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24. November 2021  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Welche Normen muss ich bei meiner Arbeitsschutzkleidung beachten?

von  Ulrich Wolf | 8 Min. Lesezeit | #Gore-Tex  #Velourstoff  #Sympatex  #Kevlar  #Zehenschutz 

Sie tragen sie oft mehr als acht Stunden lang am Tag. Arbeitskleidung hält im besten Falle nicht nur warm, sondern bietet Ihnen auch Sicherheit und Arbeitserleichterung. Wir sagen Ihnen, worauf es bei Schuhen, Hosen, Jacken und Schutzkleidung ankommt.

Nicht nur Werkzeuge aller Art müssen bestimmten Kennzeichnungen und Normen entsprechen, auch die täglich genutzte Arbeitskleidung. Das gilt nicht nur für Deutschland, die Vorschriften sind europaweit angeglichen und werden in den entsprechenden DIN EN-Normen kommuniziert. Weil der Sammelbegriff Arbeitskleidung quasi alle Gewerke vom Schweißer über den Schlachter bis Straßenbauarbeiter umfasst, sind die Normen nach tatsächlicher Tätigkeit unterteilt: So gilt etwa die DIN EN ISO 20471 für Warnschutzkleidung (wichtig im Straßenbau), die EN 13034 hingegen für „Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien“. Alle Hersteller statten ihre Kleidung mit dem CE-Kennzeichen aus und versichern dadurch, dass das Produkt den jeweiligen Vorgaben aus der Norm entspricht. Das vorausgesetzt, gehen wir in diesem Beitrag auf die handelsübliche Arbeitskleidung für die Bau- und Ausbauberufe, deren Qualitäts- und Ausstattungsmerkmale ein.

Handwerker steht auf einer Baustelle und hat Werkzeug in der Hand
Das braucht eine gute Arbeitshose
ZollstocktaschenBewährt haben sich Taschen, bei denen der Zollstock auch in der Hocke nicht herausfällt. Diese Taschen haben einen schrägen Ausschnitt und sind hinten höher als vorne.
Handytaschen:Unverzichtbar auf jeder Baustelle ist das Handy. Ideal sind Taschen auf im Stand gut erreichbarer Oberschenkelhöhe, die per Klettverschluss schnell zu öffnen und zu schließen sind. Handytaschen sind oft zusätzlich leicht gepolstert.
Sicherheitstasche:Mindestens eine Tasche an der Arbeitshose sollte durch einen Reißverschluss gesichert sein. Diebstahl aus den Taschen heraus wird so zumindest erschwert.
Knietaschen:An den Knien leidet eine Arbeitshose am meisten. Deshalb statten gute Hersteller die Kniepartien von Arbeits- und Zunfthosen mit Knietaschen aus. Verwendet wird Cordura (eingetragener Markenname des Schweizer Unternehmens Invista), ein Gewebe aus Polyamid, das ähnlich haltbar wie Leder, aber mit nur 250 g/qm besonders atmungsaktiv ist. Wichtig: Die Kniepolster sollten sich von oben in die Taschen einstecken lassen.
SonstigesFür eine bessere Bewegungsfreiheit sind ein elastischer Bund, bei Latzhosen auch elastische Träger sinnvoll. Wer zusätzlich einen Gürtel braucht, sollte darauf achten, dass die Gürtelschnallen breit genug sind, um auch die massiven Gürtel für die sogenannten Workertaschen zu halten.
Arbeitshosen in allen Variationen findest du auch bei uns im Shop

Das sind die Stoffqualitäten von Zunfthosen:

TRENKERCORD 400 / 500

  • Material: 20-25 Rippen auf 10 cm Länge,
  • Zusammensetzung: 400 = 80% Baumwolle, 20% Polyester, 530g/qm; 500 = 85% Baumwolle, 15% Polyester, 550g/qm
  • Einlaufwert: ca. 1% in der Länge
  • Funktion: traditionelle Cordqualität für die Zunft, ansteigende Reißfestigkeit von 400 auf 500, besonders robust.

ZWIRN-DOPPELPILOT/ (AUCH ENGLISCH-LEDER GENANNT) 700

  • Material: 100% Baumwolle
  • Gewicht: 520 g/qm
  • Einlaufwert: ca. 4% in der Länge
  • Funktion: besonders robust, hohe Scheuerfestigkeit, atmungsaktiv, angenehmer Tragekomfort durch aufgeraute Innenseite, feuchtigkeitsabsorbierend

STRETCH-PILOT/730

  • Material: 97% Baumwolle, 3% Elasthan
  • Gewicht: 410g/qm,
  • Einlaufwert: unter 2%
  • Funktion: besonders dehnfähig, max. 15%, atmungsaktiv, angenehm weich zu tragen, hohe Reißfestigkeit, bis 60 Grad waschbar

DEUTSCHLEDER/ 800

  • Material: 100% Baumwolle
  • Gewicht: 600g/qm
  • Einlaufwert: 5% in der Weite und 3% in der Länge durch spezielle Bindungsart; (Hinweis: Bitte wählen Sie eine Nummer größer als üblich)
  • Funktion: extrem robust, atmungsaktiv, schwerste Gewebekonstruktion in der Zunftbekleidung, angenehmer Tragekomfort durch aufgeraute Innenseite.

Hierauf fußt alles: Sicherheitsschuhe

Wichtig bei der Auswahl von Sicherheitsschuhen ist, dass sie der Norm DIN EN ISO 20345 zertifiziert sind.

Die verschiedenen Sicherheitsnormen von Arbeitsschuhen

Arbeitskleidung wird eingeteilt in verschiedene Schutzklassen, S1: Ausstattung, Zehenschutzkappe, Antirutschsohle, geschlossener Fersenbereich, Einsatzgebiet: trockener Innenbereich; S1P: Wie S1, zusätzlich durchtrittsichere und dämpfende Sohle, Einsatzgebiet: trockener Innenbereich; S2: Wie S1, zusätzlich wasserabweisendes Obermaterial, Einsatzgebiet: Außenbereich, Bau; S3: Wie S2, zusätzlich durchtrittsichere und dämpfende Sohle, Einsatzgebiet: Außenbereich, Bau; S5: Stiefel aus polymerem Material, Zehenschutzkappe, wasserabweisend, rutschfest, Einsatzgebiet: nasser Außen- und Innenbereich, Landwirtschaft

Dass Sicherheitsschuhe einen Zehenschutz und eine durchtrittsichere Sohle haben müssen, ist mittlerweile Allgemeingut. Hinsichtlich der Ausführung gibt es allerdings Unterschiede und Weiterentwicklungen der einzelnen Hersteller. Standard im Bauwesen sind Sicherheitsschuhe der Kategorie S3, das heißt, sie müssen zusätzlich antistatisch sein, eine öl-und benzinresistente Sohle haben, im Schuhoberteil beständig sein gegen Wasseraufnahme und die Bewegungsenergie über die Ferse ableiten. Die Hersteller hochwertiger Schuhe verwenden für die durchtrittsichere Sohle keinen Stahl mehr, denn der ist unflexibel, zudem isoliert er weder gegen Wärme noch gegen Kälte. Alternativmaterialien sind spezielle Varianten von Kunststoffen, Textilien oder auch Kevlar. Diese Materialien lassen sich als Brandsohle direkt mit dem Schaft verbinden. Das erhöht die bedingte Wasserdichtigkeit (in 60 Minuten weniger als 30% Wasseraufnahme) der Schuhe.

Dass Sicherheitsschuhe einen Zehenschutz und eine durchtrittsichere Sohle haben müssen, ist mittlerweile Allgemeingut. Hinsichtlich der Ausführung gibt es allerdings Unterschiede und Weiterentwicklungen der einzelnen Hersteller. Standard im Bauwesen sind Sicherheitsschuhe der Kategorie S3, das heißt, sie müssen zusätzlich antistatisch sein, eine öl-und benzinresistente Sohle haben, im Schuhoberteil beständig sein gegen Wasseraufnahme und die Bewegungsenergie über die Ferse ableiten. Die Hersteller hochwertiger Schuhe verwenden für die durchtrittsichere Sohle keinen Stahl mehr, denn der ist unflexibel, zudem isoliert er weder gegen Wärme noch gegen Kälte. Alternativmaterialien sind spezielle Varianten von Kunststoffen, Textilien oder auch Kevlar. Diese Materialien lassen sich als Brandsohle direkt mit dem Schaft verbinden. Das erhöht die bedingte Wasserdichtigkeit (in 60 Minuten weniger als 30% Wasseraufnahme) der Schuhe.

Handwerker mit Sicherheitsschuhen auf Erde
Die Zehenschutzkappe bei einem S3-Schuh muss einer Aufschlagsenergie von mindestens 200 Joule trotzen können. Auch hier kommt nicht mehr der früher übliche Stahl, sondern Kunststoff oder auch Aluminium zum Einsatz. Die Kappen müssen in den Schuh eingearbeitet sein, dass sie nicht heraus genommen werden können. Sie sind bei guten Schuhen in weiche Materialien eingehüllt, damit sie weder die Zehen selbst noch das Obermaterial der Kappe aufscheuern können.
Arbeitsschuhe in den verschiedensten Sicherheitsstufen findest du in unserem Shop

Auch das Innenfutter von Sicherheitsschuhen unterliegt ständigen Verbesserungen. Weit verbreitet sind Mikrofaserfutter, die mit integrierten Belüftungskanälen dafür sorgen, dass die unvermeidliche Feuchtigkeit nach außen abtransportiert wird. Die Laufsohle von Sicherheitsschuhen muss vor allem rutschfest sein. Dafür sorgt eine großzügige Profilierung, die das Wasser ähnlich einem Autoreifen zur Seite wegdrängen kann.

Halten warm und trocken: Arbeitsjacken

Nach der Norm EN 343 werden die Anforderungen und Prüfverfahren hinsichtlich der Materialien und Nähten für Jacken gegen Niederschlag, Nebel und Bodenfeuchte definiert. Auch hier gilt: Wenn die gewählte Jacke das CE-Kennzeichen aufweist, entspricht sie diesen Anforderungen. Arbeitsjacken sollen tatsächlich in erster Linie warm und trocken halten. Letzteres gilt allerdings nicht nur für den Regen von außen, sondern vielmehr auch und gerade für den Schweiß von innen. In den letzten Jahren haben sich verschiedene Materialien für Arbeitsjacken durchgesetzt, die wir hier im Detail vorstellen wollen:

Regenjacken ist klassifiziert durch zwei Kriterien, die Wasserdichtigkeit und die Atmungsaktivität.

Wasserdurchgangswiderstand= Wasserdichtigkeit (je höher der Wert, desto besser) Wasserdampfdurchgangswiderstand = Atmungsaktivität (Je niedriger, desto besser)

Regenjacke mit Regentropfen die abprasseln

Angegeben wird das vom Hersteller nach dem Schema EN 343 3/2, wobei die „3“ die höchste Klasse der Wasserdichtigkeit und die „2“ die mittlere Klasse der Atmungsaktivität bezeichnet. Für beides gibt es je drei Klassen.

Gore-Tex:

Der Name Gore-Tex steht im Ursprung für eine Membran aus Polytetrafluorethylen (kurz PTFE oder auch Teflon), die einerseits durch mikrofeien Poren wasserdicht von außen ist, andererseits eine hohe Diffusionsoffenheit von innen nach außen besitzt. Mittlerweile bekommen Sie Gore-Tex-Jacken in verschiedenen Qualitäten, die entweder die äußere Robustheit, eine noch höhere Atmungsaktivität, eine erhöhte Wärmedämmung oder einfach nur den Tragekomfort in den Vordergrund stellt. Achtung bei der Wäsche: Pulverförmige Waschmittel können die feinen Gore-Tex-Poren zusetzen, verwenden Sie besser flüssige Produkte.

Sympatex:

Auch die Sympatex-Membran aus Polyetherester ist wasserdicht und diffusionsoffen. Allerdings funktioniert das in diesem Fall nicht über Poren, sondern durch einen Prozess innerhalb der Membran. Dabei werden die Wasserdampfmoleküle über wasseranziehende Moleküle von innen nach außen transportiert. Je höher der Temperatur und Feuchtunterschied zwischen Körper und Außenluft, desto schneller geht dieser Prozess vonstatten. Sympatex gilt vor allem in der Herstellung und Entsorgung der Materialien als umweltfreundlicher als Gore-Tex, weil dabei keine halogenierten Kohlenwasserstoffe freigesetzt werden.

Fleece:

Fleece ist ein englischer Begriff, der oft mit dem deutschen „Vlies“ verwechselt wird, aber nichts mit ihm gemein hat. Fleece ist ein Velourstoff, das heißt, die eingearbeiteten Maschen werden aufgeschnitten, was zu einer rauen und flauschigen Oberfläche des Stoffs führt. Fleece-Qualitäten machen sich hauptsächlich über die Dicke und das Gewicht bemerkbar, das in Gramm pro Quadratmeter angegeben wird. Üblich sind Flächengewichte von 100, 200 und 300 g/m2.

Fleece bietet seinen Nutzern einen guten Schutz vor Kälte. Wer Fleece schon einmal getragen hat, wird sich neben der ausgesprochenen Weichheit und dem Tragekomfort vor allem über die Knitter- und Bügelfreiheit gefreut haben. Allerdings ist Fleece nicht wasserdicht, obschon es zumindest wasserabweisend ist. Auch mit der Winddichtigkeit sieht es hier eher mau aus. Fleece lädt sich elektrostatisch sehr stark auf.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

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