Jeder Dachhandwerker kennt Arbeitsunfälle im Zusammenhang mit Leitern und hat vielleicht selbst schon einen Sturz erlebt. Glück gehabt, wenn alles gut gegangen ist! Doch wie lassen sich Unfälle in der Zukunft besser vermeiden? Und wie arbeitet man sicher mit und auf Leitern?
Hier finden Sie wichtige Schutzmaßnahmen und Tipps als Auszug aus den Vorgaben der BG BAU: Viele Sicherheitsempfehlungen haben mit der Art der Leiter zu tun. Dabei wird zwischen Anlegeleitern, Steh-, Podest- und Plattformleitern sowie Leitern in Gerüsten unterschieden. Für alle Modelle gilt, dass es wichtig ist, sie standfest aufzustellen und die Witterung zu beachten: Ist der Untergrund uneben oder matschig? Dann kippt eine Leiter naturgemäß schneller um. Ist es regnerisch oder kalt? Dann sind Leitersprossen rutschig und kein sinnvoller Arbeitsplatz. Je nach Art der Leiter gibt es zudem praktisches Zubehör, wie Leiterhaken oder Hängepodeste, die die Sicherheit erhöhen – natürlich nur, sofern man sie richtig nutzt.
Anlegeleitern
- Leiterfuß fixieren
- Richtigen Anlegewinkel einhalten (65 bis 75°)
- Leiterkopf anbinden
- Leiter nicht übersteigen
- Leiter nur an sichere Stützpunkte anlehnen und mind. 1 m über die Austrittsstelle hinausragen lassen
- Für besseren Stand Hängepodeste nutzen
- Leiterzubehör verwenden, wie z. B. angepasste Leiterfüße oder Leiterhaken

Steh-, Podest- und Plattformleitern
- Leichte Plattform- und Podestleitern sind sicherer als Anlegeleitern
- Nur Leitern mit fest angebrachten und unbeschädigten Spreizsicherungen nutzen
- Standsicher aufstellen und auf wirksame Spreizsicherung achten
- Von Plattform oder Podest aus arbeiten
- Die obersten zwei Stufen nicht besteigen – außer bei Leitern mit Haltevorrichtungen
Leitern als Zugänge zu Gerüsten
- Zugang zum Gerüst über innenliegende Leitern ist zulässig bis 5 m Aufstiegshöhe oder bei Einfamilienhäusern.
- Leitern dürfen nicht frei hängen, sondern müssen auf dem Gerüstbelag aufliegen.
- Die Durchstiegsöffnungen beim Leiterzugang sind nach jedem Durchstieg wieder zu schließen.

Infos und Tipps für Arbeitgeber
Unfälle mit Leitern können auch für Arbeitgeber enorme organisatorische und wirtschaftliche Konsequenzen haben. Manchmal fallen Beschäftigte monatelang aus, da sich an Krankenhausaufenthalte wochenlange Reha-Maßnahmen anschließen. Die hohen Kosten der Behandlungen tragen zwar die Unfallversicherungsträger – allerdings mit der Konsequenz, dass die Beiträge der BG BAU erheblich steigen. Als Arbeitgeber sollten Sie so viel wie möglich dazu beitragen, dass Leiterunfälle möglichst selten sind in Ihrem Betrieb.
5 Punkte für optimale Sicherheit:
- Alte gegen neue Leitern austauschen, die der aktuellen Norm entsprechen
- Leitern in Varianten vorhalten, damit für jede Aufgabe die passende da ist
- Zubehör vorhalten, wie Einhängepodeste oder Leiterhaken
- Leitern und Zubehör regelmäßig prüfen und Instand halten
- Mitarbeiter im richtigen Umgang mit Leitern und Gerüsten schulen
Unser Tipp: das Leitern-Kontrollbuch
Leitern sollten regelmäßig überprüft und Instand gehalten werden. Mit einem Leitern-Kontrollbuch geht das einfach und sicher. Einen Vordruck gibt´s bei vielen Herstellern z.B. Layher oder Zarges. Wer zudem Leitern mit den kostenfreien Sicherheitskennzeichnungen und Prüfplaketten versieht macht´s richtig!
Zubehör für sicheres Arbeiten
Die Hersteller bieten eine große Auswahl an Zubehör für Leitern an, die die Sicherheit erhöhen. Viele davon werden von der BG Bau bezuschusst, in der Regel mit 50 % der Anschaffungskosten.
- Aufsetzstufen oder Stufeneinhänge-tritt für Alu-Leitern: So werden aus Sprossen 80 mm breite Stufen.
- Dachrinnen-Fixierung / Dachrinnen-Halter zur sicheren Befestigung von Aufstiegsleitern.
- Einhängepodest für den sichern Stand bei Arbeiten von der Leiter aus.

Weiteres Zubehör:
- Holmverlängerungen und Traversen-Niveauausgleich
- Eimerhaken
- verschiedene Ablagemöglichkeiten für Werkzeuge
- Handlauf für Anlegeleitern
- rutschsichere Trittauflage
- Fußspitzen für sicheren Stand
- Gummiauflagen
Gut investiert mit Zuschüssen der BG Bau
Investitionen in den Arbeitsschutz lohnen sich auf jeden Fall, denn sie sorgen für mehr Sicherheit. Zudem bietet die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft finanzielle Zuschüsse. Hohe Prämien gibt es für viele präventive Maßnahmen gegen Absturzunfälle. Hierzu gehören: Kleinsthubarbeitsbühnen und Lifte, Seitenschutz im Gerüst, Treppenläufe für Arbeitsbühnen, Tritte, Arbeitspodeste und Kleinpodeste, Stufen-Schiebeleitern, Ein-Personen-Gerüste, Podestleitern, Bau- und Gerüsttreppen sowie Leiterzubehör.
- Bemessungsgrundlage ist der Umlagebeitrag für den Bedarf der BG (ohne Zuschlag und ohne ASD der BG BAU) des jeweiligen Unternehmens des Vorjahres.
Alle gewerblichen Mitgliedsunternehmen der BG BAU ab einem Beschäftigten mit einem BG-Beitrag ab 100 Euro sind antragsberechtigt. Auch freiwillig versicherte Unternehmer ohne Beschäftigte können über eine Fördersumme von bis zu 250 Euro je Kalenderjahr verfügen. Wichtig zu wissen ist, dass nur neue Maßnahmen gefördert werden, die noch nicht bezuschusst wurden. Maßgebend ist immer das Rechnungsdatum.
Unter ganz bestimmten Voraussetzungen gibt es auch beitragsunbabhängige Förderungen. So kann auch ein kleiner Betrieb mit wenig Beschäftigten und geringeren Beiträgen hohe Zuschüsse erhalten. – in der höchsten Förderstufe bis zu 10.000 Euro.