Nachhaltige und ökologische Bauweise bei Holzhäusern
Ökologisch ist ein Holzhaus gegenüber herkömmlichen Bauten mindestens einen Schritt voraus. Mit cleveren Entscheidungen lässt sich die Nachhaltigkeit erhöhen.
Unterschied zwischen herkömmlichem und ökologischem Holzhaus
Beim Bau von Öko-Häusern gelten besondere Grundregeln, die für Bauwerke aus Stein, Beton oder Holz im Prinzip gleich sind. Dazu gehört,
- dass die Baumaterialien aus der näheren Umgebung stammen sollen, um die Emissionen möglichst gering zu halten.
- dass die Nutzung von Chemikalien zur Konservierung, für Verbindungen oder das Verkleben soweit irgend möglich unterbleibt.
- dass durch eine vorausschauende, clevere Bauweise Alternative Energien eingebunden werden.
- dass für ökologische Holzhäuser deutlich energieeffizienter Systeme genutzt werden.
- dass neben Holz keine Materialien mit einer schlechten Energie- oder Emissionsbilanz Verwendung finden.
- dass generell die gesetzlichen Vorgaben zur Energieeffizienz deutlich übertroffen werden.
Bei Holzhäusern kommt hinzu, dass ein Kubikmeter Holz mindestens eine Tonne CO2 speichern kann. Das CO2 bleibt so lange im Holz gebunden, wie das Bauwerk, sprich das Holz, besteht. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Buche und Kastanie etwa doppelt so viel CO2 aufnehmen können wie Fichte oder Kiefer. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus aus Holz werden gut 40 Kubikmeter des nachwachsenden Rohstoffs benötigt, was folglich mindestens 40 Tonnen CO2 bindet. Überdies wird für Häuser im Blockbaustil bei ausreichender Wandstärke kein Dämmmaterial für die Wände benötigt. Bereits ab 70 Millimetern Wandstärke gilt ein Holzhaus als gut isoliert. Das deutlich bessere Wohnklima, wodurch beispielsweise während der Heizperiode Erkältungskrankheiten vermieden werden können, ist ein zusätzlicher Faktor.
Herkunft des Bauholzes
Wo sind die Bäume gewachsen, aus denen das Holzhaus entstehen soll? Die Entscheidung in diesem Punkt ist eine Gewissensfrage, geht es darum ein nachhaltiges, ökofreundliches Holzhaus zu errichten. Grund dafür ist die gravierend unterschiedliche Qualität des verfügbaren und bezahlbaren Bauholzes.
Die in unseren Wäldern wachsenden Harthölzer wie Eiche, Buche oder Kastanie sind generell zu kostspielig, um daraus ein gesamtes Haus zu bauen. Deshalb werden diese Holzarten beispielsweise für Fenster und Türen verwendet. In der Regel besteht ein Holzhaus aber weitgehend aus Fichte oder Kiefer, weil diese schnell nachwachsen und zu einem erschwinglichen Preis erhältlich sind. Allerdings besitzen die hier wachsenden Kiefern und Fichten nicht die optimale Qualität, um zum Bau eines haltbaren Holzhauses genutzt zu werden.
Deutlich besser sind nordische Fichten oder sibirische Kiefern, also Bäume, die um oder nördlich des Nordpolarkreises gewachsen sind. Wegen der erheblich kürzeren Vegetationszeit liegen bei diesen Bäumen die Jahresringe viel enger beieinander. In der Folge besitzt das Holz eine messbar höhere Dichte von um 500 kg/m3. Der lange Transportweg macht dieses Holz aber für ein Ökohaus nicht zur optimalen Wahl.
Werden hiesige Hölzer genutzt, müssen diese zuerst wärmebehandelt werden. D. h. das Holz wird in einem Kessel mit etwa 200 Grad Celsius heißem Dampf getrocknet. Durch diese Prozedur wird die Restfeuchte reduziert und das Holz verzieht oder verwindet sich nicht mehr. Allerdings ist dieses Verfahren mit einem hohen Energieaufwand verbunden, was ebenso dem Ökogedanken widerspricht.
Eine weitere Alternative ist Brettschichtholz, BSH. Werden einzelne Bretter miteinander verleimt und verpresst, können sehr dicke und überlange Balken hergestellt werden, wie es mit Naturholz nicht möglich ist. Obwohl das BSH lediglich um 0,6 Prozent Kleber enthält, ist genau dies der Punkt, der nicht mit den Prinzipien von Ökohäusern übereinstimmt. So bleibt es am Ende dem Bauherrn überlassen, welches Holz er verbauen will.
Wandstärke und Wärmedämmung
Generell gilt, dass beim Bau eines Holzhauses ab einer Wandstärke von 70 Millimetern auf eine Wärmedämmung verzichtet werden kann. Auch dann, wenn das Holzhaus mit Wänden aus Doppelbohlen errichtet wird. Gerade in diesem Fall wird aber trotzdem ein Dämmstoff eingesetzt. Für ein Öko-Holzhaus bieten sich natürliche Dämmmaterialien an, beispielsweise:
- Hanf
- Stroh
- Schafwolle
- Kokosfasern
- Kork
- Perlit (Granulat aus vulkanischem Gestein)
Holzschutz
Wer an schwedische Holzhäuser denkt, der sieht rote Einfamilienhäuser vor dem geistigen Auge. Diese wurden aber erst vor gut 100 Jahren populär. Grund dafür war, dass Behörden und wohlhabende Bürger damit begannen, Häuser aus Ziegeln zu errichten. So kam der Wunsch auf, auch den Holzhäusern Farbe zu verleihen. Allerdings hat die bis in die Gegenwart verwendete rote Farbe nur einen optischen Nutzen, denn es ist ein mineralhaltiger, mit Wasser vermischter Schlamm. Dieser hat keine Schutzfunktionen, wie oft irrtümlich angenommen wird.
Fakt ist, dass ein Holzhaus im Prinzip nicht gestrichen werden muss. Wird ein Lack aufgetragen, der sich als geschlossene Schicht mit dem Holz verbindet, kann dies kontraproduktiv sein. Selbst winzige Risse im Lack lassen Feuchtigkeit eindringen. Da das Holz wegen der Lackschicht nicht ungehindert atmen kann, kommt es zum Fäulnisprozess. Zudem sind Lacke an sich ein Widerspruch zum ökologischen Bauverfahren.
Eine Alternative sind Lasuren, die in das Holz einziehen. Auch hier wird die Chemie bemüht, um das Holzhaus zu schützen. Schwedische Forscher haben aufgezeigt, dass naturbelassene Holzhäuser mindestens die gleiche Haltbarkeit haben wie solche, bei denen die Außenwände behandelt wurden. Allerdings empfehlen die Experten aus Skandinavien, die Wände des Holzhauses alle drei Jahre gründlich zu waschen. Und es muss dafür gesorgt werden, dass das Holz zwischendurch immer wieder gut durchtrocknen kann. Dies lässt sich durch einen ausreichend großen Dachüberstand erreichen.
Hausdach – Aufdachdämmung, Zwischendämmung, Innendämmung
Das Dach ist ein Teil des Hauses, der bezüglich Energieverlust besonders im Fokus steht. Bei einem ökologischen Holzhaus werden für den Dachstuhl und die Sparren ausgesuchte Hölzer verwendet, die hoch belastbar sind. Um keinen Raum zu verlieren, sollte auf die Innendämmung verzichtet werden. Stattdessen bietet sich aus ökologischen Gründen an, das Dachgeschoss als Wohnraum zu nutzen. Dazu können beispielsweise Dachgauben eingeplant werden, was lichtdurchflutete Zimmer mit verbesserter Nutzfläche beschert.
Aus diesen Überlegungen heraus ist für ein Öko-Holzhaus die Kombination von Aufdachdämmung und, sofern notwendig, Zwischendämmung ideal. Die Zwischendämmung, auch als Sparrendämmung bekannt, kann auch genutzt werden, um die Stärke der Aufdachdämmung zu reduzieren. Als Material bieten sich auch hier die vorgenannten Dämmstoffe an. So wird in einem Holzhaus ein gleichmäßiges Wohnklima geschaffen, denn Öko-Holzhäuser sind im Sommer angenehm kühl und im Winter behaglich warm.
Unterkellern eines Öko-Holzhauses
Ist ein Keller eingeplant, so besteht dieser nach herkömmlicher Weise aus gemauerten Wänden oder solchen aus Beton. Wird auf das Kellergeschoss verzichtet, sollte eine Isolierschicht unter der Bodenplatte eingeplant werden. Eine gut 20 Zentimeter dickes Kiesbett ist notwendig. Eine Alternative ist eine Zisterne, die ganzflächig unter dem Haus quasi als Ersatz für den Kellerraum fungiert. Wird eine Bodenplatte gegossen, kann dem Beton natürliches Dämmmaterial beigemischt werden. Bis zu fünf Prozent gehäckseltes Stroh, Hanf oder Perlit verbessern bereits die Energieeffizienz messbar.
Umweltgerechte Systeme berücksichtigen
Generell ist es erheblich einfacher und kostengünstiger, alternative Systeme bereits bei der Planung eines ökologischen Holzhauses zu berücksichtigen. Zur Energieerzeugung bieten sich Solarsysteme an. Diese Photovoltaikanlagen dienen der Eigenversorgung und liefern bei Überkapazitäten Strom an den Energieversorger. Inzwischen sind auch Windkraftgeneratoren in verschiedensten Ausführungen mit bis zu 2.500 Watt erhältlich, die mit dem Solarstromsystem gekoppelt werden können. Auf diese Weise erzeugt eine Kombi-Anlage auch bei Nacht Strom, so lange ein Wind von mehr als 2 m/s weht.
Wasser ist ein sehr kostbares Gut, welches nicht verschwendet werden sollte. Allerdings nutzen wir bestes Trinkwasser aus der Leitung, um damit die Waschmaschine, den Geschirrspüler oder die Toilette zu betrieben. Und sogar zum Bewässern des Gartens wird kostbares Trinkwasser genutzt.
Eine Regenwassersammelanlage ist eine nachhaltige Investition in die Umwelt. Dazu sind voluminöse Zisternen zur Bevorratung erforderlich, die, unter dem Öko-Holzhaus angelegt, als Isolation vor der Bodenkälte genutzt werden können. Ein relativ einfaches Filtersystem und ein Hauswasserwerk reichen aus, um den gesamten Haushalt mit ausreichend Brauchwasser zu versorgen. Sollte die Zisterne tatsächlich trocken fallen, kann Wasser aus dem eigenen Brunnen oder zur Not auch Leitungswasser verwendet werden. Interessant ist, dass die Pumpentechnik inzwischen derart weit entwickelt ist, dass sich derartige Systeme quasi ohne fremde Energie betreiben lassen. Hochwertige 12-Volt- Gleichstrompumpen mit hoher Förderleistung lassen sich solar betreiben und sorgen so für die kostenlose Versorgung mit Brauchwasser.
Fazit zum Thema nachhaltige, ökologische Holzhäuser
Der Bau eines nachhaltigen, ökologischen Holzhauses ist eine Herausforderung, die sich lohnt. Wichtig bei der Planung ist, alle relevanten Punkte nacheinander abzuhandeln und die individuell beste Entscheidung zu treffen. So entsteht ein nachhaltiges Öko-Haus auf dem Level eines Niedrigenergiehauses, welches im Unterhalt überaus kostengünstig ist.
