Wer sich bereits bei der Planung für die richtigen Baustoffe entscheidet, legt den Grundstein für ein nachhaltiges Dach. Meist bestehen sie aus nachwachsenden Rohstoffen, die sich in den Naturkreislauf zurückführen lassen. Die Materialien sollten recycelbar sein und im besten Fall aus der Region stammen. Dachdecker können aus einer großen Anzahl an ökologischen Baumaterialien auswählen. Doch welche davon sind besonders ökologisch? Und wann sind sie nachhaltig?
Darauf sollte man beim Holz achten
Holz gehört zu den wichtigsten Baustoffen im Dachhandwerk. Es wird verwendet als Bauholz für den Dachstuhl, als Fassadenverkleidung, teilweise als komplette Hauskonstruktion und traditionell als Schindeln zur Dacheindeckung. Ob Holz nachhaltig ist, hängt vor allem von der Herkunft ab: Tropenholz hat lange Transportwege hinter sich, und nur wer die Produzenten kennt, kann sicher sein, dass der abgeholzte Tropenwald auch wieder aufgeforstet wird. Deutlich besser geeignet – im Sinne der Nachhaltigkeit – ist heimisches Holz aus regionaler Forstwirtschaft. Eine zusätzliche FSC- oder PEFC-Zertifizierung garantiert, dass die Stämme sicher aus nachhaltig bewirtschaftetem Wald stammen.

Dacheindeckung mit Reet, Schiefer, Naturstein & Ton

Reet:
Reet ist getrocknetes Schilfrohr und wächst weltweit an Ufern. Es bildet wertvolle Biotope und wird erst geerntet, wenn es bereits abgestorben ist. Reet ist ein sehr schnell wachsender Rohstoff, lange haltbar und leicht recycelbar - und einer der ältesten Baustoffe der Welt. Kleiner Wehmutstropfen: Von der Ernte bis zum Dach legt das natürliche Material oft weite Strecken zurück, denn nur ein kleiner Teil der verarbeiteten Menge stammt aus Deutschland.

Ziegel:
Die hohe Brenntemperatur von rund 900 Grad bewirkt ein Minus in der Ökobilanz von Ziegeln. Ein Vorteil ist die hohe Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren. Zudem werden Ziegel aus Lehm und Ton gefertigt, vielfach auch hier in Deutschland. Dachziegel aus reinem Ton müssen sogar mit 1.200 Grad gebrannt werden und sind deshalb nicht nachhaltiger als „normale“ Ziegel.

Dachsteine:
Sie sehen ähnlich aus wie Ziegel, sind aber aus Beton gefertigt. Überraschenderweise haben Dachsteine keine schlechtere Ökobilanz als Ziegel, denn bei Dachsteinen wird nur der Zement heiß gebrannt und die Temperaturen sind niedriger. Auch Transportwege sind of niedriger. Die Produktion benötigt deshalb etwa 70 % weniger Energie als die Ziegelproduktion. Die Lebensdauer ist vergleichbar.

Schiefer:
Das traditionelle Material zur Wand- und Dacheindeckung hat eine besonders gute Öko-bilanz: Es kommt in vielen europäischen Ländern vor, auch in Deutschland, und wird einfach abgebaut. Schiefer ist zu 100 % ein Naturprodukt. Die Lebensdauer eines Schieferdaches liegt bei über 100 Jahren und hält oft ein ganzes Gebäudeleben. Die Schieferplatten können anschließend einfach weiterverwendet werden.

Naturstein:
Neben Schiefer können auch andere Natursteine nachhaltig sein. Wichtig ist zu wissen, wo der Stein abgebaut wird, wie weit er transportiert werden muss und wie lang seine Lebensdauer ist.

Titanzink:
Mit rund 200 Jahren Lebensdauer und geringem Wartungsaufwand punkten Dächer aus Titanzink. Das Metall lässt sich zudem vollständig und mit geringem Energieaufwand recyceln. Hierzu wird es eingeschmolzen und wiederverwendet. Titanzink wird somit nicht verbraucht, sondern gebraucht.
Ökologisch dämmen mit Naturmaterialien
In Zeiten steigender Energiepreise ist eine gute Wärmedämmung eine weise Entscheidung. Doch welcher Dämmstoff ist der Richtige, wenn das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle spielt? Man unterscheidet grundsätzlich zwischen ökologischen Dämmstoffen (Hanf, Holzfaser oder Schafwolle) und konventionellen Dämmstoffen wie Mineralwolle oder Polystyrol.
Die meisten ökologischen Dämmstoffe haben eine gute Ökobilanz und lassen sich mit wenig Energieaufwand recyceln. Sie sind zudem vielseitig einsetzbar und bieten viel Schutz vor Hitze. Dennoch sind derzeit rund 90 % der in Deutschland verbauten Dämmstoffe aus Erdöl- oder Mineralprodukten. Der Grund sind die niedrigeren Anschaffungskosten.

| Dämmstoff | Einsatz Steildach / Flachdach | Wärmeleitfähigkeit (W/(mK)) |
|---|---|---|
| Hanf | ja | 0,039 und 0,047 |
| Holzwolle/Holzwolle-Leichtbauplatten | nein | |
| Holzweichfaser | ja | 0,040 und 0,052 |
| Jute | ja | 0,037 und 0,040 |
| Kork | nein | 0,040 bis 0,045 |
| Schafwolle | ja | 0,037 bis 0,042 |
| Schilf | nein | |
| Seegras | ja | 0,039 und 0,046 |
| Stroh | ja | 0,043 und 0,052 |
| Wiesengras-Zellulose | ja | |
| Zellulose | ja | 0,038 und 0,042 |