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25. Januar 2023  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Wiederverwendung und Recycling von Wasser

von  Ulrich Wolf | 5 Min. Lesezeit | #Recycling  #Wasser-recycling  #Nachhaltigkeit  #Kläranlagen  #Abwasser 

Bei all den Preisexplosionen und Knappheiten von Rohstoffen und seltenen Erden ist die Verfügbarkeit des wichtigsten Rohstoffs etwas aus dem Blick geraten. Wasser wird in den Industriestaaten in der Regel einmal genutzt und dann quasi entsorgt – ein Vorgehen, dass wir uns im Angesicht des Klimawandels nicht mehr lange leisten können. Andere Länder machen uns vor, wie sich Abwasser wieder zu Trinkwasser recyceln lässt.

Die öffentliche Abwasserentsorgung ist ein eminent wichtiger Baustein für das geordnete Zusammenleben und eine intakte Umwelt, vor allem bei den hoch entwickelten Industrieländern mit einer bei einer hohen Bevölkerungsdichte. Hauptaufgabe dieser Entsorgung in zunächst die Ableitung und Reinigung des Abwassers von unerwünschten Reststoffen, bevor es durch Einleitung in ein fließendes Gewässer wieder dem Wasserkreiskreislauf zugeführt wird. Insofern wird Wasser streng genommen permanent „wiederverwendet“.

Kläranlage für Wasserwerk

Wenn man von Wasserrecycling spricht, meint man dagegen die geplante Steuerung und Nutzung des Wassers in kleinen Kreisläufen. Als Beispiele für die geplante Wiederverwendung dient die Bewässerung der Felder in der Land- und Forstwirtschaft. Auch das industriell genutzte Prozesswasser gehört in die Rubrik “geplante Wiederverwendung”.

Woher kommt das Wasser?

Das Wasser, das sich für das Wasserrecycling eignet, stammt aus ganz unterschiedlichen Quellen. Generell wird das geplant recycelte Wasser entsprechend des jeweiligen Verwendungszwecks aufbereitet wird. Zu den unterschiedlichen Wasserquellen, die für das Wasserrecycling infrage kommen, gehören:

  • kommunale Abwässer
  • industrielles Kühl- und Prozesswasser
  • landwirtschaftliche Abwässer
  • Wasser aus Rückflüssen
  • Regenwasser
  • Abwässer aus Privathaushalten

Das wiederaufbereitete Wasser lässt sich hervorragend nicht nur für Landwirtschaft und der Industrie, sondern auch für kommunale Reinigungsarbeiten, für Anmachwasser (Beton, Mörtel, Putze) auf der Baustelle oder im privaten Bereich auch für die Toilettenspülung nutzen. Bei letzterem ist allerdings Vorsicht geboten: Auch moderne Recyclinganlagen, die der Verbraucher sich im Keller aufstellt, können nur das sogenannte „Grauwasser“ so aufbereiten, dass es auch im Haus wiederverwendet werden kann. Mit Grauwasser ist das Wasser gemeint, dass im Privathaushalt zum Waschen von Körper und Kleidung verwendet wurde. Typische Nutzungen von aufbereitetem Grauwasser ist die Gartenbewässerung, die Gebäudereinigung, die Waschmaschine oder auch die Toilettenspülung.

Laut dem „Hinweisblatt Grauwasser-Recycling“ der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr) muss behandeltes Grauwasser hygienisch und mikrobiologisch einwandfrei, farblos, klar und nahezu schwebstofffrei sein. Ferner darf es auch nach mehrtägiger Lagerung nicht unangenehm riechen. Wird das Grauwasser für die Toilettenspülung „zweitverwertet“, wird es zum „Schwarzwasser“ und darf auf keinen Fall erneut in den innerhäuslichen Kreislauf gelangen. Es muss dann zwingend der Kanalisation zugeführt werden.

Recycling-Zeichen auf dem Wasser

In Deutschland findet der Einbau von Grauwasseranlagen in Wohnhäusern im Zuge des Nachhaltigkeitsgedankens immer mehr Verbreitung. Am Markt gibt es verschiedene Recyclingsysteme, die das Grauwasser mechanisch, chemisch oder auch biologisch reinigen. In jedem Fall wird dafür eine separate Wasserleitung benötigt, die das Abwasser von Waschbecken und Wanne zur Grauwasseranlage leitet. Abwasser aus der Küche ist wegen der oft enthaltenen Speise- und Fettrückstände nicht für das Grauwasserrecycling geeignet. Die Recyclinganlage selbst besteht aus dem Wassersammelbehälter, einem Filter sowie der Pumpe und kann im Keller oder auch im Garten untergebracht werden.

Für Einfamilienhäuser geeignet sind Kompaktanlagen, die 300 bis 500 Liter Grauwasser pro Tag recyceln können. Das ist aber nur dann zu empfehlen, wenn diese Anlage beim Neubau des Hauses gleich mit eingeplant wird, denn ein nachträglicher Einbau ist mit etwa 5.000 Euro für eine solche Kompaktanlage sehr teuer. Solche Anlagen sollten zudem in jedem Fall von Fachleuten eingebaut werden. Da Deutschland ein wasserreiches Land ist und das bestehende Wasserversorgungssystem gut funktioniert und Wasser-Recycling nur in Neubauten rentabel ist, wird es hier auf absehbare Zeit keine Trennung der Abwässer in größerem Umfang geben.

Kann man das Abwasser in der Kläranlage nutzen?

Das Wasserrecycling zur Bewässerung von Feldern und Äckern birgt für die menschliche Gesundheit, die Böden und das Grundwasser zahlreiche Risiken, denn mit der konventionellen Abwasserbehandlung können viele Schadstoffe nicht vollständig abgebaut werden. Das Wasser, das die Kläranlage verlässt, enthält noch Keime, Arzneimittel- und Schwermetall-Rückstände, gelöste Verunreinigungen, etc. Das gereinigte Abwasser wird im sogenannten Vorfluter einer weitergehenden Reinigung durch Bakterien und andere biologische, chemische und physikalische Prozesse unterzogen (Selbstreinigung von Gewässern).

Kläranlage für Wasser

Aber selbst das so gereinigte Wasser ist noch lange kein Trinkwasser! Die vollständige Wiederverwendung von Wasser bis hin zur Trinkbarkeit ist aber keine Utopie, wie uns Beispiele aus anderen Ländern wie Singapur zeigen. Der Wasserversorger dort gewinnt hochreines Trinkwasser aus dem kommunalen Abwasser. Technisch möglich ist das durch die sogenannte Membrantechnik. Das verschmutzte Schwarzwasser aus der Kanalisation wird gefiltert und durch eine Reihe von Membranen mit feinsten Poren gedrückt. Die meisten unerwünschten Stoffe, auch Bakterien, werden dadurch herausgefiltert. Als letzten Schritt muss vom Ab- zum Trinkwasser muss es zusätzlich mit ultraviolettem Licht behandelt werden. Die sogenannte UV-Desinfektion reduziert die Anzahl der Keime im Wasser um ein Vielfaches.

In Deutschland geht man hingegen noch den konventionellen Weg. Das weitgehend gereinigte Abwasser gelangt über die Einleitung in Flüsse und Seen oder durch die landwirtschaftliche Bewässerung wieder in den Wasserkreislauf und irgendwann auch wieder im Grundwasser. Trinkwasser in Deutschland wird etwa zu 70 % aus dem Grundwasser gewonnen, aus dem nach einer weiteren aufwändigen Aufbereitung und Reinigung wieder Trinkwasser gewonnen wird.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

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