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29. Juni 2023  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Welche modernen Baustoffe können Beton ersetzen?

von  hagebau Fachredaktion | 5 Min. Lesezeit | #Baustoffe  #Dämmstoffe  #Nachhaltig  #Beton  #Alternativen 

Beton ist seit vielen Jahren der Standardbaustoff schlechthin, obwohl er das Klima und Ressourcen belastet. Dabei gibt es gute Alternativen, die teilweise neu und teils altbewährt.

Moderne Bau- und Dämmstoffalternativen

Der Klimawandel ist in aller Munde und macht sich überall bereits im Alltag bemerkbar. Viele Branchen müssen im Zuge dieser Entwicklungen umdenken, da ist die Baubranche keine Ausnahme. Schließlich stammt ein erheblicher Anteil des weltweiten CO2-Ausstoßes von der Produktion von Baumaterialien und deren Verwendung. Allein sieben Prozent entfallen auf die Herstellung von Zement, der in der Folge meist zu Beton weiterverarbeitet wird.

Holzbeton und Leichtbeton als Betonalternative

Grund genug nach Möglichkeiten zu suchen, klimaverträglich und dennoch kosteneffizient zu bauen. Einer der Ansätze dabei ist, den Anteil des Zements im Beton zu verringern. Das gelingt etwa durch die Nutzung von Recyclingbeton oder veränderten Rezepturen, mit Zuschlagmitteln wie Holzfasern - so genannter Holzbeton. Dieser Werkstoff wurde einst in Nachkriegsjahren aus der Not geboren, befindet sich heute aber im Fokus diverser Baustoffforschungen, die eine vielversprechende Zukunft für Holzbeton erahnen lassen.

nachhaltiger Beton aufgestapelt

Auch Bimsstein wird gern als Betonzuschlag verwendet, um Leichtbeton zu erzeugen. Hier stimmen zwar die Eigenschaften in Bezug auf Wärmespeicherung und -dämmung und auch die Widerstandsfähigkeit des Materials ist gegeben. Allerdings muss für die Herstellung vergleichsweise viel Energie aufgewendet werden, was die Umweltbilanz von Bims in Leichtbeton verschlechtert.

Nachwachsend und recycelt: Hanfbeton und Geopolymerbeton

Ganz ohne Zement, dafür mit Naturkalk wird Hanfbeton gefertigt. Es handelt sich hier um Leichtholzanteile, die als Abfallstoffe bei der Hanf- und Flachsverarbeitung anfallen. Diese werden mit Kalk und Wasser beispielsweise zu Steinen oder Platten gepresst, die wiederum anschließend im Gebäudebau verarbeitet werden. Hanfbeton vereint dabei eine ganze Reihe sehr wünschenswerter Eigenschaften wie gute Dämmeigenschaften, Raumklimaregulierung, Schallisolierung, Brandschutz und Schimmelresistenz, um nur einige zu nennen. Schadstoffe enthält dieser Werkstoff keine, denn die Bestandteile sind komplett natürlicher Herkunft und teilweise nachwachsend. Einziger Nachteil von Hanfbeton ist die geringere Druckfestigkeit im Vergleich zu Ziegeln oder Beton. In Massivbauweise müssen Lasten daher von entsprechenden Ständern abgefangen werden. Die Kosten für Hanfbeton schlagen mit einem Plus von zehn bis 15 Prozent zu Buche.

Mann hält Hanfbaustoff und eine Kelle in der Hand

Ebenfalls zementfrei und selbst ohne Kalk kommen Geopolymerbaustoffe aus. Für so genannten Geopolymerbeton werden vorwiegend Sekundärstoffe aus der Industrieproduktion genutzt, zum Beispiel Aschen und Schlacken. Bis zu 70 Prozent Einsparungen an CO2-Emissionen sind durch diesen Werkstoff erreichbar, wobei die Einsatzbereiche vielfältig sind. Optisch lässt sich der Unterschied zu herkömmlichen Betonsteinen nicht ausmachen. In Sachen Beständigkeit und Haltbarkeit ist Geopolymerbeton im Vergleich zu Beton sogar etwas im Vorteil, da er weniger anfällig gegen Wetter und Moosbefall ist. Die große Festigkeit des Baustoffes erlaubt zudem schmalere Bauteile mit geingerem Gewicht. Eine gewisse Elastizität macht Geopolymerbeton interessant für Bauten, die Schwingungen ausgesetzt sind. In Deutschland steht der Baustoff Geopolymerbeton noch ganz am Anfang. In anderen Teilen der Welt hat man bereits sehr gute Erfahrungen damit gesammelt, wie etwa beim Bau des Flughafens von Brisbane in Australien.

Klassiker wieder entdeckt: Lehmziegel und Holzhaus

Wahrlich nicht neu, aber von frisch erwachtem Interesse, ist Lehm als Material im Baubereich. Von den Eigenschaften als Innenputz profitieren Allergiker und Menschen mit einem Interesse an naturnahem Bauen bereits seit vielen Jahren. Mittlerweile gibt es auf dem Markt auch fertige Lehmziegel und Lehmplatten, die zum Bau und zur Dämmung von Gebäuden eingesetzt werden. Ein Regelwerk nach DIN vereinheitlicht seit einigen Jahren die Anforderungen und Merkmale des Baustoffes, der wiederum viele positive Qualitäten für den Bausektor mitbringt. Werkstoffe aus Lehm werden getrocknet und nicht gebrannt, was zu Energieeinsparungen von bis zu 85 Prozent führt. Statt Zement wird hier natürlicher Ton mit Zusätzen etwa aus Holzfasern oder Stroh verwendet. In dieser Zusammensetzung sorgt Lehm nicht nur für gute Luft in Räumen, sondern isoliert und speichert Wärme und ist dabei auch noch ausgesprochen langlebig. Lediglich gegen Regen und Feuchtigkeit muss Lehm geschützt werden, zum Beispiel durch Ziegelklinker oder eine Kalkputzschicht. Lehm lässt sich außerdem unbegrenzt wiederverwenden. Bauschutt fällt hier also selbst bei einem Abriss nicht an.

Haus aus nachhaltigen Baustoffen

Die Verwendung von Holz im Häuserbau dürfte so alt sein, wie das Bauen selbst. Aber auch dieser Baustoff erfreut sich einer wahren Renaissance. Bereits mehr als 20 Prozent der neuen Wohngebäude sind als Holzhäuser geplant und selbst im öffentlichen Raum gibt es verschiedene Großprojekte, wie in der Hamburger Hafencity, wo sich ein 18-stöckiges Hochhaus aus Holz im Bau befindet. Holz aus zertifiziertem Anbau gilt als klimaneutral und ist ein von Naturschützern bevorzugter Baustoff. Holzhäuser verfügen über eine gute Wärmedämmung und auch hier wird das Raumklima vom Naturmaterial Holz positiv beeinflusst. Bei gleicher Grundfläche bietet ein Haus aus Holz zudem bis zu zehn Prozent mehr Wohnraum, weil Holzbauweise mit geringeren Wandstärken auskommt. Nachteilig am Werkstoff Holz ist die gute Schallübertragung, die zu hellhörigen Räumen führt.

Zukünftige Entwicklungen setzen vorrangig auf organische Materialien

Entwicklungsabteilungen von Baustoffherstellern und -instituten forschen mit Hochdruck an neuen Lösungen, die in nicht allzu ferner Zukunft auf den Markt kommen sollen. Darunter befinden sich Projekte, die Pilzmyzel, Kork, Bambus- oder Buchenfasern nutzen, um neue Verbundmaterialien herzustellen, die Beton ersetzen oder zumindest dessen Anteil verringern können. Die spannendsten Alternativen zu Beton verwenden nachwachsende Rohstoffe wie Jute, Wolle, Kokosfasern, Bambus, Schilf, Gras und zahlreiche weitere. Deren intelligente Verwendung schont nicht nur Ressourcen und die Umwelt, sie macht Wohnen und Arbeiten außerdem gesünder, angenehmer und klimaeffizienter.

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hagebau Fachredaktion

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Die hagebau Fachredaktion aus dem Fachhandel recherchiert aktuelle und spannende Fachinhalte aus verschiedenen Bereichen der Baubranche. Die von Fachautoren aufbereiteten Texte stellt die hagebau Fachredaktion für Profihandwerker, Brancheninteressierte und DIY-Fans bereit.

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