbung und gleichzeitig Werbung für Fachkräfte

Das lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen. Gerade in kleineren Gemeinden gibt es viele lokale Aktivitäten, zum Beispiel Dorffeste oder das Osterfeuer. Hier lohnt es sich, sich aktiv einzubringen und an den Veranstaltungen teilzunehmen. Dies gelingt natürlich auch in Städten, wo es beispielsweise Sportvereine und sportliche Veranstaltungen gibt, bei denen eine Teilnahme oder Sponsoring möglich sind.
Welches Bild ein Unternehmen von sich präsentieren will, liegt ganz in der Hand des Betriebs selbst. Das können die Einbringung in Umweltprojekte sein, wie die Pflanzung von Bäumen oder die Renaturierung von Flussläufen. Weitere Optionen sind die Teilnahme mit einem eigenen Team an einem Marathon oder die Unterstützung von karitativen Zwecken. So bekommt der Betrieb ein Gesicht und Menschen haben die Gelegenheit, sich mit einem Unternehmen und den Werten zu identifizieren.